Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen

Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen
Titel: Wo Frauen nichts wert sind: Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen
Autor: Maria von Welser
Genre: Sachbuch/Erfahrung
Verlag: Heyne Verlag
Format: Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN: 978-3453603912

 

 

Inhalt:
Bei dem Flüchtlingsthemen kommt es einen immer wieder zu Ohren: Frauen und Kinder nehmen wir gerne, nur die Männer, die sollen für ihr Land einstehen. Wie gefährlich ist es aber wirklich, als Frau geboren zu werden? Vergewaltigungen in Indien landen in den Schlagzeilen. Die Abtreibungen von weiblichen Föten in Asien ist kein Geheimnis. Zwangsheirat. Genitalverstümmelung in Afrika. Frauenhandel. Alles Schlagwörter, die in unsere Gedächtnis aufblinken, Maria von Welser ist nun selbst in die Länder gereist, nach Indien, Afghanistan, Bosnien und den Kongo. Sie wird Zeugin eines unendlichen Leides, aber auch den Grundton eines Mutes, der einen Wandel erhoffen lässt.

Meine Meinung:
Ein, für mich, immer sehr prägnantes Beispiel, an dem man deutlich erkennt, dass die Rechte der Frauen noch Meilen hinter denen der Männer stehen: Frauen droht bei außerehelichen Geschlechtsverkehr die Steinigung, Männer werden angezeigt (falls überhaupt). Sollte man an diesem Beispiel irgendwas als fair erachten, würde ich mir Sorgen machen, ehrlich.

Warum komm ich auf dieses Beispiel? Weil es immer öfters in den Medien genannt wird, wenn nämlich die Frauen sich gegen eine Zwangsheirat wehren und tatsächlich mit jemanden zusammen sein wollen, den sie lieben. Himmel, wer weiß wie sie auf diese dreiste Forderung kommen.
Die Sache ist, bei Strafmaßnahmen ist der Unterschied zwischen Frauen und Männer meilenweit.

Doch lieber etwas aktueller, obwohl Unrecht gegen Frauen leider, in welcher Form auch immer, aktuell ist: das Burka-Verbot. Viel wird diskutiert, man redet um den heißen Brei, die eine Seite (komischerweise überwiegend muslimische Männer) schreit: „Religionsfreiheit!“, die anderen brüllen „Integration!“ und die Burkaträgerin fragt irgendwie niemand. Maria von Welser hat in Afghanistan nachgefragt, dem Ursprungsland der Burka, und klar ist: die Burka schränkt ein, ist eine Herabsetzung der Frau. Frauen sollen sich verschleiern, weil sie sonst die Männer verführen – intelligenter wäre wohl, wenn die Männer einfach mal ihre Triebe kontrollieren würden. Egal.
In Syrien verbrennen Frauen ihre Burkas oder Nikabs (Gesichtsschleier, die nur einen Schlitz für die Augen frei lassen), wenn sie vom IS befreit werden. Ein Zeichen? Obwohl, auch so viel muss man zugeben, ein Verbot sinnlos ist, weil es die Wurzel des Übels nicht bekämpft. Es wäre, als würde man Autofahren verbieten, weil es zu viele Unfälle gibt.

Maria von Welser macht sich auch auf nach Indien – spätestens nach der Massenvergewaltigung einer Studentin im Dezember 2012, sollte jeder die Rechtlosigkeit der Frauen dort kennen. Es bleibt jedoch nicht dabei, obwohl seit Jahren die Mitgift dort verboten ist, sterben jährlich hunderte von Frauen, weil es zu Mitgiftsstreitigkeiten kommt. Warum? Weil eine Frau oftmals von der Familie des Ehemannes getötet wird, damit er sich eine neue Partnerin suchen kann, um nochmals Mitgift abgreifen zu können. Hier wird also das Streben nach immer mehr Vermögen, auf den Rücken der Frauen ausgetragen.

Wusstet ihr, dass der Kongo das reichste Land der Welt ist? Nein? Ich auch nicht, ist aber so – dieses Land hat so viele Bodenschätze, dass es tatsächlich einen Reichtum inne hat, an dem es letztlich zerbricht, weil wie in Indien, ist es hier leider der Fall, dass die Menschen nicht in der Lage sind, es sinnvoll zu verwenden, gerecht aufzuteilen, nein, einige wollen mehr und immer mehr. Frauen werden daher gerne als Waffe eingesetzt. Die Ehefrau wird verschleppt und missbraucht, willig gemacht, damit sie als Soldatinnen kämpfen. Als Druckmittel gegenüber ihren Männern verwendet. Der Kongo könnte ein wunderschönes Land sein, mit Reichtum für alle, aber wie der Mensch nun einmal ist, er möchte nicht ein Stück vom Kuchen, sondern den ganzen.

Die letzten beiden Teile des Buches, man hat sie scheinbar fast schon vergessen, über den IS, den Krieg und der Bedrohung von Donald Trump.
Genitalverstümmelung ist und bleibt eine Problematik, die sich in all den Jahren nur minimal verbessert hat. In ländlichen Gegenden bleibt es Tradition und wisst ihr, was wirklich tragisch ist: obwohl diese Thematik schon so lange bekannt ist, schon viele Bücher gefüllt hat: es gibt sie immer noch. Nehmen wir Waris Dirie, diese Frau kämpft unermüdlich, aber wie mir scheint, gegen Windmühlen. Es braucht Aufklärung, die gibt es, sicherlich, aber es ist genau der ländliche Bereich, der mehr braucht, der schwerer zu erreichen ist und deswegen ein besonderes Augenmerk verdient hat.

Erinnert ihr euch noch an Bosnien? Kleines Land voller Verbrecher, sagt man bei uns. Bosnien, da war doch was. Die hatten doch auch mal Krieg, oder? Von 1992 bis 1995, ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern und so scheint es der Welt zu gehen. Im Geschichtsunterricht habe ich in der Schule nie darüber gelernt und in der Zeitung sowieso nie gelesen. Vielleicht gab es den Krieg auch gar nicht, wer weiß, oder man könnte auch einfach die Frauen fragen, die damals Opfer von Massenvergewaltigungen wurden. Könnte man sagen, gut, ist ja trotzdem schon 11 Jahre her, man soll die Vergangenheit auch mal ruhen lassen, könnte man sagen, dann wäre man aber ein ziemlicher Volltrottel, weil ein Trauma bleibt, bleibt ein Leben lang.

Was ich an dem Buch bemängle, ist kein Mangel, der das Buch schwächt. Es geht hier um die Positionen der Frauen, die unterdrückt werden, man muss aber auch sagen, die Männer werden oft einfach gleich erschossen. Kein Kidnapping, keine Misshandlung – gleich der Tod. Vergisst man in meinen Augen leicht, sicherlich, die Unterdrückung der Frau gibt es, durch Männer, aber wie Mama immer sagt, Schubladen sind für die Wäsche da, nicht für Vorurteile – Männer haben, wenn vielleicht nicht so extrem, ebenfalls unter der Unterdrückung der vermeintlich Mächtigen zu leiden.

Diese Worte lassen so viel Düsterheit herrschen, wiegen schwer, doch sie beginnt, die Revolutionen der Frauen. Man siehe die Burkaverbrennung, die Proteste in Indien (an denen übrigens auch Männer teilnehmen) oder die Wortmeldungen von bosnischen Frauen, die nicht länger schweigen wollen. Sie sind auf einem guten Weg, aber ein Weg lässt sich leichter gehen, wenn man einander stützt. Und so muss jeder das Schweigen brechen, wenn er Unrecht sieht, egal in welcher Art.

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