Dear Martin

Titel: Dear Martin
Originaltitel: Dear Martin
Autor: Nic Stone
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Rowohlt Verlag
Format: Hardcover, 256 Seiten
ISBN: 978-3499218330

 

Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
Justyce McAllister ist einer der Besten seiner Klasse, Captain des Debattierclubs und Anwärter auf einen Studienplatz in Yale – doch all das interessiert den Polizisten, der Justyce die Handschellen umlegt, nur wenig. Der Grund für seine Verhaftung: Justyce ist schwarz. Und er lebt in den USA im Jahr 2017.
Mit Briefen an sein großes Vorbild Martin Luther King Jr. versucht Justyce, dem alltäglichen Rassismus etwas entgegenzusetzen. Und dann ist da noch Sarah-Jane, seine kluge, schöne — und weiße – Debattierpartnerin. Als jedoch sein bester Freund Manny erschossen wird, scheint es, als ob selbst Martin Luther King Jr. keine Antwort mehr für Justyce bereithält.©Rowohlt Verlag

Meine Meinung:
Die englische Ausgabe stand seit Oktober 2017 auf meiner Wunschliste, seit dem Erscheinungsdatum. Zeit verging, dann sah ich vor knapp zwei Woche bei Instagram von Schattenwege ein Bild davon und dachte, ach guck, liest sie doch manchmal auf Englisch. Es verging dann noch mal eine Woche, wieder Tatort Instagram, dieses Mal aber bei Sandy von Nightingale’s-Blog – in ihren Stories schrieb sie, dass es sich hierbei um die Übersetzung handelt und ich so …. warte, warte, warte…
Übersetzung? Wie jetzt? Und ja, die deutsche Ausgabe von „Dear Martin“  ist am 24.April erschienen und keiner hat es mitbekommen!

Warum ich so ausufernd davon schreibe – ihr erinnert euch doch sicher noch an „The Hate U Give“ von Angie Thomas? Was wurden wir da mit Werbung zu dem Buch zugekleistert – zu Recht übrigens, weil es solche Bücher braucht und sie jede Werbung verdient habe, die es gibt – nur hat der Rowohlt Verlag hier wohl leider geschlafen.
Bringt man die Übersetzung mit dem gleichen Cover und Titel wie das Original raus, braucht es ein meiner Meinung nach ein paar kleine Hinweise (okay, die Schrift von Dear Martin ist auf den Cover ein bisschen anders, aber wer guckt schon so genau).

Die Sache ist nämlich für mich – „The Hate U Give“ war wichtig, aber kam bei mir nicht ganz an. Keine Ahnung woran es lag, aber für mich war das Ganze nur mittelmäßig, weshalb ich einfach die Klappe gehalten habe, keine Rezension schrieb und einfach mal froh war, dass es überhaupt ein Jugendbuch gibt, was sich diesem Thema annahm.

Und dann kam hier still und heimlich „Dear Martin“ auf den deutschen Markt, eine ähnliche Geschichte, aber um Längen besser!

Das Buch beginnt gleich mit der Verhaftung von Justyce, eine Verhaftung die absolut sinnlos ist, weil er nichts getan hat, ganz im Gegenteil, er wollte jemanden helfen und der Polizist hat oder wollte etwas anderes sehen. Damit setzt sich eine Spiral in Gange.
Nicht für die Welt, weil die viel zu oft blind ist, aber für Justyce und als Leser steht man an seiner Seite. Hilflos.
Natürlich könnte man ein paar kluge Ratschläge raushauen, letztlich bringen die aber genau gar nichts, weil man die Ungerechtigkeit sieht, beinahe körperlich spüren kann.

Justyce beginnt Briefe an Martin Luther King Jr. zu schreiben, in der Hoffnung, auf diese Weise Antworten für sich zu finden. Zu verstehen, warum die Welt nichts lernt, warum Rassismus immer noch alltäglich ist und es egal ist, ob du gut oder böse bist, eine Verurteilung alleine aufgrund deiner Hautfarbe passiert.

Die Geschichte schreitet voran und erhält eine dramatische Wendung, als Justyce bester Freund von der Polizei erschossen wird. Jetzt hilft es ihm auch nicht mehr, Briefe zu schreiben, er verliert sich. Wofür soll man noch den friedlichen Weg suchen, wenn die andere Seite, doch nur mit Gewalt antwortet und es niemanden zu interessieren scheint, weil du ja nur ein Schwarzer mehr in der Statistik bist.

Besonders macht dieses Buch für mich, dass man die Zerrissenheit von Justyce deutlich spüren kann. Er will daran glauben, dass man Rassismus beenden kann, dass es einen Weg gibt, den Menschen die Ungerechtigkeit aufzuzeigen und dann auf der anderen Seite, passieren so viele Dinge, die Zweifel in ihm säen. Was nützt ein friedlicher Kampf mit Worten, wenn dir niemand zuhört? Ist es vielleicht Gewalt, die als einziges hilft, mit der lähmenden Schwere umzugehen?

Ich bin weiß, maße mir jetzt nicht an, wirklich was Kluges zu schreiben, aber wenn man endlich die Augen aufmacht, auf Tweets von zB Roseanne Barr mit Konsequenzen reagiert, dann ist es ein richtiger Schritt.
Wenn man dann aber wieder Nachrichten liest, in der einer schwarzen Familie 4 Dollar Schmerzensgeld zugesprochen wird, weil der Vater von der Polizei erschossen wurde, dann kann man die Lächerlichkeit der Situation kaum ertragen. (Artikel hier)

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