Interstellar [Film]

Titel: Interstellar
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan
Musik: Hans Zimmer

Produktionsland: USA, UK
Dauer: 169 Minuten
Erscheinungsdatum: 2014
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Was Wissenschaftler, Politiker und Aktivisten seit Jahrzehnten prophezeien, ist eingetreten: Die Menschheit steht kurz davor, an einer globalen Nahrungsknappheit zugrunde zu gehen. Die einzige Hoffnung der Weltbevölkerung besteht in einem geheimen Projekt der US-Regierung, das von dem findigen Wissenschaftler Professor BRAND (Michael Caine, seit Batman Begins in jedem Nolan-Film mit dabei) geleitet wird. Der Plan sieht vor, eine Expedition in ein anderes Sternensystem zu starten, wo bewohnbare Planeten, Rohstoffe und vor allem Leben vermutet werden. Der Ingenieur und ehemalige NASA-Pilot COOPER (Matthew McConaughey – Dallas Buyers Club, Contact, True Detective [Serie]) und Brands Tochter AMELIA (Anne Hathaway – Plötzlich Prinzessin, Brokeback Mountain, The Dark Knight Rises) führen die Besatzung an, die sich auf eine Reise ins Ungewisse begibt: Wurmlöcher sind so gut wie unerforscht und niemand kann mit Sicherheit sagen, was die Crew auf der anderen Seite erwartet. Ebenso ist unsicher, ob und wann Cooper und Brand wieder auf die Erde zurückkehren. Coopers Kinder müssen zurückbleiben und auf seine Wiederkehr hoffen…

Meine Meinung:
Wenn ich sage, dass ich nervös war, als der Vorhang aufging und der Film im Kino startete, war das gelinde gesagt eine Untertreibung erster Klasse. Als ich vor ca. 2 Jahren auf der IMDb gesehen habe, dass Christopher Nolan einen neuen Film schreibt und auch Regie führt, sprang mein Herz an die Decke – und am 07.11. war es endlich soweit. Und das Ergebnis?

Der Film beginnt düster und staubig. Es werden ältere Personen gezeigt, die Interviews geben. Daneben sehen wir Cooper und seine Familie, wie sie ihren Alltag meistern. Diese Einstellung dient sicherlich zur Verwirrung der Zuseher. Ist Coopers Zeitlinie Vergangenheit? Oder von einem anderen Paralelluniversum? Fakt ist, dass die Interviews erst ganz zum Schluss wieder vorkommen und diese somit aufgeklärt sind. Wie dem auch sei – während Cooper und seine Kids zur Schule unterwegs sind, finden sie ein indisches Solarflugzeug und diese Szene ist signifikant für die weitere Vorgehensweise bezüglich Hintergrundinformation zur Geschichte. Diese sind sehr spärlich, werden nur angedeutet. Ob der Klimawandel an sich dafür verantwortlich war oder hauptsächlich durch übervölkerung, oder beides – genau wird es nicht genannt. Und gerade DAS finde ich sehr schade. Klar kann man nicht genau vorhersehen, wodurch diese unwirtliche Zeit hervorgerufen wird, aber es einfach so zu belassen fand ich ehrlich gesagt etwas feige. Zu hoher Plastikanteil im Meer, genetische Verschmutzung in der Nahrungskette, zu hohe Co2-Ausstösse in der Atmosphäre, Fracking und und und. Als einziges Anzeichen werden hier zum Teil exzessive Sandstürme gezeigt, welche ihre Vorlage durch den in Amerika sehr bekannten „Dust Bowl“ in den 1930er Jahre haben.

Das erste Drittel dient eindeutig zum Aufbau der Atmosphäre und zur Einleitung der allgemeinen Geschichte – der interstellaren Reise. Aber hier vermisse ich doch den Biss, das Gefühl mich in diese Geschichte zu verhädern. Die Verwirrung am Anfang ist recht bald verflogen, denn ab da wird die Geschichte „beinahe linear“ erzählt. Referenzen zu frühern (interstellaren) Missionen, oder gar die Prä- und Post-Appollo-Missionen finden hier nur wenig Beachtung. Auch die Szene davor in der Schule, wo eine Lehrerin proklamiert, dass die Mondflüge im 21. Jahrhundert vorgetäuscht waren, um die Sovjets auszubooten – konnte von mir keinen Lacher bekommen, auch im Kino (welches gut gefüllt war) war es eher still. Auch hier hätte man zynisch eins drauflegen können und proklamieren, dass die Vereinigten Staaten von Amerika alles in ihrer Macht stehende getan haben, um den Klimawandel aufzuhalten. Leider wurde diese Chance nicht genützt. Sehr schade eigenltich.

