Rotlicht

Rotlicht
Titel: Rotlicht
Autor: Nora Bossong
Genre: Sachbuch
Verlag: Hanser Verlag
Format: Brochiert, 240 Seiten
ISBN:978-3-446-25457-2


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

 

Die Welt des Sex ist eine unendliche. Sexshops, Swingerclubs, Tabledance, Prostitution etc., das Feld lässt sich unendlich vorführen. Nora Bossong stand, wie andere Kinder wohl auch, oft staunend vor dem Sexladen am Bahnhof, mit Sicherheitsabstand natürlich. Die Geheimheit dieses Ortes, sie zog an, ließ die Fantasie kreisen, welche wohl absonderliche Welt hinter dieser Tür liegt.
Und der Gedanke bleibt, wer noch nie in einem Bordell war, stellt sich vermutlich die abenteuerlichen Szenarien vor und weil der Mensch ziemlich neugierig ist, hat Nina Bossong ihren Voyeurismus nachgegeben und es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt des kommerziellen Sexes kennenzulernen. Als Beobachter.

Die erste Station ist eine Tabledancebar, die erste Begegnung soll nicht erschrecken, doch eine Sexmesse folgen, auf der klar wird, dass die Frau, trotz Emanzipation oftmals eines bleibt – ein Lustobjekt. Wenn auf der Bühne eine Dame steht und sich mit einen Rießendildo penetriert, gekünstelt stöhnt und die Männerschaft ihre Kameras einzig und alleine auf das Geschlechtsorgan der „Schauspielerin“ richten, durchzieht einem beim Lesen doch ein Schauer.
Das Gespräche mit einem Pornoproduzenten bringt eigentlich auch nur die Erkenntnis, dass die sexuelle Welt, nicht wirklich auf Frauen ausgelegt ist, Männer sind die Hauptkunden, wollen ihre Fantasien erfühlt bekommen, wenn auch nur gedanklich, an die Frauen denkt man kaum.

Man mag sich die Welt des käuflichen Sexes als etwas schmutziges vorstellen, ekelhaft und erniedrigend, diesen Aspekt nimmt Nora Bossong in ihrem nächsten Kapitel auf. Den Besuch zweier Sexkinos. Während das eine eher wie eine Szene aus einem Horrorfilm wirkt, hat das andere etwas anonymes an sich – letztlich alles eine Frage des Preises. Näher gibt es in keinem dieser Orte, alles ist einer reinen Oberflächlichkeit ausgesetzt, doch während man am einen Ort Angst haben muss, ist der andere so Distanziert, dass der Kontakt zu den Gefühlen verloren geht.
Da überrascht es ein wenig, dass der Besuch im Swingerclub eher wie ein biederer Abend unter Fremden wirkt. Nudelsalat wird aufgetischt, die Stammgäste haben ihre Badelatschen, die es nicht anzurühren gilt, in dieser Welt, die eigentlich als regellos dargestellt wird.

Für den letzten Teil hat sich die Autorin die Welt der Prostitution aufbewahrt, der Teil, der wohl unter die Haut geht und die Gedanken des Lesers fliegen lassen. Huschke Mau, ehemalige Prostituierte, bringt es auf den Nennen, dass kaum jemand freiwillig in dieser Branche arbeitet, hinter allem stehe ein gewisser Zwang. Und Nora Bossong trifft zwei Ungarinnen, die auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat, nach Deutschland kamen, um Geld zu verdienen.
Doch auch die Osterweiterung der EU im Jahre 2007, brauchte unzählige verzweifelte Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland. Die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit ihrer Heimat, als Antrieb, sich in dieser Branche zu bewegen und wie es mit Verzweiflung immer so ist, jemand wird sie benutzen, um sich selbst zu bereichern. Zuhälter beherrschen die Frauen und viele sprechen schon von Glück, wenn sie nicht allzu oft geschlagen oder all ihr Geld abgeben müssen.

„Glaubt man Alice Schwarzer, ist dabei keine einzige von ihnen selbstbestimmt und wird jede ihrer Handlungen durch Not, Misshandlung, frühen traumatisierenden Missbrauch angetrieben. Dagegen steht etwas die Meinung von Hydra, der ältesten Hurenorganistiaton Deutschlands, die in den achtziger Jahren ebenfalls aus dem Kreis linker Feministinnen hervorging und für die es durchaus selbstbewusste Sexarbeit gibt. 

