Kopfschuss

Titel: Kopfschuss
Originaltitel: Trigger
Autor: Susan Vaught
Genre: Jugendbuch ab 13 Jahren
Verlag: cbt Verlag
Format: Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: : 978-3570304150


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!


Inhalt:

Er hat sich eine Kugel in den Kopf gejagt, soviel weiß er. Er ist halbseitig gelähmt, hat Erinnerungslücken und schleudert Wörter heraus, die er nicht sagen will und nicht sagen sollte. Das weiß er nur zu genau. Er ist ein Freak, auch das weiß er. Was er nicht weiß, ist: WARUM. Warum hat er das getan? Seine Mutter ist zerbrochen, seine Freunde gehen ihm aus dem Weg – und ihm fehlen anderthalb Jahre in seinem Hirn. Wird er die Wahrheit herausfinden? Eine verzweifelte Suche nach Indizien und Beweisen beginnt. Es ist das Puzzle seines Lebens … ©cbt Verlag

Meine Meinung:
Immer mal wieder pack ich einige Bücher für die Bibliothek zusammen, die ich ihr dann schenke. Bis jetzt habe ich es nur bei einem bereut – „Tote Mädchen lügen nicht“, was ich mir dann gebraucht nochmal geholt habe, mit „Kopfschuss“ wird jetzt genau das Selbe geschehen.

Tatsächlich konnte ich mich irgendwie überhaupt nicht mehr erinnern, um was es in dem Buch ging und ob es mir gefallen hat, deswegen habe ich es mir ausgeliehen und weiß jetzt, ja, es muss wieder in mein Regal!

Es gibt Jugendbücher über Suizid, gute und auch schlechte, doch ich persönlich habe noch keines gelesen, was beim Versuch bleibt und damit verbundene körperliche Einschränkungen wiedergibt.
Also Bücher über Suizidversuche gibt es einige, es ist auch mal eine Narbe die zurück bleibt, aber hier ist es „mehr“ und deswegen eine neue Einsicht für mich.

Jersey schießt sich in den Kopf und überlebt. Zurück bleiben eine halbseitige Lähmung und Sprachstörungen, aber auch die Frage nach dem Warum? Sogar für Jersey bleibt die Frage, weil er sich an die Monate vor seinem Versuch, sowie die Handlung selbst nicht erinnern kann.

Hier stehen wir also als Leser, an der Seite von Jersey, der versucht zu verstehen, wie es soweit kommen konnte. Man malt sich Geschichten aus, puzzelt Teile zusammen, aber letztlich ist das Bild ein ganz anderes, was allerdings den Aufdruck „Thriller“ am Cover nicht gerechtfertigt. „Kopfschuss“ ist kein Thriller, nicht mal ansatzweise, es ist ein Jugendbuch über ein Thema, was viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Heute ist es schon besser, als vor zehn Jahren, aber noch immer weit davon entfernt, ohne Tabu besprochen zu werden. Suizid ist kein Thriller, Suizid ist tragischerweise alltägliche Realität. Ich schweife ab, was ich sagen will – dämlicher Aufdruck!

Neben der Frage nach dem Warum, muss Jersey sich jetzt auch erst in seinem „neuen“ Leben zurechtfinden, einem Leben mit Behinderung, Eltern, die an der Situation zu zerbrechen drohen und Freunden, die nichts mehr mit ihm zutun haben wollen.

Zu einem wichtigen Charakter im Buch wird Mama Rush, die Großmutter von Jerseys ehemaligen besten Freund Todd. Diese lebt in einem Altersheim, wo er sie oft besuchen geht, mit ihrer resoluten Art scheint sie genau das zu sein, was Jersey braucht. Jemanden, der keine Angst vor ihm hat, die ihn nicht in Mitleid ertränkt, sondern einfach nimmt, wie er ist. Auch wenn sie sagt, wenn er noch einmal so einen Unsinn macht, bringt sie in höchst persönlich ins Grab. Es mag und wirkte auch auf mich, zuerst ziemlich grob, ihre ganze Art, aber die Mischung aus Forschheit, aber auch Liebe machte Mama Rush zu einem Charakter, den man, nach Startschwierigkeiten, letztlich ins Herz schließt.
Zusammen mit ihr versucht Jersey sein Leben zu „rekonstruieren“, Schritt für Schritt, aber mit ihrer Hilfe versucht er auch, seine jetzige Situation zu akzeptieren.

Nach dem Suizidversuch war er in einer Rehaklinik für Menschen mit Hirnschäden, dort haben sie ihn schon vorbereitet, was in der Klinik ganz gut klappt, ist da draußen, in der richtigen Welt, um ein vielfaches schwieriger.
Gerade als er wieder an seine alte Schule kommt, zu den Menschen, die ihn kennen, wird das Buch beklemmend (beklemmender als sowieso schon). Neben den Mitgefühl einiger für seine Situation, erleben wir auch die Grausamkeit – nämlich den Umgang mit jemanden, der einen Suizidversuch überlebt hat, Dinge wie, man ist selbst schuld an seinem Zustand,  hat Ablehnung und Späße darüber verdient. Und hier macht es keinen Unterschied, ob es ehemalige Freunde, fremde Schüler oder aber auch Lehrer sind, Menschen können, was kein Geheimnis ist, in jedem Alter abscheulich sein.

Diese Geschichte hatte eine Sogwirkung auf mich, einerseits weil ich natürlich eine Antwort auf die Frage „Warum?“ finden wollte, andererseits, weil ich mich Jersey nahe fühlte, weil er wusste, jetzt einen Stempel als Freak zu tragen – durch seine Blödheitsmale (Schusswunde) für alle sichtbar. Er versucht alleine mit allem klar zu kommen, weil er merkt, dass seine Eltern einfach nicht mehr belastbar sind, noch mehr mit der neuen Situation überfordert scheinen, als er.

Ganz ehrlich, ich weiß nicht mehr, warum ich das Buch weggegeben habe, es gibt keinen Grund dafür. Es gibt nur sehr viele Gründe dafür, es im Regal stehen zu haben.

 

Solltet ihr Suizidgedanken haben, seht ihr rechts das Logo von „U25“ eine Organisation die Suizidprävention betreibt, zum Beispiel mit Onlineberatung. Diese hat zwar meist eine Warteliste, doch unter dieser Anmeldung findet ihr „alternative Hilfangebote“. Alternative Onlineberatungen, Telefonangebote etc., einfach Hilfe, die zwar keine Therapie ersetzt, aber ein Anfang sein kann.

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