Eines haben viele Kritiker wie Zuseher zurecht angemerkt, die Person, mit dem meisten Charisma und Humor war kein Mensch, sondern die Computer CASE und TARS, welche zwar etwas unbeholfen aussehen (auch wie er „läuft“), dies aber mit ihren Sprüchen wieder wett macht. Wärend der Reise selbst flammen immer wieder philosophische Anektoten auf – die aber nicht an ein Level á la Star Trek herankommen. Die Essenz des menschlichen Seins, ja sie werden erwähnt, aber diese Theorien und Argumente bleiben nicht wirklich hängen. Eines kann man aber ohne wenn und aber hervorheben, und das sind zum einen die tollen visuellen Effekte und Kameraeinstellungen, wie auch der perfekt plazierte musikalische Score von Hans Zimmer.

Bezüglich der wissenschaftlichen und physikalischen Theorien über Raum und Zeit, da wird jeder Physik-Professor wohl den Kopf schütteln müssen. Es handelt sich doch um Science-Fiction – man muss einfach sich dem öffnen können (ähnlich wie z.B. bei Nolans „Prestige – Meister der Magie“). Nolan versucht aber diese Theorien plausiebel darzustellen (hat er extra dafür auch einen Astronomen als Executive Producer ins Boot geholt), diese sind aber nicht eindringlich genug dargestellt. Die Szene mit dem Blatt Papier, welches das Prinzip des Wurmloches erklären soll, hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit „Event Horizon“ vom Jahre 1997. Aber sei’s drum – Science Fiction ist eben Fiction und so reisen sie durch ein Wurmloch und besuchen andere Planeten in einer anderen Galaxie.

Hier treffen sie neben Einsteins Relativitätstheorie auf verschollenen Astronauten, von dem Echo aus der Erde von früher, welche durch Coopers Kinder repräsentiert werden) oder durch die dunkelsten menschlichen Triebe. Auch hier vermisse ich etwas an Intensität, wenn so viel auf dem Spiel steht, in einer solchen Extremsituation … es passiert zwar was aber meines Achtens nach gehen die Nolan-Brüder hier nicht weit genug. Aber dafür kommt wieder etwas, was im ersten Drittel so sehr gesparrt wurde – Spannung. Zeitweise wird der Sessel unter’m Hintern so heiß, dass man ständig herumtänzeln muss, um nicht zu verbrennen – und das auch noch für eine ganz Weile!

Der Wendepunkt im Finish hat es natürlich in sich, eines Nolan würdig. So verdreht wie auch klar, so verständlich wie auch irreführend. Zum Schluss wird das Hirn so richtig schön verknotet und man wird wieder auf sich gestellt, dieses Durcheinander zu ordnen. Und dann kommen die letzten Szenen, und dann das Ende – und es ist zu Ende. Was ich sehr sehr schade fand, denn anders als bei Memento, Inception und Prestige, wo am Ende der Kopf noch so richtig schön rotiert und der Film somit noch lange nicht „zu Ende“ ist – oder aber wie bei Batman Beginns bzw. The Dark Knight, wo man sich so richtig nach Hinten lehnen kann und sich vor dem Film dankend verneigen kann (nicht aber The Dark Knight Rises, das hat ein zu doofes Ende!) –  bleibt man bei Interstellar etwas verloren zurück.

Aber der größte Kritikpunkt kommt auch zum Schluss. Die Thematik der Umweltverschmutzung und Zerstörung der Flora & Fauna kommen zu Schluss GAR NICHT MEHR VOR! Als das soetwas zum natürlichen menschlichen Prozess gehört, unseren Heimatplaneten verwüsten bzw. „zu töten“, damit wir wegfliegen und anderswo eine Kolonie gründen können. Dies ist meines Erachtens eine komplett falsche Ansage an das Publikum!

Fazit:
Mein größter Fehler war es, viel zu viel von diesem Film zu erwarten. Somit habe ich die Erwartungen ins schier unmögliche hochgezogen, sodass er einfach darunter fallen musste! Aber man darf mich nicht falsch verstehen, der Film war gut, sehr gut sogar! Aber wenn ich mein Nolan-Ranking zu Rate ziehe, dann fällt dieser Blockbuster aber doch zurück auf den hinteren Plätzen, was aber auch daran liegt, dass seine Filme davor einfach genial sind und ich sie in mein Herz geschlossen habe. Tolle Bilder, toller Sound, tolle Musik, gute Darsteller, gute Thematik. Storry stotterte ein wenig, auch das Gefühl des Ergreifens hat hier zum Teil gefehlt. So richtig tief konnte ich mich nicht hineinversetzen, saß ich doch eher am Rande mit dabei als mittendrinn stehen darf. Der Umstand, nicht eher auf den sorglosen Umgang auf unseren Planeten einzugehen finde ich persönlich sogar etwas fahrlässig. Denn vielleicht (sogar sehr wahrscheinlich) haben wir nur diese eine Welt, von der wir nicht einfach so wegfliegen können.

Mein Rating:
8/10

http://www.imdb.com/title/tt0816692/

http://www.rottentomatoes.com/m/interstellar_2014/

http://de.wikipedia.org/wiki/Interstellar

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