Schwarzweiß hat viele Farben

Schwarzweiss hat viele Farben

 

Titel:  Schwarzweiß hat viele Farben
Originaltitel: Mockingbird
Autor: Kathryn Erskine
Genre: Jungendbuch ab 10 Jahren
Seiten: 224 Seiten
Verlag: Knesebeck
ISBN-10: 3868736654
ISBN-13: 978-3868736656

Erste Sätze:
Die Truhe sieht aus wie ein verletzter Vogel, der in der Ecke unseres Wohnzimmers kauert und dem ein Flügel fehlt. Jedes Mal, wenn es klickt und die Klimaanlage anspringt und kalte Luft das Tuch nach oben anhebt und es einen kurzen Moment flattert, könnte man meinen, der Vogel fliegt.

Klappentext:
In Caitlins Welt ist alles Schwarz und Weiß, sie zeigt ungern Gefühle und mag keine Zwischentöne, weil sie an einer Krankheit, dem Asperger-Syndrom, leidet. Ihr Bruder Devon, der ihr die Welt erklärt hat, ist umgekommen. Und nun beschließt Caitlin, eine Lösung zu finden, für ihren traurigen Vater, für ihren besten Freund Michael und für sich selbst. Trotz großer Schwierigkeiten hat sie Erfolg und lernt, dass es sich lohnt, neben Schwarz und Weiß Farben zu entdecken.

Inhalt:
Für die zehnjährige Caitlin ist die Welt schwarz oder weiß, Zwischentöne gibt es bei ihr nicht. Gefühle zu deuten, ihre eigenen zu zeigen, Gesichtsausdrücke zu entschlüsseln, Freundschaften zu schließen, all diese Dinge fallen ihr schwer, was sich durch ihre Krankheit erklären lässt, sie leidet an dem Asperger Syndrom, einer Form von Autismus.
Ihr Bruder Devon war ihr großer Halt, er hat ihr die Welt erklärt, wenn sie mit ihrem Latein am Ende war, doch Devon ist tot, bei einem Amoklauf ums Leben gekommen. Caitlin sucht eine Lösung, wie man „Abschließen kann“, es muss doch einen Weg geben, die Trauer zu überwinden. Ihr Anderssein hilft ihr bei dieser Lösungssuche, sie kommt besser zurecht als manch ein Angehöriger, doch sie lernt auch viel über sich selbst und darüber, dass es zwischen schwarz und weiß, eine wunderschöne Palette an Farben gibt.

Meine Meinung:
Ich mache keinen Hehl daraus, das Asperger Syndrom finde ich wahnsinnig interessant und man kann natürlich Fachbücher zu dieser Thematik lesen, doch ich finde, gerade die Jugendbücher bringen es so leichtfüßig auf den Punkt. Hier waren meine Erwartungen hoch, einen geliebte Menschen zu verlieren, es bedeutet immer Schmerz, doch wie geht ein Mensch damit um, der sich im Umgang mit Gefühlen so wahnsinnig schwer tut? Caitlin könnte man als nüchtern betrachten, für sie ist Devon tot, dazwischen gibt es nichts, trauern scheint für sie nicht nützlich, verändert es doch nichts. Hier ist aber noch ihr Vater, der früh die Ehefrau und jetzt auch den Sohn verloren hat, er ist das genaue Gegenbild, ihn zerrt der Schmerz auf und dieser Kontrast macht das Buch gerade so beeindruckend. Man sieht die „normale“ Reaktion und die, die das Asperger Syndrom hervorbringt.

Die Geschichte wird von Caitlin erzählt, weshalb es umso leichter fällt, für ihr Verhalten Verständnis zu empfinden, wenn manche Handlung auch einfach fremd bleiben, für uns, die eben nicht die Welt auf diese eine Ebene wahrnehmen und manchmal, wenn das Mädchen die „normale“ Welt wieder einmal nur mit Unverständnis wahrnimmt, kam auch bei mir das Gefühl auf, so logisch ist unser Verhalten ja nun wirklich nicht, es zu durchschauen wirklich ein sonderlicher Kraftakt. Man merkt, dass diese andere Sicht der Dinge, eigentlich gar nicht so anders ist, sondern einfach aus einem anderen Blickwinkel wahrgenommen wird.

Ich dachte, bevor ich nachgeschaut habe, das Buch wäre für ca. 14-jährige, deswegen war mir der Schreibstil im ersten Moment etwas zu leicht, zu locker, nachdem ich mich informiert habe und jetzt weiß, das Buch ist für 10-12 jährige, kann ich nur sagen – perfekt. Der Schreibstil leicht und locker, dazwischen aber immer wunderschön, dass es auch obschon der Einfachheit für Erwachsene ein wahres Lesevergnügen ist.

Das Asperger Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass es diesen Menschen schwer fällt, Gefühle einzuordnen, aber es war kein Grund, warum das Buch selbst nicht vor Gefühlen übergeht. Man fühlt, was Caitlin nicht fühlen kann und diese Art ist erstaunlich, wie die Autorin es bewerkstelligt, kann ich auch nach dem Buch nicht wirklich sagen, aber sie schafft es Gefühle zu erzeugen, wo eigentlich keine sind. Großartig.

Fazit:
Ein Amoklauf verändert das Leben von vielen, nichts ist mehr, wie es zuvor einmal war und Caitlins Sicht die Dinge zu überwinden, es ist nur eine Sicht von vielen, doch sie ist außergewöhnlich und eine so herzerwärmende Geschichte, dass man am Ende traurig ist, dieses liebgewordene Mädchen ziehen zu lassen, wenn man auch weiß – sie wird dieses Leben mit Bravour meistern, manchmal stolpern, aber immer wieder auf den richtigen Weg zurückfinden.

5 Sterne

 

Danke für das Rezensionsexemplar den Knesebeck  Verlag und lovelybooks.de!

2 Gedanken zu “Schwarzweiß hat viele Farben

  1. […] “Schwarzweiß hat viele Fragen” von Kathryn Erskine hat das Asperger-Syndrom zum Thema und für Privatkino ist dies, “eine so herzerwärmende Geschichte, dass man am Ende traurig ist, dieses liebgewordene Mädchen ziehen zu lassen, wenn man auch weiß – sie wird dieses Leben mit Bravour meistern, manchmal stolpern, aber immer wieder auf den richtigen Weg zurückfinden.” […]

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