Beide Seiten beanspruchen, für die Rechte von Frauen einzutreten.“ (Seite 167)

Nora Bossong bleibt zum Schluss parteilos, sie hat viel gesehen und gehört, wenn man auch eine leichte Tendenz spürt, dass auch sie nicht an Freiwilligkeit in der Branche glaubt, lässt sie es dem Leser selbst im Kopf, darüber nachzudenken. Es bleibt im Kopf, man wälzt hin und her. Und bleibt letztlich immer außen vor, als Beobachter, der eigentlich nichts weiß.

Weitere interessante Rezension zu dem Buch:
kapri-zioes

Literaturbloggerbuch

Literaturbloggerbuch
Titel: Literaturbloggerbuch
Autor: Mara Giese
Genre: Sachbuch
Verlag: Edel Elements
Format: eBook, 186 Seiten
ASIN: B01L1ST2ZI

 

 

Mara kennt man. Ihren wunderbarer Buchblog „Buzzaldrins Bücher“ kann und will ich mir nicht wegdenken, umso mehr hat es mich gefreut, dass sie ein Buch über das Bloggen an sich geschrieben hat.
Es ist ein Ratgeber, der dem Leser ein paar Tipps und Tricks verrät, wie man am besten mit einem Buchblog startet, aber auch wenn man schon einen hat, findet man gute und nützliche Ratschläge für sich.

Zugegeben, ich bin einer der faulsten Menschen überhaupt. Ich liebe Bücher, lese wahnsinnig gerne und ja, auch schreibe ich (meistens) gerne, aber mich wirklich beschäftigt, wie ich meinen Blog zu etwas einzigartigen mache oder wie sich am besten Werbung machen lässt oder ähnliches, darüber habe ich erst in den letzten Monaten angefangen nachzudenken.

Ich mag meinen Blog, er ist nicht außergewöhnlich, geht vermutlich auch ziemlich in der Masse unter, aber er ist mein zu Hause, nun seit nahezu 6 Jahren und doch, manchmal braucht es Input von außen, um sein Heim vielleicht noch ein bisschen gemütlicher zu machen.

In dem Buch versammeln sich Tipps für Anfänger, aber auch Fortgeschrittene, ob es jetzt Ideen sind, worüber man bloggen könnte, wie man am besten Anschluss findet, aber auch der technische Aspekt findet hier Platz. Was die Technik anbelangt, ist das Buch sehr stark auf WordPress fixiert, was einerseits verständlich ist, hat Mara doch ihre Seite dort, andererseits ist es aber daher bei den ein oder anderen Thema so, dass jemand bei einem anderen Anbieter nicht unbedingt etwas für sich mitnehmen kann.
Ich denke, man hätte es irgendwie deutlicher machen können, weil Blogger.com User doch ziemlich auf der Strecke bleiben und dann eventuell verstimmt sind, weil das Buch eben auf einen anderen Anbieter ausgerichtet ist und nicht alles für sie hilfreich ist.

Die Tipps sind immer wieder von Interviews von diversen Buchbloggern unterbrochen, die ziemlich informativ sind, aber auch zeigen, was die Realität wirklich für einen Betreiber einer Seite bereithält, wie sie sich die Arbeit an den Beiträgen einteilen, welche Überlegungen es für sie gab usw.

Ein besonders guter Abschnitt in den Buch, beinhaltet die rechtlichen Hinweise, die man befolgen muss, damit man keine Probleme bekommt. Der Ein oder Andere erinnert sich vielleicht noch an die Debatte, ob man Buchcover einfach so einfügen darf oder das leidliche Thema Impressum wird behandelt – mit einem Fachmann, der sich auskennt und klar sagt, welche Pflichten ein Blogger hat, um mögliche Probleme zu umschiffen.

Mich hat das Buch dazu angeregt, etwas über meinen Blog nachzudenken, ob es groß etwas in meinem Denken geändert hat, dass weiß ich nicht. Neue Ideen sind aufgekommen, Überlegungen wurden gestartet, letztlich bleibt aber die Erkenntnis, dass wer im großen Stil bloggen möchte, eines auf jeden Fall mitbringen sollte: Zeit und Ausdauer.

