Just a Normal Tuesday

Just a Normal Tuesday
Titel: Just a Normal Tuesday
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Kim Turrisi
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Kids Can Press
Format: Hardcover, 256 Seiten
ISBN: 978-1771387934

 

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Inhalt:
Es beginnt wie ein ganz normaler Dienstag, doch am Ende des Tages, wird für die 16-jährige Kai nichts mehr sein, wie es einmal war.
Alles was es dazu braucht, ist ein handgeschriebener Brief von ihrer älteren Schwester Jen, die in der Nähe wohnt und welcher mit den Worte startet: „Wenn du das hier liest, bin ich bereits gegangen.“ Jen hat sich das Leben genommen.

Zuerst funktioniert Kai noch, plant die Beerdigung mit und erträgt den Schmerz ihrer Eltern, doch sie verheddert sich in der Suche nach Antworten. Wie konnte Jen ihr das antun, warum hat sich nichts gesagt, warum hat sie nichts gemerkt?
Eine Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf, bis ihre Eltern nur noch den Auswegen sehen, sie in ein Sommer-Camp für trauernde Jugendliche zu schicken.
Kai ist davon zuerst nicht begeistert, aber vielleicht sind es gerade andere Jugendliche, die selbst trauern, die ihre wirre Gedankenwelt verstehen.

Meine Meinung:
Ein Zufallsbuch, was schon länger auf meiner Wunschliste stand, aber erst jetzt eingezogen ist. In meiner Vorstellung dachte ich, es ginge darum, zu ergründen, wieso Jen sich das Leben genommen hat. Antworten auf Fragen zu finden, die unbeantwortbar erscheinen.

Es ist allerdings nicht die Geschichte von Jen, die man sogar kaum kennenlernt, es ist die Geschichte von Kai, die ihre Schwester verliert und sich damit in der Welt.
Jen war für sie wie ein Mutterersatz, obwohl sie eine Mutter hatte, sprach sie lieber mit ihrer Schwester über „Frauenthemen“. Es lag ein blindes Verständnis zwischen ihnen, gerade deswegen zieht Jen’s Tod ihr den Boden unter den Füßen wegen. Sie hat alle ihre Geheimnisse mit ihr geteilt, doch Jen, Jen scheint ihr für sich behalten zu haben, bis der Schmerz einfach zu groß wurde.

Kai beginnt sich mit Tabletten und Alkohol zu betäuben, verliert die Lebenslust, was soll ihr Leben auch noch wert sein, wenn sie es nicht mit ihrer Schwester teilen kann.
Zu Beginn wollte ich Kai schütteln, einfach nur fragen, was für einen Scheiß sie da tut, ob sie nicht sieht, wie sehr sie die Welt in Angst versetzt mit ihrem Verhalten.
Und dann wollte ich sie doch eigentlich nur in den Arm nehmen, weil sie sich durch ihr Verhalten, vor dem Ertrinken in Schmerz geschützt hat.

Um die Abwärtsspirale die Kai durchmacht, dreht sich der Beginn, doch der Hauptteil spielt im „Trauer-Camp für Jugendliche“. Für mich klang es befremdlich, doch in Amerika scheinen solche Camps durchaus üblich zu sein und im Gegensatz zu Boot Camps erscheint es mal eine sinnvolle Sache.

Dort kommt Kai in eine Gruppe Jugendliche, die alle einen geliebten Menschen verloren haben und mit dem Verlust kämpfen. Ob Großmutter, Vater, Geschwister oder Eltern, sie alle eint der Schmerz.
Und hier ist die Geschichte einfach grandios: sie wertet nicht, sie will nicht übertrumpfen und sagen, dass der Tod von jemanden schlimmer ist, als von jemanden anderen. Sie verurteilt den Suizid nicht, stellt ihn nicht in die Ecke und haut mit Floskeln um sich, vor denen ich ehrlich gesagt ziemliche Angst hatte.

Hätte ich mal lieber das Nachwort zuerst gelesen, dann wäre die Angst vermutlich gar nicht so da gewesen: Kim Turrisi’s Schwester hat sich das Leben genommen, als sie fünfzehn war.  Die Autorin versteht also den Schmerz ihrer Protagonistin und das merkt man im ganzen Buch. Die Trauer ist fassbar, schlingt ihre krallenhaften Finger um das Herz des Lesers und drückt immer fester zu.

Es gibt sie natürlich, die kleine Liebesgeschichte, die eingeflechtet wird, aber sie ist so leise und unauffällig, dass sie perfekt ins Bild passt. Ein wenig Licht in die Dunkelheit zaubert, wenn um einen auch ein Schattenmeer ist.

Und als Schattenmeer würde ich auch das Buch bezeichnen – manchmal ist es düster, drückend, aussichtslos, man sieht die Hand vor Augen kaum und dann, dann fällt doch wieder ein Sonnenstrahl durch die Wand und zeigt, dass die Welt noch hier ist, zwar anders, aber sie ist noch hier.

Zwischen all dem Schmerz, verschwindet die Trauer nicht,  doch die Autorin schafft es, dass man glauben möchte, sich so sehr wünscht, das Kai die Trümmer ihrer Welt wieder zusammenbauen kann.

Das Englisch ist ziemlich einfach, für das es so eine schwere Geschichte bereithält.

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