Schau mir in die Augen, Audrey

Titel: Schau mir in die Augen, Audrey
Originaltitel: Finding Audrey
Autor: Sophie Kinsella
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: Goldmann Verlag
Format: Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3442485574

 

Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
Audrey wächst in einer liebevollen, leicht durchgeknallten Familie auf: Ihr großer Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter Teddybär. Doch Audrey weiß, dass sie selbst am durchgeknalltesten ist – sie leidet unter Angststörungen, kann nicht mehr zur Schule gehen und niemandem in die Augen sehen, weshalb sie stets eine Sonnenbrille trägt. Als sie auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, das viel mehr ist als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft …©Goldmann Verlag

Meine Meinung:
Merke, Vorurteile sind blöd. Tatsächlich wollte ich nämlich die Geschichte von Audrey nicht lesen, weil sie von Sophie Kinsella kommt – die Frauenromangöttin. Ich weiß, Vorurteil, aber so war es halt in meinem Kopf und als der Inhalt auch noch Linus, den gar nicht so unansehnlichen Freund ihres Bruders, ins Spiel brachte, dachte ich so – nö, einfach nö.

Bei meinem Besuch in der Bücherei stand die Geschichte dann plötzlich vor mir und ich dachte, naja, ich könnte ja vielleicht mal kurz reinlesen, nur mal gucken.
Gesagt getan und spätestens nach den ersten Seiten war klar – lesen! sofort!

Die Geschichte fängt relativ amüsant an, mit einer Streiterei von Audreys Mutter und ihrem Bruder. Man merkt auf den ersten Seiten nicht die Ernsthaftigkeit, was Spaß macht, mich aber auf der anderen Seite sehr verunsichert hat – was, wenn die Autorin die psychische Erkrankung auch nicht ernst nimmt, lauthals darüber lacht?
Sie spontan durch Liebe heilen lässt? Geht Humor und Ernsthaftigkeit oder geht die Botschaft dadurch verloren?

Es ist jetzt wohl an der Zeit, meinen Hut vor der Autorin zu nehmen und zu sagen: Tut mir leid, dass ich dachte, sie wären nur eine Klischeefrauenromanschreiberin.
Sophie Kinsella hat nämlich ein so geniales Jugendbuch auf die Reihe gebraucht, dass mir die Luft wegbleibt, so unerwartet und vermutlich deswegen umso berührender.

Audreys Angststörung wird glaubhaft geschildert, auch wenn sich jemand nicht damit auskennt, wird es so erklärt, dass man versteht, was in ihr vorgeht.
Zwar wird nie ganz aufgeklärt, was der Auslöser der Ängste ist, aber wenn man es sich ein wenig zusammenreimt, kommt man bald auf Mobbing in der Schule.

Meistens versteckt sich Audrey vor der Welt, sie geht nicht in die Schule, verlässt das Haus nicht und hält zu niemanden Kontakt, außer ihrer Familie.
Ihre Familie – Vater, Mutter und zwei Brüder. Ihre Mutter ist der Hammer, wobei ich nicht genau weiß, ob es gut oder schlecht ist. Frank, Audreys älterer Bruder, spielt leidenschaftlich gerne Computer – „Lords of Conquest“ um genau zu sein.
Seine Mutter dreht regelrecht durch, weil sie Angst hat, dass er eine Computersucht entwickelt, woraufhin sie, zur Übermutter mutiert. Diese Teile sind auch die witzige in der Geschichte, weil sie so absurd, so überspitzt, aber dann auch wieder so genial dargestellt werden.

Neben den „Kämpfen“ von Audreys Mutter und Frank, ist der andere Hauptteil des Buches natürlich ihr Leben, was den ernsteren Teil ausmacht. Und obwohl ich Angst hatte, dass die Autorin mit der Liebe einen totalen Quatsch aus der Geschichte macht, hat sie etwas geschafft, was ich nicht oft bei Liebesgeschichten sage – es hat gepasst.
Klar, ein Jugendbuch ist für Jugendliche und in dem Alter entdeckt man nun mal die Liebe für sich, dass hat auch die Autorin verstanden, aber sie hat auch verstanden, das richtige Maß zu finden.

Das Buch hat mich auf eine Art und Weise überrascht, wie ich es nie gedacht hätte – es ist tatsächlich für mich eines der besten, was sich mit dem Thema Angststörung auseinandersetzt. Es ist authentisch, nachvollziehbar, hält für Audrey Höhen und Tiefen bereit, ist dabei aber mit einem Humor angefüllt, dass man sagen kann – perfektes Buch.

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