In einer anderen Haut

In einer anderen HautTitel:  In einer andern Haut
Originaltitel: Inside
Autor: Alix Ohlin
Genre: Belletristik
Seiten: 349 Seiten
Verlag: Beck
ISBN-10: 3406647030
ISBN-13: 978-3406647031

Erste Sätze:
Auf den ersten Blick verwechselte sie ihm mit irgendetwas. Im winterlichen Dämmerlicht hätte er auch ein Ast oder ein Holzscheit, ja, selbst ein Reifen sein können. In all den Jahren die sie nun auf dem Mount Royal langlaufen ging, hatten schon ganz andere Dinge ihren Weg gekreuzt. Die Leute verloren ihre Schals, ihre Schuhe, ihre Hemmungen: Sie war auf Menschen gestoßen, die unter freiem Himmel miteinander schliefen, selbst bei bitterer Kälte.

Klappentext:
Als die engagierte Therapeutin Grace beim Skilaufen in Montréal im Schnee auf einen Mann stößt, der gerade versucht hat, sich zu erhängen, folgt sie instinktiv ihrem Impuls zu helfen. Doch dann muss sie erkennen, dass ihre Gefühle für diesen faszinierenden, aber verschlossenen Mann keineswegs nur therapeutischer Natur sind. Wie gefährlich mitunter unser Wunsch, anderen zu helfen, werden kann, erzählt dieser spannende und glänzend geschriebene Roman der jungen kanadischen Autorin Alix Ohlin.

Inhalt:
Viel erwartet man sich beim Langlaufen, jedoch nicht auf einen Mann zu stoßen, der sich gerade selbst das Leben nehmen wollte. Die Therapeutin Grace findet sich genau in dieser Situation wieder, handelt und hilft. Aus dieser Zufallsbegegnung wächst Zuneigung, nicht nur aus beruflichem Interesse, nein, Tug, dieser verschlossene Mann, weckt etwas in Grace, was sie schon lange nicht mehr kannte.
Annie, eine von Graces Klientinnen bricht aus, ist von zu Hause weggelaufen, um Schauspielerin zu werden – doch die neue Stadt hält ganz andere Aufgaben für sie bereit. Sie hatte es sich geschworen, keinerlei innige menschliche Beziehungen ihren Weg kreuzen zu lassen, aber wie es im Leben nun mal so ist, es hält oft andere Pläne für einen bereit.
Mitch, der Ex-Mann von Grace und ebenfalls Therapeut, zieht es in die Arktis, um dort einer Inuit Gemeinde mit ihren Problemen zu helfen, doch glücklich ist er dort nicht wirklich. Und dann kommt auch noch ein Fall auf ihn zu, der sein gesamtes Leben verändern wird.

Meine Meinung:
Diese Geschichte, sie laufen parallel, aber zu unterschiedlichen Zeiten – man begleitet die Menschen durch die Zeit, wächst mit ihnen, lernt an ihrer Seiten mit Situationen umzugehen. Man könnte nach der Inhaltsbeschreibung beinahe annehmen, dass Grace der Dreh- und Angelpunkt der einzelnen Geschichte ist, was teilweise stimmen mag, aber es doch alle Leben sind, die unabhängig von ihr, ihren Lauf nehmen, mögen sie auch manchmal einen Weg miteinander geteilt haben.

Die Leben von Grace, Tug, Mitch und Annie – sie sind miteinander verbunden, sie verbringen Zeit miteinander, doch es kommt auch der Moment, wo sie getrennte Wege wählen, was nicht bedeutet, dass es kein Wiedersehen mehr gibt, nur wird deutlich, wie bedeutsam Menschen für das eigenen Leben sein können, auch wenn sie nicht mehr wirklich Teil davon sind, irgendwie beeinflussen sie doch unsere Zukunft. Und es heißt ja auch, man sieht sich immer zweimal im Leben, was gar nicht mal so falsch ist.

Zwischen den Zeilen verlieren sich die Charaktere in ihrem Wunsch, einfach helfen zu können. Natürlich sind da auch andere große Gefühle, doch vorwiegend ist es der unendliche Wunsch, einander auffangen zu können, damit ein anderer wieder ins Leben zurückfindet, aber natürlich ist es auch, dass es einfach Personen gibt, die sich nicht helfen lassen wollen, oder Hilfe nicht annehmen, gebührend würdigen – was es mit dem Helfer macht, in welche Richtungen seine Gedanken treiben, dass erfährt man „In einer anderen Haut“, man guckt hinter die Stirn, mitten in die Gedanken hinein und erhält zwei Sichten auf die Dinge. Einmal die Sicht des Helfers und einmal ein kleiner Einblick auf die Welt des Menschen, dem geholfen wird.

Es klingt positiv, nicht wahr? Das Grundkonstrukt ist es auch, allerdings hängt es ein wenig in der Umsetzung. Mir persönlich hat die psychologische Note gefehlt, besonders, da zwei Protagonisten Therapeuten sind, da wünscht man sich einfach eine andere Art der Eindringlichkeit, aber was selbstloses Helfen innerlich in einen Menschen veranstaltet, diese Einsicht fehlt. Man liest sich durch die Geschichte, ist gut unterhalten, aber gegen Ende hin ist einen klar: irgendwas hat gefehlt. Es ist einfach unrund und leider viel zu oft emotionsleer. Sicherlich gibt es Situationen, die einen packen, mitreißen, aber sie verlaufen im Sand, werden oft nicht richtig aufgegriffen, sondern nur angerissen. Meines Erachtens hätte man einfach viel viel mehr aus der Geschichte rausholen können.

Fazit:
Der Inhalt lässt auf so viel hoffen, aber es ist leider so, dass es die Umsetzung nicht komplett schaffte, mich zu überzeugen. Nach der Lektüre des Buches bleibt einfach das Gefühl zurück, dass etwas fehlt, die Eindringlichkeit, welche man sich erhoffte, konnte ich leider nirgendwo finden.
3 Sterne

Ihr findet auch bei Sophie von literaturenMara von buzzaldrins und Ann-Christin von wortgalerie interessante Besprechungen zu dem Buch.

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