Ich werde die Bilder im Kopf nicht los

Ich werde die Bilder im Kopf nicht los

Titel:  Ich werde die Bilder im Kopf nicht los
Autor: Anna B.
Genre: Jungendbuch ab 14Jahren
Seiten: 152 Seiten
Verlag: Arena
ISBN-10: 3401067974
ISBN-13: 978-3401067971

Erste Sätze:
Umständlich hantiert der dickliche Polizist an der kleinen Videokamera herum die oben an der Decke hängt. Dann ruft er „Jetzt?“ und lauscht hoffnungsvoll in den Flur. „Nee, noch immer nix!“, brüllt seine Kollegin aus der Technik zurück, die im Nachbarraum vor dem Monitor sitzt und darauf wartet, dass sie endlich das Kamerabild empfängt.

Inhalt:
Anna hat Schwierigkeiten ihr Leben zu meistern, wenn sie auch nach außen hin einwandfrei zu funktionieren scheint. Innerlich beherrscht der sexuelle Missbrauch durch ihren Stiefvater alles in ihrer Welt. Niemanden hat sie jemals davon erzählt, doch dann kommt alles Schlag auf Schlag und sie findet sich bei der Polizei wieder. Anna beginnt zu erzählen, durchsteht die Grauen der Taten ein weiteres Mal und über allem schwebt die Frage: ist es möglich, ein normales Leben?

Meine Meinung:
Kennt ihr diese Buch, die man liest und nach deren Abschluss man denkt: Hier kann ich keine Rezension schreiben, hier finde ich einfach keine Worte für meine Gefühle und man gleichzeitig jedoch weiß, hier muss ich aber Worte finden, hier ist es so wichtig, dass man darüber schreibt und es nicht stumm niederlegt? So ging es mir mit diesem Buch und so versuche ich Worte zu finden, wenn sie auch niemals wirklich widerspiegeln können, was ich wirklich während des Lesens gefühlt habe.

Man lernt Anna kennen, ein Mädchen in der Ausbildung, die sich nicht groß von anderen unterscheidet und doch hat sie ein dunkles Geheimnis, was sie noch niemanden anvertraut hat, sie aber aufzufressen droht. Anna wurde von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht und versucht alleine mit diesen Dingen zurecht zu kommen, doch ihre Umgebung merkt, etwas stimmt mit ihr nicht, irgendwas scheint dieses Mädchen zu belasten und irgendwann findet sie sich auf der Polizei wieder, eigentlich weiß sie selbst nicht so genau, wie es eigentlich geschehen konnte. Sie erstattet Anzeige und anstatt Erleichterung zu erfahren, beschreitet sie einen schmerzhaften Weg, der ihr wahnsinnig viel Kraft abverlangt.

Hauptthema des Buches ist eigentlich der Weg von der Anzeige bis zum Gerichtstermin, bis hin zur Verurteilung, dazwischen wird Anna so viel abverlangt, oft bereut sie ihre Entscheidung eine Anzeige erstattet zu haben und wünschte sich das Geheimnis wieder zurück, weil es ihr nicht so schmerzhaft erscheint, diese Dinge mit sich selbst auszumachen. Man leidet mit ihr, fühlt so intensiv, dass es einen schon als Außenstehenden zu zerreißen droht, wie geht es da erst Anna?

Wie gesagt, es ist ein so ein wichtiges Buch, für Betroffene, die sich fragen, ob eine Anzeige der richtige Weg ist, weil obwohl es für einen Nicht-Betroffenen eine logische Konsequenz wäre, so ist es doch für jemanden in dieser Situation die Frage, ob man genug Kraft für diesen Schritt hat, weil Kraft ist es, was einen die ganze Prozedur abverlangt und dieses Buch gibt einen guten Einblick, wie genau die einzelnen Schritt nach der Anzeige aussehen: Gutachten, Polizeiverhöre usw.
Auf der anderen Seite ist es ein wichtiges Buch für Außenstehende, damit sie wissen, was genau in einem Betroffenen los ist, wie sie fühlen, wieso sie sich manchmal verhalten, wie sie sich eben verhalten und was sie tun können, um unterstützend zu wirken.

Eine Anzeige bringt nicht automatisch Heilung mit sich, was gut im Buch thematisiert wird, es zeigt auch, was alles kaputtgehen kann, besonders die Beziehung zu Annas Mutter hat mich oft innehalten lassen, man fühlt Unverständnis für sie und fragt sich, wie sie sich so Verhalten kann und merkt auf  andererseits doch, dass auch sie an der Situation zerbricht, trotzdem bleibt es letztlich Anna, mit der man fühlt und das auf so intensive Art.

Fazit:
Dieses Buch hat eine so hohe Wichtigkeit, ob nun für Betroffene oder Angehörige, lesen sollte es jeder, wobei zu sagen ist, eine gewisse Stabilität sollte man mitbringen, weil es doch leicht sein könnte, dass man von den Gefühl mitgerissen und unter einer Welle begraben wird.

5 Sterne

4 Gedanken zu “Ich werde die Bilder im Kopf nicht los

  1. Liebe Yvonne,
    harter Tobak das, aber großartig, Deine Besprechung. Es ist einfach wichtig, dass dieses verdammte Missbrauchsthema im Bewusstsein beleibt, nicht nur als kurzzeitiges Aufflammen in den Medien, sondern nachhaltig.
    Danke dafür und liebe Grüße, Kai

    • Lieber Kai, deswegen habe ich Worte gesucht und auch hoffentlich gefunden, damit man dieses Thema nie vergisst, damit man nicht nur wartet, bis man wieder etwas in den Nachrichten darüber hört, dafür, dass es jedem klar wird, dieses Thema ist hier – jetzt.
      Alles Liebe

  2. Liebe Yvonne!

    Danke für die Besprechung. Was ich jedoch nicht herausgelesen habe, ist das Buch eine Biografie?

    Lg Petra

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