Mädchen in Scherben

Die Unmöglichkeit des Lebens
Titel: Mädchen in Scherben
Originaltitel: Girl in Pieces
Autor: Kathleen Glasgow
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Fischer Verlag 
Format: Broschiert, 448 Seiten
ISBN: 978-3733504151


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!


Inhalt:
Charlotte ist zerbrochen. Mit nur siebzehn Jahren hat sie mehr verloren, als die meisten Menschen im Leben. Mehr als ein Mensch ertragen kann. Aber sie hat gelernt, wie man vergisst. Wie man seinen Körper gefühllos gegen Schmerz macht. Jede neue Narbe macht Charlottes Herz ein wenig härter, doch irgendwann begreift sie, dass sie mehr ist, als die Summe ihrer Verluste – und beginnt zu kämpfen!©Fischer Verlag 

Meine Meinung:
Es gibt kaum Bücher, in denen das Thema selbstverletzendes Verhalten im Mittelpunkt steht. Sicherlich, da sind ein paar Geschichten, wo es angedeutet wird, wo man es erahnen kann oder eine kurze Szene darüber geliefert bekommt, aber blickt man sich genauer um, findet man im Bereich Jugendbuch:
Rote Linien – Brigitte Blobel (1999)
… und raus bist du! Taschenbuch – Johanna Nilsson (2001)
Schmerzverliebt – Kristina Dunker (2003)
Cut: Bericht einer Selbstverletzung – Patricia McCormick (2004)

Schmerzspuren – Birgit Schlieper (2010)
Liebt mich! – Dianne Bates (2010)
Bis unter die Haut – Julia Hoban (2011)
Dann bin ich seelenruhig: Mein Leben als Ritzerin – S. Angela (2011)

Eine Handvoll sozusagen und dann auch eher ältere Semester, klar war ich gespannt, als ich erfahren habe, dass Mädchen in Scherben auf den Markt kommt.

Nach den ersten Seiten war ich wie gefangen genommen, eingehüllt in die Worte und vollkommen davon überzeugt, vermutlich eine Million Post-its zu brauchen.

Sagen wir so, auf den ersten 100 Seiten brauchte ich Post-its, , danach wurde es ziemlich mau und so auch die Geschichte. Zuerst lernt man Charlotte kennen, erfährt über ihren Aufenthalt in der Psychiatrie, die Mutter, die sie misshandelt hat und bekommt auch einen Einblick in das Gesundheitssystem (am Rande, aber dafür sehr deutlich).
Ich dachte, wir könnten wirklich Freunde werden, weil sie auch eine Schweigerin ist, mit den gesprochenen Wort nicht so viel anfangen kann, dafür aber eine Wortkraft in ihren Gedanken besitzt.

Bis der Worttornado abklingt und die Geschichte sich anfängt, in Kaugummi zu verwandeln. Aus der Psychiatrie draußen, reist sie in ein kleines Städtchen, sucht sich Arbeit, findet eine Wohnung und …. natürlich, die Liebe.
Versteht mich nicht falsch, Liebe ist etwas sehr sehr schönes und ja – Liebe für alle!!! – aber warum muss es der bewunderte Star der Stadt sein?
Die Liebe ist destruktiv okay, es ist nicht eine einzige Kuschelzeit, trotzdem wird es ein dämliches Gerede um völlige Abhängigkeit und Hingabe. Warum? Warum kann man, wenn man nicht schon Liebe einbauen will, einfach mal was „normales“ nehmen, ohne gleich ein großes Drama aufführen zu müssen?

Dann kommen wir zu der kleinen Stadt, in die Charlotte zieht, in das Cafe, wo sie zu arbeiten beginnt – alle, also wirklich alle, sind dort traurige und nachdenkliche Wesen. Die Narben an Charlottes Armen werden beäugt, aber nicht abwertend, alle geben ihr mit, dass jeder Mensch Schmerz in sich trägt, sie genau wissen, wie es ist zu leiden und dass sie perfekt an diesen Ort passt, weil hier alle ihre Paket zu tragen haben.
*würg* also Entschuldigung, so unprofessionell sollte nicht mal ich als Hobbyrezensentin sein, aber Bullshit!
Als Jugendliche habe ich  angefangen mich selbst zu verletzen, meine Arme schauen daher aus, als wäre ich unter einen Rasenmäher gekommen und wenn ich dann mal tatsächlich kurzärmlig rausgehe, kam bis jetzt noch keiner her und hat gesagt, er würde meinen Schmerz verstehen, die haben eher geschaut, als würde ich heimlich kleine Kinder futtern. Da werden von Menschen, in einer unüberhörbaren Lautstärke, Sachen gesagt wie: „Boah Alter, hast du gesehen, wie die sich da geritzt hat!“‚
Obwohl, muss ich jetzt zugeben, eine Tätowiererin war mal voll nett zu mir – eine Person.
Das ist die Realität und ich hoffte darauf, eben auch, dass Charlotte Menschen trifft, die ihr Verhalten verurteilen und keine Ahnung, die sie dann näher kennenlernen und versuchen sie zu verstehen, von mir aus, lernen ihre Vorurteile abzubauen. Irgendwas so in der Art.

Es kommt dann natürlich noch das große Finale um die Ecke – Dramatik pur, weil es immer Drama braucht, was ja auch irgendwie okay ist, aber was danach folgt, ich weiß nicht, viel mehr als ein Kopfschütteln bekomme ich da nicht hin.

***Spoiler vielleicht deswegen – bitte markieren um zu lesen***
Musste die Autorin der unrealistischen Geschichte, dann auch noch unbedingt so ein unrealistisches Happy End daraufklatschen? Happy End von mir aus, aber ehrlich, dass war einfach zu viel. 
***Spoiler Ende***

Echt, ich hatte mich auf dieses Buch richtig gefreut, weil es eben so wenige Bücher zu dem Thema gibt und keines davon wirklich glänzen kann, aber ehrlich, dass war nix. Keine Ahnung ob ich die Geschichte als „Betroffene“ anders lese und viel zu kritisch bin, aber ich fand die Umsetzung einfach nur schade und absolut unrealistisch.

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