Unsichtbare Wunden

Unsichtbara Wunden
Titel: Unsichtbare Wunden
Autor: Astrid Frank
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Verlag Urachhaus
Format: Hardcover, 288 Seiten
ISBN:978-3825179663


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Inhalt:
Anna ist eine fröhliche Schülerin, die sich eigentlich gut in der Klassengemeinschaft integriert hat. An ihrem 13. Geburtstag bekommt sie von ihrem Vater ein Tagebuch geschenkt, für ihre kleinen und großen Geheimnisse, sagt er. Eigentlich hatte sie gar keine, erst als sich ihre beste Freundin von ihr abwendet, entwickelt sich in der Schule eine fatale Mobbingspirale, die das Mädchen an das Ende ihrer Kräfte bringt.

Meine Meinung:
Das Buch beginnt mit dem ersten Tagebucheintrag, vollkommen unbekümmert, erweckte es in mir ein wenig die Befürchtung, ein eher triviales Jugendbuch vor mir zu haben. Anna klingt unbekümmert, Teenagersorgen plagen sie. Die nächste Szene ist allerdings schon der tödliche Unfall mit ihrem Pferd, bei dem man vor dem Rätsel steht, ob es wirklich ein Unfall war, allerdings wird man auf der nächsten Seite wieder in die Zeit davor geworfen.

Es ist ein Wechselspiel der Zeiten, man hat die Gegenwart, in der Anna gestorben ist, wie die Mitschüler darauf reagieren, aber auch, wie ihr Vater und bester Freund versuchen mit den Geschehnissen zurechtzukommen. Zwischen diesen Teilen, findet man Tagebucheinträge von dem Mädchen vor, die zu Beginn harmlos, mit der Zeit aber immer mehr aufzeigen, wie sehr sich das Mobbing steigt, wie sehr es beginnt, Annas Seele zu zerfressen.

Um ehrlich zu sein, die ersten Seiten fielen mir schwer, mag sein, dass es am Wechsel der Zeiten lag, in dem ich mich hineinfinden muss, aber es kann auch die Zerrissenheit der Gefühle gewesen sein, weil einerseits hat man anfangs die banalen Tagebucheinträge, andererseits den Tod vor Augen. Ich hatte das Buch sogar weggelegt, nur der Zufall, dass ich gerade kein anderes Buch zu Hand hatte und ich lesen wollte, hat mitgeholfen, die Geschichte zu lesen und ja, es ist wieder der gute alte Zufall, der mir ein Buch beschert hat, was ich eigentlich schon abgeschrieben hatte.

Nach den ersten, für mich, schwierigen Seiten, fand ich mich in der Geschichte ein und als ich mir bewusst war, wie sehr die beiden Zeitwelten aufeinanderprallen, hat das Buch auch eine eigene Intensität entwickelt. Man hat die fröhliche Anna, die sich langsam aber stetig in einen Menschen verwandelt, der von Selbsthass aufgefressen wird, weil ihre Mitschüler ihr jegliche Selbstachtung nehmen und perfekt aufgezeigt: auch die Schule spielt eine extreme Rolle in Mobbingsituationen. Man schaut weg, macht vielleicht mit, unterbewusst und dann, dann schiebt man auch noch den Opfern die Schuld zu, weil, wenn alle einen blöd finden, dann wird es schon einen Grund haben. Hier ist es so, dass der Grund eher auf Missverständnissen aufgebaut ist, aber keiner wirklich hinterfragt, sondern einfach mitmacht.

Wirklich gut fand ich, dass die Zeit nach Annas Tod intensiv beleuchtet wird. Wie gehen ihre Mitschüler damit um? Heuchlerisch betrauen sie das Mädchen, so als wäre nie etwas gewesen, doch als ihr Vater auf ihr Tagebuch stößt, liest, wie sehr ihre Mitschüler ihr das Leben zur Hölle gemacht haben, sinnt er nach Rache. Trauer macht blind und so entwickelt sich das Buch beinahe zu einen Thriller und man hadert mit sich selbst, Selbstjustiz ist verboten, dass ist schon klar, aber weder Schule noch Polizei scheinen irgendwelche Konsequenzen ziehen zu wollen und wenn dir keiner hilft, musst du dir selbst helfen – ja oder nein? Ein Gewissenskonflikt tut sich auf. Cybermobbing wurde in Österreich zum Strafbestand, aber es braucht viel mehr – es braucht auch für Mobbing am Arbeitsplatz/in der Schule Unterstützung, vor allem braucht es aber Menschen, die nicht die Augen verschließen und denken, ist doch nur alles Spaß, doch für manche mag es Spaß sein, doch einer lacht gewiss nicht.

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