Wurfschatten

Wurfschatten

 

Titel: Wurfschatten
Autor: Simone Lappert
Genre: Belletristik
Verlag: Metrolit
Format:  Gebunden 207 Seiten
ISBN-13: 978-3-8493-0095-1

 

 

Erste Sätze:
Siehst du, es schlägt noch. Ada löst die Fingerkuppen von ihrer Halsschlagader und ließ die Hand sinken, nicht zu weit, nur bis zum Schlüsselbein. Sie starrte durch das staubige Fenster auf die Straße.

Klappentext:
Was, wenn die Angst das Leben verhindert? Simone Lappert erzählt in Wurfschatten die Geschichte einer jungen Frau, die äußerlich funktioniert und innerlich zu zerbrechen droht. Behutsam und nie denunzierend nähert Lappert sich ihrer Protagonistin, und erzählt von den tragischen wie den komischen Momenten ihres ins Stocken geratenen Lebens.

Inhalt:
Die 25-jährige Ada ist fest davon überzeugt bald zu sterben. In ihrer Wohnung gibt sie sich ihren Ängsten hin, im Alltag versucht sie zu funktionieren, was aber auf Dauer nicht gut geht und sie das Draußen vermeidet, so gut es eben geht. Freundschaften zerbrechen, die Arbeit als Schauspielerin bleibt auf der Strecke, alles, weil ihr Kopf ihre Streich spielt.
Ihr Vermieter hat zwar ein Herz für Künstler, doch auch er kann nicht auf die Miete verzichten, welche Ada immer zu spät zahlt, kurz entschlossen, setzt er ihr einen Mitbewohner in die Wohnung: Juri. Plötzlich ist ihre Wohnung eingenommen vom Feind. Zuerst ständig auf der Flucht, näher die Beiden sich langsam an.

Meine Meinung:
Ein Buch über Ängste, Ängste die so grundlos auftauchen, dass man sich selbst fragt, wie sicher die Welt eigentlich ist. Für Ada ist sie unsicher, jeden Tag, sie malt sich ihren Tod aus, denkt, bald an einer schweren Krankheit zu sterben. Ihre Ängste nehmen eine Eigendynamik, zu Hause hat sie sich ein Therapiezimmer eingerichtet, wo eine Tapete mit unzähligen Krankheiten hängt, damit sie sich ihren Ängsten stellen kann. Dieses Zimmer ist sehr wichtig, doch als Juri einzieht, gibt es diesen Ort nicht mehr, verzweifelt versucht sie woanders halt zu finden, es gelingt nur nicht so einfach. Deutlich wird es, als sie eine Panikattacke in einem Zug hat, was sie bis dato vermeiden konnte, in der Öffentlichkeit, unter Bekannten, konnte sie eigentlich einwandfrei funktionieren. Ihre Wohnung ist kein Ort der Sicherheit mehr, ständig ist sie auf der Hut vor Juri, bloß nicht auf ihn treffen. Ein Katz und Mausspiel zwischen diesen beiden nimmt ihren Lauf, wobei der junge Mann schnell als Schürzenjäger auffällig ist, was Ada nur noch mehr abstößt.

Man kann es jetzt schon erahnen, da beginnt eine zarte Liebesgeschichte, weil bekanntlich was sich liebt, das neckt sich. Und ich hab das Buch eigentlich gelesen, weil ich eine Rezension von Sophie bei literatourismus gelesen habe und sie hat etwas sehr spannendes angeführt, einen persönlichen Wunsch: wäre es nicht schöner, wenn jemand seinen Ängsten alleine entwächst? Es ist so, der strahlende Held kommt nicht immer angeritten, wenn man ihn gerade braucht und auch ich muss mich Sophie anschließen, mir wäre es lieber gewesen, wenn Ada eigene Stärke entwickelt hätte und alleine durch die Dunkelheit gegangen wäre, weil diese Geschichte, Mann rettet Frau, sie ist doch schon ein bisschen fad.

Mal abgesehen von der Liebesgeschichte ist das Buch alles in allem auch nicht wirklich etwas, wo ich sagen muss, dass es mich abgeholt hat. Sicherlich nett zu lesen, nur der Funke ist leider nicht übergesprungen, einfach weil nichts herausragend an der Geschichte ist.

„Die Blicke der anderen sind eine Art Bühne. Eine Sucht ist das. Und wenn der Applaus ausbleibt, fängt man an, sich durchsichtig zu fühlen. Ich habe viel zu lange nur aus den Blicken anderer bestanden. Manchmal glaube ich, dass ich nichts Eigenes mehr habe, gar nichts, nicht einmal die Vorstellung von mir, die sonst keiner hat.“ (Seite 49)

Sprachlich ist das Buch allerdings eine wahre Perle, manche Sätzen setzen sich in meinem Kopf fest und haben mich durch die Zeit begleitet. Darin liegt auch die Kraft, die Geschichte mag ein wenig fad sein, aber die sprachliche Qualität ist wunderbar.

Fazit:
Sprachlich eine Wohltat, konnte mich die Geschichte an sich leider nicht vollkommen überzeugen.

4 Sterne

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