2:37 [Film]

237poster.jpgTitel: 2:37
Regie: Murali K. Thalluri
Drehbuch: Murali K. Thalluri
Musik: Mark Tschanz

Produktionsland: Australien
Dauer: 91 Minuten
Erscheinungsdatum: 2006
Altersfreigabe: FSK 16

Log-Line:
Um 14:37 Uhr wird eine verschlossene Toilettentür an einer australischen Schule gewaltsam geöffnet, nachdem ein aufgebrachter Lehrer und eine nervöse Schülerin etwas Ungewöhnliches vermuten. Mitsamt dem Hausmeister, der eigens herbeigerufen wird, entdecken sie die blutüberströmte Leiche, einer Person, die offensichtlich Selbstmord begangen hat.

Meine Meinung:
Dieser Film wurde mir (von einem sehr lieben Menschen) wärmstens empfohlen – eine Art australisches L.A. Crash mit Jugendlichen. Um nicht den Überblick zu verlieren, hier die (wichtigsten) Rollen mit den Darstellern:

MELODY (Teresa Palmer – „The Grudge 2“, „Warm Bodies“)
MARCUS (Frank Sweet)
LUKE (Sam Harris)
STEVEN (Charles Baird)
SEAN (Joel Machenzie)
KELLY (Clementine Mellor)

Jede Rolle ist mit den Anderen auf direkte oder indirekte Weise verbunden. Um 14:37 (2:37 pm) wird eine Leiche in der Schule gefunden. Nach der Einleitung wird die Uhr um einen Tag zurückgestellt und man zeigt uns einige potentielle „Kandidaten“.  Von außen sieht jeder normal aus, aber jeder einzelne hat seine Geschichte … und ein (dunkles) Geheimnis.

Es stimmt schon, von der Kamera- und Regiearbeit ähnelt es Gus Van Sants „Elephant“ sehr – mal abgesehen von der dokumentarischen Note, die zwischendurch aufblitzt. Finde aber diesen Film gelungener, denn hier bekommen die Protagonisten eine tiefere Note – bei so vielen in so kurzer Zeit wohlgemerkt! Hervorheben möchte ich auch die Tatsache, dass es sich hierbei um einen Debüt-Film vom australischen Filmemacher Murali K. Thalluri handelt, der auch das Drehbuch verfasst hat. Inspiration zu diesem war der Selbstmord einer sehr guten Freundin von ihm und/aber auch sein eigener Suizidversuch. Dies setzt er ungeschönt, kalt aber doch mit einer Brise Wärme um.

Man ist Gast in den Psychen der Anderen, die zwar nicht ganz den Stereo-Typus entfliehen, ihn aber immerhin nicht komplett erliegen. Sean wirkt düster, Steven unscheinbar und hilflos, Luke egozentrisch, Kelly eher im Hintergrund, Marcus seltsam und Melody (die Mehr-Oder-Weniger-Haupt-Protagonistin) etwas Kirsten-Steward-mäßig … nunja, sagen wir mal verschlossen. Man begleitet diese Personen mit dem Hintergedanken, wer sich am nächsten morgen nun in der Schultoilette selbst das Licht ausgeknipst. Homosexualität, Bulemie, Inkontinenz, Selbstverleumdnung, Selbsthass, Vergewaltigung … um nur einige Schlagworte zu nennen, die im Laufe des Films auftreten.

Der Mix aus biederen, gerade zu minimalistischen Bildern mit doch sehr heftigen/extremen Szenen zeichnen diesen Film genauso aus, wie den Umstand von dessen Produktion – denn darüber hinaus sind alle Darsteller Laien-Schauspieler. Das Ende ist doch überraschend, höchst emotional und dramatisch, sodass einem das Herz aus der Brust beinahe wegspringt.

Fazit:
Ein toller Film, der einem auch zum Nachdenken anregt. Der Stil gefällt mir (da auch „L.A. Crash“ zu meinen Lieblingsfilmen zählt) – ja, man kann sagen dieser Film ist ein Mix aus dem Oscarfilm 2004 und Gus Van Sant’s „Elephant“.

Kritiker bemängeln – dass der Film zu sehr auf die Tränendrüse drückt, d.h. es zu viele Punkte gibt, die dem Publikum Sympathien „erzwingt“ und einige Szenen zu künstlich wirken. Auch die einen oder anderen Logik-Lücken werden bemängelt („warum hört niemand ihre Schreie?“, „warum lässt sie die Türe offen, wenn er schon öfters Andeutungen gemacht hat und sie eigentlich Angst vor ihm hat“, „warum keine Inkontinenzhosen?“ u. dgl.). Einige Hintergrundinformationen haben mir zu den Charakteren gefehlt, warum sich z.B. einer Schwul outet … was war der Auslöser dafür?!

Das gerade „diese Person“ sich umbringt macht Sinn, auf eine gewisse Art und weiße – nicht nur, dass es überraschend ist. Es gibt wohl keinen von uns, der nicht schon mal was Schlimmes hat durchmachen müssen, genau wie die Charaktere – mal mehr, mal weniger. Es gibt Menschen, die können die schlimmsten Qualen durchstehen und immer noch ein (relativ) erfülltes Leben leben, andere wiederum beenden ihres (u. A.)  aus egozentrischer Kurzsichtigkeit. Entscheidend hierbei ist nicht nur, was man erlebt, sondern wie man mit dem Erlebten auch umgeht.

Mein Rating:
9/10

http://www.imdb.com/title/tt0472582/
http://www.rottentomatoes.com/m/237/
http://de.wikipedia.org/wiki/2:37

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