Echt

Echt
Titel: Echt
Autor: Christoph Scheuring
Genre: Kinderbuch ab 14 Jahren
Verlag: Magellan
Format:  Gebunden 256 Seiten
ISBN-13: 978-3734850011

 

Erste Sätze:
Das erste Mal, dass ich mit der Polizei was zu tun bekam, ist jetzt ziemlich genau vier Monate her. Bis dahin hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht einmal einen Lutscher geklaut.

Klappentext:
Albert sammelt Abschiede. Tag für Tag fotografiert er am Bahnhof Tränen, Umarmungen und traurige Blicke. Denn Abschiede sind für ihn Momente, in denen das Leben wahrhaftiger ist als jemals sonst. Bis ihm eines Tages Kati begegnet. Sie sieht aus wie ein Engel, hat Hände wie ein Hooligan und interessiert sich brennend für eines seiner Fotos. Albert hält es für das Abbild des perfekten Augenblickes. Für Kati aber ist es eine einzige Lüge. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter dem Bild. Es wird eine Reise in die verborgene Welt des Bahnhofs. Voller Glück. Voller Verzweiflung. Und intensiver als jeder Abschied.

Inhalt:
Alberts Leidenschaft ist es, Abschiede zu sammeln. Jeden Tag verbringt er auf den Bahnhof, fotografiert Trennungen, Umarmungen, Freude und Leid. Abschiede, so denkt er, sind die reinste Form des menschlichen Seins. Eines Tages lernt er dort Kati kennen, sie verzaubert ihn, fragil wirkt sie, gleichzeitig jedoch stahlhart. Er zeigt ihr seine Bilder, sie finde ein Bild, von dem sie vollkommen eingenommen ist, für sie ist es eine einzige Lüge und um ihn die Wahrheit zu beweisen, beginnen sie nach den Personen auf den Bild zu suchen.

Meine Meinung:
Ich hab mich wahnsinnig auf dieses Buch gefreut, könnte sein erscheinen gar nicht abwarten, fand ich es doch faszinierend, das Thema Abschied für den Anfang einer Geschichte herzunehmen. Hier stellt sich bei mir aber bald eine kleine Enttäuschung ein, wenn sie auch perfekt ins Gesamtbild passt: Die Abschiede, sie sind der Anfang der Geschichte, erzählen sie, aber eben nur ein Bild, dieses eine besondere, die anderen gehen mit der Zeit verloren, gehören gar nicht mehr zu dem Buch, sind eben, wie gesagt, nur der Anfang gewesen. Fand ich ein bisschen schade, wenn es sich auch gut gefügt hat und man (ich), einfach ein wenig genauer den Klappentext lesen hätte sollen, hier wird ja schon erwähnt, dass es sich ja eigentlich nur um ein Bild handelt.

Kati ist ein Straßenkind, sie ist wie ein stahlharter Engel, zart und unberechenbar zu gleich. Lässt einen oft ratlos zurück. Was ist ihr Geheimnis? Welcher tiefer Schmerz wohnt ihn ihr? Die Welt des Bahnhofes, wo sich die Straßenkind treffen, sie wird so detailreich beschrieben, dass man beinahe das Gefühl hat, man sitzt bei ihnen, ist ein stummer Zeitzeuge. So erschreckend diese Welt auf den ersten Blick wirken mag, so einfühlsam geht der Autor ran und beleuchtet auch die Seite der total Loyalität untereinander. Diese Kinder, sie haben Familie, vor denen sie flüchteten, von denen sie vertrieben wurden, aber hier am Bahnhof, da haben sie eine neue Familie gefunden, die füreinander einsteht und da ist, wenn sonst alle die Flucht ergreifen. Dieses Zusammenhalt hat mich beeindruckt, es hat mich an die Menschheit glauben lassen, allerdings, man merkt, vielen dieser Kinder ist ihr Leben egal, sie spielen damit. Oft genug wird gesagt, der Tod ist nicht das Schlimmste und diese Tatsache hat mich so unendlich traurig gemacht, dass es mich zwischen Freude und Trauer nur so zerrissen hat.

Mit Albert tu ich mir ein wenig schwer, er ist so unendlich naiv und wirkte auch in den erschreckendsten Situationen so unterkühlt – da nehmen Bekannte vor ihm Drogen, er denkt nur ans Bilder machen, lässt sie dann einfach zurück, als würde es ihm nicht kümmern, als wäre er vor Liebe für Kati blind, nur auf sie fixiert, alle anderen Menschen erscheinen ihm egal. Er war mir sympathisch, durchaus, aber in vielen Situationen war er für mich einfach unglaubwürdig, ich denke, niemand, der die Szene am Bahnhof nicht kennt, würde so abgeklärt Dinge so nüchtern sehen, wie er es tat.

Normalerweise soll man ja nur das Innere eines Buches bewerten, hier möchte ich aber doch auf das Cover verweisen, weil es für mich bis jetzt einmalig war. Ein harter Kartonumschlag, wie man es kennt, aber unbedruckt, nur durch einen Aufkleber auf der Vorderseite versehen und der Rücken wunderbar orange gebunden. Es ist einfach eine Augenweide und macht definitiv neugierig auf die Geschichte.

Fazit:
Ein wichtiges Thema, in eindringliche Worte verpackt, haderte ich allerdings doch etwas mit dem Hauptprotagonist, weil er an manchen Stellen einfach zu gekünstelt wirkte. Alles im Allem jedoch ein empfehlenswertes Buch.

4 Sterne

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