Die Ausdauer besitze ich seit 6 Jahren, die persönliche Frage, die ich mir wohl letztlich stelle, ist, ob ich mir die Zeit nehmen sollte, hier groß etwas zu verändern oder ob ich in der Zeit nicht lieber lesen sollte, weil ein Blog zwar schön ist, aber lesen um ein vielfaches schöner ist – für mich.

Die Dunkelheit zwischen den Sternen

Die Dunkelheit zwischen den Sternen
Titel: Die Dunkelheit zwischen den Sternen
Autor: Benjamin Lebert
Genre: Belletristik
Verlag: S.Fischer Verlag
Format: Hardcover, 304 Seiten
ISBN: 978-3103973129


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Kathmandu im April 2015.
Shakti, Achanda und Tarum leben in einem Kinderheim. Für sie ist es ihr zu Hause, ihre Eltern haben sie in die Zwangsarbeit und in die Prostitution verkauft. Aus diesen Qualen konnten sie sich befreien und hängen nun ihren Träumen nach. Auch wenn es im Kinderheim nicht immer einfach ist, so erhalten sie doch eine Vorstellung von Glück.
Durch ihre Erfahrungen sind sie jedoch geprägt, ihr Glaube an die Menschheit ist erschüttert und ein Weg aus der Dunkelheit scheint nahezu unmöglich, doch sie beginnen erste zarte Schritte zu wagen, bis ihre Welt erneut erschüttert wird.

Solltet ihr das Buch schon wo anders entdeckt haben, wurde euch vielleicht schon etwas verraten, was meiner Meinung nach ein ziemlich zentraler Teil in der Geschichte ist, von dem ich mir eigentlich gewünscht hätte, ich hätte ihn noch nicht gewusst.
Auch der Verlag selbst verrät diesen Punkt und obwohl es dem Buch keinen Abbruch tut, denke ich trotzdem, dass die Intensität am Schluss eine andere gewesen wäre, als sie es nun letztlich ist, aber vielleicht ist es auch so gewollt, das Grauen immer im Hintergrund.

Über neun Tage hinweg begleitet man die drei Kinder, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch miteinander verbunden sind. Einerseits, weil sie von ihren Eltern weggegeben wurden, da diese Geld brauchten und keine andere Lösung wussten.
Über Umwege habe alle die Sicherheit im Kinderheim gefunden, worüber das Buch auch geht, die Zeit dort. Die Vergangenheit wird kaum angesprochen, findet nur manchmal an den Ecken Platz, was aber in Ordnung ist, so bleibt der Fokus auf dem Jetzt.

Und auch wenn wir im Jetzt sind, bleibt doch das beklemmende Gefühl der Vergangenheit dauerpräsent. Man erfährt zwar nur Bruchstücke, aber natürlich sind es die Erfahrungen, die diese Kinder geprägt haben.
Träume haben sie, aber weil sie gelernt haben, wie zerbrechlich das Leben sein kann, erlauben sie sich nicht immer, ihren Gedanken nachzuhängen. Nicht zu träumen, ist erträglicher, als enttäuscht zu werden und enttäuscht wurden sie schon viel zu oft.

Der Inhalt der Buches ist ziemlich still, man lebt mit den Kinder neun Tage zusammen, erfährt über ihr Leben, denkt darüber nach, wer sie sind, wo sie sind, nur langsam beginnt der Sturm mit seinen dunklen Wolken aufzuziehen, mit jeder Seite, die man weiterliest, sieht man mehr dem Orkan ins Auge.

Auch wenn ich wusste, worauf die Geschichte hinausläuft, erwartet einen kurz vor Ende, noch eine andere Gewissensfrage. Sie ist es vermutlich auch, die mir nach dem Lesen im Gedächtnis geblieben ist, mich jetzt noch beschäftigt: „Was bist du bereit zu opfern?“

Schade ist, dass dieses Buch kaum Beachtung findet – verdient hat es die Geschichte auf jeden Fall, die so viel Realität ist, dass es weh tut und trotzdem Stille enthält, in denen man seine eigenen Gedanken finden kann.

