Meine Name ist Leon

Mein Name ist Leon
Titel: Mein Name ist Leon
Autor: Kit de Waal
Genre: Belletristik
Verlag: Rowohlt Polaris
Format: Broschiert, 320 Seiten
ISBN:978-3499272301

 

Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
London. Sommer 1981.
Leon ist neun und dunkelhäutig, sein sechs Monate alter Halbbruder Jake hat weiße Haut und blonde Locken. Ein Kontrast , doch die Liebe zueinander tut es keinen Abbruch. Als ihre Mutter Carol wieder einmal Probleme mit einem Kerl hat, bleibt sie einfach im Bett liegen und Leon muss sich von nun an um Jake kümmern.

Diese Situation bleibt nicht unbeobachtet, eines Tages schaltet sich das Sozialamt ein. Es bringt beide Jungs bei der Pflegemutter Maureen unter: übergewichtig, rothaarig und ziemlich nah am Wasser gebaut – man muss sie erst näher kennenlernen, um zu merken, wie riesig ihr Herz ist.
Bald findest sich auch eine richtige Adoptivfamilie – allerdings nur für Jake, weil seine Haut weiß ist. Leon verliert sich in seinem Schmerz und versteht die Welt nicht mehr. Er fasst einen Plan, der ihn in große Gefahr bringt.

Meine Meinung:
1981. Nachdem ich diese Zahl gelesen hat, war das Buch eigentlich schon abgehakt. Vergangenheit ist in Ordnung, kein Thema, allerdings Vergangenheit in der ich noch nicht da war, das ist für mich immer eine rotes Tuch. Klingt bescheuert, ich weiß, aber es fühlt sich für mich dann so surreal an, wenn dann auch noch Musik, Serien oder Themen der Zeit vorkommen, fühlte ich mich komplett außen vor. Hier war es aber so, dass mich die Geschichte nicht losgelassen hat, weil es zwar vor meiner Zeit war, doch das Thema längst noch präsent ist – leider.

Die Geschichte wird aus Leons Sicht erzählt, kindliche Leichtigkeit, allerdings mit einer starken Schwere gepaart. Schon lange muss er sich neben Jake auch um seine Mutter kümmern, die immer mal wieder in tiefen Depressionen versinkt und alles um sich vergisst. Er kennt es nicht anders, findet die Situation zwar manchmal schwierig, aber ist es doch auch für ihn Alltag.
Große Kraft zieht er aus seinem Halbbruder, für den er alles tun würde, um so „brutaler“ war es für mich, als man die Brüder getrennt hat. Man ist ein wenig versucht, die Adoptiveltern zu schütteln, weil natürlich sind zwei Kinder mehr Arbeit, aber ihr Kriterium, warum sie nur Jack nehmen, liegt eindeutig in der Hautfarbe von Leon.
Sicherlich, damals waren andere Zeiten, aber ist es nicht auch noch heute so? Die Hautfarbe von Menschen ist immer noch Auslöser für Hass. Gut, das Problem wird sich jetzt auch nicht lösen, dafür ist die Welt zu zerfahren, machen wir lieber mit der Geschichte weiter.

Während Jake adoptiert wird, bleibt Leon bei der Pflegemutter Maureen. Sie ist wirklich eine wunderbare Person, hält auch nicht vorm Berg, dass auch sie die Situation für unfair hält, aber sie verspricht Leon, alles für ihn zu tun, damit es ihm wenigstens bei ihr an nichts fehlt. So ist es auch, es geht ihm bei ihr gut, allerdings hat er Wutausbrüche, wenn die Gedanken an Jake und Carol hochkommen. Er versteht nicht, wieso sie getrennt sind, wo er doch so gut für Jake gesorgt hat. Er hat doch alles richtig gemacht. In seiner Hilflosigkeit fliegen schon mal Sachen durch die Gegend. Maureen maßregelt ihn, weil so ein Verhalten unangebracht ist, allerdings zeigt sie auch Verständnis, weil der Junge nicht böse ist, sich allerdings einfach in seinem Unverständnis verliert.

Es geschieht dann noch so einiges: Leon wird regelmäßiger Gast in einer Schrebergartensiedlung, wo er Freunde findet, seine Mutter kommt zu Besuch und bleibt doch nie, seine Hautfarbe nimmt noch ein großen Teil ein, er muss umziehen usw., all diese Dinge, sie zu erklären wäre unmöglich, dazu muss man das Buch selbst lesen, die Zusammenhänge sehen, aber ich kann euch diese Geschichte nur ans Herz legen. Leon bleibt auch nicht auf den Seiten, er begleitet mich auch nach der Lektüre noch in meinem Alltag. „Mein Name ist Leon“ ist wohl eines dieser Bücher, dass niemals endet.

3 Gedanken zu “Meine Name ist Leon

  1. Oh sehr schöne Rezension! Ich habe das Buch momentan auf der möchte-ich-ganz-bald-lesen-Liste-und-steht-deshalb-schon-im-Regal 🙂 Hoffentlich komme ich bald dazu, es zu lesen!

  2. […] ich es nachempfinden können? Ausschlaggebend, das ich zu „Boy“ gegriffen habe, war das Buch „Mein Name ist Leon“, welches von der Thematik her ähnlich ist – ein schwarzer Jugendlicher wächst in einer […]

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