Winterwassertief

Winterwassertief
Titel: Winterwassertief
Autor: Lilly Lindner
Genre: Erfahrung/Biografie
Verlag: Droemer Knaur
Format: Paperback, 368 Seiten
ISBN: 978-3-426-30423-5


Meine Meinung:

In ihrem ersten Buch „Splitterfasernackt“ hat Lilly aus ihrem Leben erzählt, was zum größten Teil aus Sexgewalt, Magersucht und Prostitution bestand. Und so schrecklich ihre Worte auch waren, so schön kann sie die Autorin verpacken. Mitreißend sind sie, poetisch und durchaus vielleicht nicht für jedermann. Ich denke, vom Inhalt her sollte jeder das Buch lesen, aber der Schreibstil ist besonders, wunderbar besonders für mich, aber doch, die Leseprobe zu lesen ist durchaus empfehlenswert.

Jetzt spreche ich so viel über das erste Buch, aber eigentlich soll es doch ein Beitrag über „Winterwassertief“ werden, es ist sozusagen eine Fortsetzung von „Splitterfasernackt“, wie es Lilly nach der Veröffentlichung des Buches ging, allerdings geht es nicht nur um die Zeit danach, sondern auch davor, wie sie auf ihren Verleger Harry trifft und wie stark das Band ist, was die Beiden verbindet, erkennt man nach diesem Buch.
Eigentlich ist der Grund weshalb „Splitterfasernackt“ geschrieben wurde, ein ziemlich trauriger: Es sollte was bleiben, wenn Lilly nicht mehr ist. In der Zeit steckte sie in den unendlichen Tiefer der Magersucht und war dem Tod näher, als dem Leben und irgendwie, da wollen wir alle Menschen doch, dass etwas bleibt, jemanden, der uns in Erinnerung behält, damit wir nicht verloren gehen. Ein Abschnitt gibt Einblick in Erlebnisse, die es bei Lesungen gab und man sieht, Lilly hat so viele Herzen berührt und Menschen Worte gegeben, die in der Stille gewohnt haben. Von Lilly wird immer was bleiben, für so viele Menschen.

In dem Buch wird aber nicht nur von den schönen Erlebnissen gesprochen, auch die Schattenseiten werden aufgezeigt. Was ist, wenn sie dir deine Geschichte nicht glauben, weil sie die Augen vor der Realität verschließen? Wie willst du dir selbst glauben, wenn sie dir nicht zu glauben scheinen? Zweifel zerfressen das Herz, aber Lilly, an ihrer Seite ist Chase, weil dieser wunderbare Menschen immer an ihrer Seite ist und sie stützt, wenn sie zu fallen droht und ist sie doch einmal gefallen, ist es er, der sie wieder aufrichtet, zumindest las ich es aus den Worten heraus. So sehr wie ich Lilly verfallen bin, so sehr bin ich auch Chase für sein Bestehen dankbar, er ist eigenwillig, aber in seiner Eigenheit so einzigartig und wunderschön.

Es ist eines dieser Bücher, für die man Wörter sucht und sucht, feststellen muss, dass es aber eigentlich keine gibt, die dem Inhalt gerecht werden, viel zu mitreißend sind die Absätze. Und es gibt Dinge, die ich noch gerne gelesen hätte, die ein wenig im Dunklem geblieben sind, aber um ehrlich zu sein, vermutlich hätte „Winterwassertief“ 1000 Seiten haben können, ich hätte mehr wollen. Jeden Moment. Jedes Gefühl. Alles, aber Lilly ist ein unendliches Buch und manche Kapitel sind einfach noch nicht geschrieben.

Das E-Book ist am 12. Januar erschienen und meine Vorfreude darauf war so groß, dass ich um 2 Uhr morgens aufstand, um es mir herunterzuladen und dann, dann fing ich auch schon mit dem Lesen an, nur um ganz ganz tief zu versinken, im Winterwasser, welches kalt war, aber auf der Haut so bekannt erschien. Bald steht das Buch auch in meinem Regal, neben all den anderen Büchern von Lilly und es wird ein besonderes sein, wie jedes Buch, weil eigentlich keine Worte geschrieben stehen, sondern Gefühle auf Papier und mit jedem Wort, versinkt man mehr, in eine andere Welt. Jetzt habe ich das Buch am Montag beendet und hänge doch immer noch in seinen Zeilen fest, manchmal wünschte ich, ich könnte aussteigen, aber eigentlich will ich darin gefangen bleiben, weil es Zauber ist, der sich um einen legt.
Verzaubert von der Welt. Verzaubert von Chase. Verzaubert von den Worten.
Verzaubert von der Stärke, die ein Mensch der Welt entgegenbringt, die oft dunkel erscheint.
Verzaubert von der Schönheit, die ein Mensch in seinem Herzen trägt und weitergibt.
Verzaubert von Lilly.

Und für alle Interessierten, im aktuellem Stern findet ihr ein vierseitiges Interview mit Lilly Lindner.

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