Der Vorname [Film]

Der VornameTitel: Der Vorname
Originaltitel: Le Prénom
Laufzeit: 109 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12
Regie: Alexandre de La Patellière, Mathieu Delaporte
Drehbuch: Mathieu Delaporte
Darsteller: Patrick Bruel: Vincent,    Valérie Benguigui: Élisabeth, Charles Berling: Pierre, Judith El Zein: Anna,    Guillaume De Tonquedec: Claude

Inhalt:
Der Literaturprofessor Pierre und seine Frau, die Lehrerin, Élisabeth laden zum gemeinsamen Abendessen mit Élisabeths erfolgreichen Bruder Vincent und dessen schwangerer Frau Anna, sowie den Jugendfreud der beiden. Alles beginnt ganz harmlos, Banalitäten werden ausgetauscht, als jedoch Vincent verkündet, seinen Sohn Adolf zu nennen, entbrennen die Gemüter. Alle Anwesenden beginnen um sich zu schlagen, geben ihre Meinung lautstark kund, doch es bleibt nicht nur bei der Diskussion über diesen Namen, Geheimnisse werden breitgetreten und jeder bekommt sein Fett weg. Konflikte, die immer schon vorhanden waren, nur nie thematisiert wurden, beginnen aufzubrechen und der Abend nimmt seinen abenteuerlichen Lauf.

Meine Meinung:
Der Film beginnt vielversprechen – wie in „Die fabelhafte Welt der Amélie“, hat man eine Erzählstimme, die die Situationen untermalt und man hat die Erwartungshaltung, dass es vielleicht einen ähnlichen Verlauf nimmt (vorausgesetzt man ist natürlich ein Fan von Amélie). Es ist jedoch so, nur der Anfang deckt sich, das Stilmittel wurde kurz ausgeliehen, wird aber schnell wieder zurückgegeben. Die Erzählstimme verschwindet und man fällt in den Abend. Er beginnt eigentlich ganz ruhig, alle Eingeladenen sammeln sich in der Wohnung, beginnen nette und freundliche Gespräche, man könnte beinahe sagen, es ist schon so normal, dass es ein wenig langweilig ist, aber langweilig wird einen seltsamerweise nicht, man nimmt die spannende Position eines Zuschauers ein, der durch einen Riss blickt, wie ein Abend mit Freunden wohl sein könnte.

Interessant wird es erst, als Vincent verkündet, seinen Sohn Adolph zu nennen. Man sieht schon, nicht Adolf, wie Hitler, sondern die Schreibweise einer bekannten Romanfigur. So rechtfertigt Vincent auch seine Entscheidung, nichts steht mit dem Führer in Verbindung, es ist das Buch, was die werdenden Eltern inspiriert hat. Die Wogen werden dadurch nicht geglättet, besonders Pierre echauffiert sich sehr über den Namen, manchmal erschien mir sein Verhalten aufgesetzt, weil es eben so übertrieben war, aber doch stellt sich bald ein, dass es einfach nur seine Persönlichkeit ist, die manchmal nun eben wie eine Bombe in die Luft geht. Ist die Explosion verklungen, hat er durchaus ruhige Momente, so dass man die schauspielerische Leistung einfach nur mit Bewunderung betrachtet.
Man beginnt nachzudenken: ist es wirklich verwerflich, sein Kind Adolf zu nennen? Im Film wird es aufgegriffen – warum ist Josef nicht verpönt, immerhin hieß Stalin so, allerdings auch der Vater von Jesus, ist es, weil Adolf wirklich nur mit Hitler assoziiert wird? Es hat mich interessiert – was sagen die Menschen im Internet, die haben ja immer irgendeine Meinung. Babyvornamenseite gibt es viele, doch auf ihnen zeigt sich: einige finden, der Name gehöre verboten (warum eigentlich, dann müssten ja unzählige Namen verboten werden), andere glorifizieren ihn geradezu (nicht unbedingt aus rechten Gründen). Ein spannendes Thema also, allerdings geht mir diese Diskussion ein wenig verloren, die Anwesenden verfallen aus ihm heraus ins persönliche, was jetzt keine Kritik ist. Ein Film kann nicht stundenlang gehen, da muss schon einmal an den Ecken gedrückt werden, damit alles Platz findet, was aber die Sache abrundet, ist die Auflösung der Namensidee, aus ihr wachsen erst dann die unterschwelligen Konflikte, die zutage treten.
Plötzlich ist es nicht mehr der Name Adolf, nein, es sind Marotten, die man an dem anderen anfängt zu bemängeln, man schlägt dorthin, wo es richtig weh tut und ist man selbst gerade nicht betroffen, da versucht man es, wie es jeder vermutlich aus Erfahrung kennt, mit einem Lächeln die Unanehmlichkeiten wegzuwischen. Der lapidare Satz „Es war nicht so gemein, nur ein Spaß.“ er untermalt diese Szenerien ziemlich treffend.

Man beginnt also sich untereinander anzugreifen und doch, zwischen allen herrscht eine Freundschaft und durch die Kraft dieser, werden auch manche Situationen tragbar, weil Ehrlichkeit schmerzt zwar vielleicht, aber wer sie annehmen kann, er ist ein König. Könnte sie im Film alle annehmen? Wer weiß.

Trotz des guten Potenzials, muss ich gestehen, dass ich im letzten Viertel einen kleinen Durchhänger hatte.  Die Charaktere kreisen um sich selbst, was mir fehlte, waren handfeste Diskussionen. Man wirft einander Dinge vor, aber niemand geht wirklich darauf ein, sondern versucht sie stumm wegzulächeln, oder auch gerne mal mit ungläubigen Blick zu verwerfen. Kann ich mir in der Praxis schon so auch vorstellen, dass man lieber schweigt, aber gerade Pierre hat mich enttäuscht, seine Rolle verliert im Laufe des Filmes irgendwie die Tiefe.

Es ist ein kleiner Kritikpunkt am Rande, tut den Film nicht gut, aber was den Film verdammt gut tut, sind die Schauspieler. Persönlich haben mich die Frauen mehr überzeugt, ihre Art war authentischer, beinahe als hätte man sie wirklich in einem Wohnzimmer beobachtet. „Der Vorname“ ist auch der letzte Film, in dem Valérie Benguigui mitspielte. Die Schauspielerin erlag im September 2013 ihrem Krebsleiden, aber meines Erachtens hat sie mit ihrer Rolle einen Meilenstein gelegt, der sie unvergesslich werden lässt. Man kann sich vor der Dame nur verneigen.

Fazit:
Freundschaft ist ein zweischneidiges Schwert – übersteht sie Konflikte, Wahrheit und Offenheit, oder zerbricht sie, weil sie niemals wirklich gefestigt war? Diese Fragen klärt der Film, der einen das Gefühl gibt, heimlicher Zuschauer bei einem Abendessen unter Freunden zu sein. Es könnte langweilig sein, könnte, es könnte aber auch ein Minenfeld sein und „Der Vorname“, er ist definitiv letzteres!

4 Sterne

 

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