Im Glashaus gefangen zwischen Welten

Im Glashaus gefangen zwischen Welten
Titel: Im Glashaus gefangen zwischen Welten
Autor: Devakumaran Manickavasagan
Genre: Sachbuch/Ratgeber
Verlag: Engelsdorfer Verlag
Format: Taschenbuch, 195 Seiten
ISBN:978-3-86268-920-0

 

 

Inhalt:
Wie ist es für ein Kind, zwischen zwei Kulturen aufwachsen zu müssen? Wie vereinbart man tamilische Wurzeln, mit der deutschen Lebensweise? Wie geht man mit den Trauma der Eltern um, die sie in ihrer Heimat Sri Lanka erfahren haben, welche Herausforderungen warten auf das Kind und die Familie, wenn sie in Deutschland ankommen? Devakumaran Manickavasagan versucht Antworten, auf all diese Fragen zu geben.

Meine Meinung:
Es fällt mir schwer, meine Gedanken zu dem Buch zusammenzubringen, weil ich mir eigentlich was komplett anderes erwartet hatte. Erwartete hatte ich eine Biografie, wie es jemanden gelingt, den Spagat zwischen zwei Kulturen zu schaffen, welche Probleme sich auftun mögen, welche Rolle die Eltern bei der Integration spielen usw. Erhalten habe ich, nun, eher ein Sachbuch – einen Ratgeber, was an und für sich nicht schlecht ist, aber vermutlich mich angesprochen hat.

Interessant ist das Buch, keine Frage, weil man viel über die tamilische Welt erfährt. Es zeigt auch,das Integration nur funktionieren kann, wenn beide Seiten mitarbeiten, viel zu oft bildet sich eine Parallelgesellschaft, in denen die Kinder aufwachsen und somit den Bezug zu der Wahlheimat verlieren, mehr in der Kultur der Eltern aufwachsen.
Ich denke, dieses Buch richtet sich an Kindern von Einwanderern, die es als teilweise Last empfinden, zwischen den Kulturen zerrissen zu sein. Man mag zwar seine Wurzeln nicht verleugnen, findet aber viel zu oft Steine im Weg, um wirklich in der Wahlheimat anzukommen. Vordergründig geht es natürlich um die tamilische Kultur, weshalb Menschen aus diesem Kreis hier vielleicht mehr Antworten finden, aber auch Einwanderer aus anderen Ländern können aus dem Buch etwas für sich mitnehmen.

Was mich vielleicht am Meisten an dem Buch gestört hat: die tamilischen Kinder stehen unter einem hohen Leistungsdruck, sie sollen ihre Familie stolz machen, schlechte Noten werden mit Strafen und längeren Lernen geahndet. Oft verkriechen sie sich im Internet, weil sie westliche Feiern nicht besuchen dürfen, besonders Mädchen sind oft überbehütet.
Mein Eindruck war, der Autor stellt sich die deutschen Jugendlichen unendlich frei vor. Tamilische Jugendlichen mögen extrem strenge Regeln haben, da möchte ich nicht widersprechen, aber die Vogelfreiheit der Deutschen, ist auch ein Irrglaube. Letztlich ist es bei mir so angekommen: Deutsche Jugendliche haben in ihrem Leben eigentlich eh nix zu meckern, deren Leben ist ja ein Zuckerschlecken im Gegensatz von Einwandererkindern.
Dieser Eindruck wurde bei mir relativ am Anfang des Buches geweckt, weshalb ich extrem kritisch auf den nachfolgenden Seiten war.

Was ich wohl feststellen musste, für mich, ich war nicht der richtig angesprochene Leser – ich kenne es nicht, zwischen Kulturen zerrissen zu sein, vielleicht mag ich deshalb nicht alles nachvollziehen können. Vielleicht mag es sich wirklich mehr an Einwandererkind richten, die sich von Devakumarans Worten mehr angesprochen fühlen, die sie besser verstehen, als ich.

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