Wenn Worte meine Waffe wären

Titel: Wenn Worte meine Waffe wären
Originaltitel: For enden af din pegefinger
Autor: Kristina Aamand
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: Dressler Verlag
Format: Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3791500980


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

 

Inhalt:
Als einzige Muslima in ihrer Schule hat Sheherazade viel einzustecken, und seit ihrer Flucht nach Dänemark wird ihre Mutter zunehmend religiöser. Sie hat feste Pläne für die Zukunft ihrer Tochter. Als dann ihr Vater, der immer noch unter den Schrecken des Krieges leidet, ins Krankenhaus muss, weiß Sheherazade nicht mehr weiter. Das einzige, was hilft, sind ihre Texte, die sie kunstvoll-provokativ mit Bildern verwebt. Niemals würde sie diese jemandem zeigen. Bis sie sich verliebt. Und ihre Worte plötzlich Kraft haben.© Dressler Verlag

Meine Meinung:
Die Inhaltsbeschreibung zeigt es schon auf, wichtiger kann ein Buch heutzutage gar nicht sein. Kristina Aamand hat ein kleines Nachwort der Geschichte hinzugefügt, dass ich jetzt an den Anfang setzen möchte:

„Ich bin mit einer dänischen Mutter und einem palästinensischen Vater aufgewachsen. Mit dem Christentum, und dem Islam. Meine Eltern stritten über Religion, Tradition, Wahrheit und kämpften beide darum, an den jeweiligen charakteristischen Besonderheiten ihrer Kultur festzuhalten. Ich habe früh gelernt, dass Wahrheit subjektiv ist. Und das Wichtigste: Man kann es nie allen recht machen.“ (Seite 269)

Man lernt Sheherazade (kurz She) im Krankenhaus kennen, dort liegt ihr Vater, der auf Grund von zunächst Herzbeschwerden, dort eingeliefert wurde. Schnell erfährt man, dass die Familie vor zehn Jahren nach Dänemark gekommen ist, geflüchtet ist – She’s Vater war Dichter/Journalist, schrieb die falschen Dinge und wurde in seiner Heimat daraufhin gefoltert. Diese Folter ist es letztlich auch, die ihn wirklich ins Krankenhaus gebracht hat – ein Kriegstraumata.

Im Krankenhaus lernt She Thea kennen, ihre Mutter hat das Guillain-Barré-Syndrom, sie ist zuzusagen gefangen in ihrem Körper, bekommt alles mit, kann aber nicht reagieren.
Die beiden Mädchen freunden sie an, weil die Gemeinsamkeit eines erkrankten Elternteils sie zusammenschweißt.
Die Freundschaft entsteht aber natürlich auch daraus, dass die Beiden sich einfach gut verstehen und sich, so scheint, gesucht und gefunden haben.

Wie erklär ich die Freundschaft, vielleicht, in dem ich euch einfach ein Gespräch zwischen ihnen zeige:

„Was ist denn nun eigentlich mit deiner Mutter?“, frage ich, als wir wieder auf dem Sofa beim Kaffeeautomaten sitzen.
„Wir waren in den Ferien. Rom. Die ganze Family im Wohnwagen. Ich, mein Vater, meine Mutter, mein Bruder Tobias und die Zwillinge Arn und Askan.“
„Wow, große Familie“, sage ich und grinse, „richtige Einwandererdimensionen.“
„Ja, das kann man so sagen.“ Thea lacht. „Vielmehr kannst DU das sagen. Wenn ich das sage, klingt das sofort rassistisch.“
„Ja, ein bisschen, da hast du recht. Aber ein paar Vorteile muss es ja haben, Kanakin zu sein. Wir dürfen uns selbst besudeln.“
„So eine Art Kanakenprämie. Ich kann mich gern mit Blondinnenwitzen revanchieren.“
(Seite 24)

Zu Beginn dachte ich mir – darf man sowas schreiben? Ist das jetzt politisch okay oder gibt es gleich von großer Stelle Ärger? Die Sache ist, der Respekt untereinander geht dadurch nicht verloren. Die Mädchen schätzen sich, besprechen auch Vorurteile, aber nie mit der „Hau-drauf-Methode“, sondern eher nach: lass es uns klären, ich höre dir zu und versuche zu verstehen, was ich jetzt noch nicht verstehe.

She’s Mutter ist streng gläubig, als es auf Klassenfahrt geht, besteht sie darauf, dass ihre Tochter nur mit Mädchen umgeben ist, dass sie das richtige Essen bekommt (halal) usw. Kein großes Dinge, aber sie begegnet etwas, was man aus den Nachrichten kennt – Hass. Einige ihrer Mitschüler sehen nicht ein, warum sie immer eine Extrawurst bekommt, wieso alle auf She Rücksicht nehmen sollen, wo sie es ja offensichtlich ist, die sich nicht einmal integrieren will – nach 10 Jahren (Kopftuch, halales Essen usw.).

Sie hat Menschen auf ihrer Seite, aber die Menschen voller Hass bleiben eben auch.
Und She, sie ist mit 7 Jahren nach Dänemark gekommen, wuchs zwischen den Kulturen auf – versucht einen Spagat dazwischen, aber egal was sie tut, mal ist sie für die Dänen nicht dänisch genug und dann für die Muslime nicht muslimisch genug.

Worüber geht die Geschichte aber jetzt eigentlich? Es geht darum, dass She versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Sie möchte nicht heiraten, Ärztin werden und viele Kinder kriegen, wie es sich ihre Mutter wünscht, sie möchte aber auch nicht ihre Kultur leugnen, nur damit die Dänen in ihrem Umfeld glücklich sind. Sie möchte einfach nur sie selbst sein, doch manchmal ist dieser Wunsch, der schwierigste von allen, weil man es nie allen recht machen kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s