Stumme Helden lügen nicht

Stumme Helden lügen nicht
Titel: Stumme Helden lügen nicht
Originaltitel: Silenced
Autor: Simon Packham
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: dtv Verlag
Format: Taschenbuch, 208 Seiten
ISBN: 978-3423717243


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Eine Nacht hat das Leben des 15-jährigen Chris komplett verändert – sein bester Freund Declan ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Während die Schule öffentlich um ihm trauert, verstummt Chris, gefangen in seinem Schmerz. Als er bei der Gedenkfeier sprechen soll, bringt er kein Wort über die Lippen. Die Stummheit bleibt, seine Stimme scheint verschwunden und es scheint einen Grund dafür zu geben, warum er nicht aussprechen will, was vor dem Unfall geschehen ist.

Bücher über Mutismus gibt es – Fachbücher, allerdings sind im Jugendbereich kaum welche angesiedelt, obwohl es unbedingt besprochen gehört (besprochen *zwinker*). Nach einem Traumata die Stimme zu verlieren kommt selten vor, es gibt natürlich auch noch andere Formen des Mutismus, aber hier jetzt auszuholen, wäre wohl zu vielfältig – jedoch sind es Bücher wie „Stumme Helden lügen nicht“, die auf die Krankheit überhaupt erst einmal aufmerksam machen, Leser dazu bewegen können, sich mit dem Thema mehr auseinander zu setzen.

Die Geschichte des Buches ist schnell zusammengefasst: nach dem Unfall seines Freundes, verstummt Chris, als Leser erfährt man seine Gedanken, wenn die Mitschüler zuerst noch verständnisvoll sind, je länger die Stille andauert, allerdings anfangen, sich lustig zu machen. Wie er bei einer Therapeutin sitzt und sie erzählt, während er sich in Gedanken verliert, die Reaktion seiner Eltern, die liebevoll sein wollen, manchmal aber ihre Wut nicht verbergen können, weil es doch unlogisch ist, nicht mehr zu sprechen.
Es mag der Gedanke aufkommen, diese Menschen hören willentlich auf zu sprechen, was aber nicht der Fall ist, sie bekommen sprichwörtlich einfach kein Wort mehr über die Lippen, auch wenn sie es versuchen, was man bei Chris eindrucksvoll beschrieben bekommt.

In seinem Leben tauchen zwei Personen auf, die sich trotz der Stille nicht abschütteln lassen. Ariel, zurückhaltend, aber wenn es darauf ankommt, ergreift sich schon mal die Oberhand und Will. Will kommt neu an die Schule, stellt sich als wild vor und ist ein Draufgänger, der Chris auf seine Abwege mitnimmt.

Ariel war mir nicht sonderlich sympatisch, irgendwie kam sie mir sehr aufdringlich vor, eher nervig, aber Chris scheint eine solche Person gebraucht zu haben, er scheint sich nämlich in ihrer Nähe sehr wohl gefühlt zu haben.
Anders Will, ihn hätte ich wahnsinnig gerne aus dem Buch gezogen und dann….ihn eine solche Ohrfeige verpasst, dass es klingelt. Dieser Großkotz hat mich eigentlich beständig nur wütend gemacht, mit seiner Art, seinem Verhalten, zusammengefasst, einfach mit allem.
Die Geschichte entwickelt sich auf Basis der Freundschaften, wie Chris mit seinem Leben zurechtkommt und natürlich gibt es auch noch ein Geheimnis. Man spekuliert, aber ja, letztlich passt es zum Buch.

Zu Chris muss man sagen, er hat mit Declan ein Comedy-Duo gebildet, was schon mal voraussetzt, dass er Humor besitzt und auch in dieser schwierigen Zeit, kommt der ein oder andere sarkastische Witz in seinen Gedanken vor, was die Geschichte ein wenig von der unendlichen Schwere befreit, letztlich bleibt bei mir jedoch ein schaler Geschmack, weil etwas fehlt. Vermutlich ist es Intensität, Gefühle, die einen Mitten ins Herz treffen und nicht mehr loslassen, so ist die Geschichte ein wenig nüchtern, schafft es nicht wirklich, nach dem Lesen im Gedächtnis zu bleiben.

Es wäre vermutlich mehr möglich gewesen, doch überhaupt sich an einen Thema wie Mutismus zu wagen, erhält von meiner Seite Respekt.

Daniel is different

Daniel is differnt
Titel: Daniel is differnt
Originaltitel: OCDaniel
Autor: Wesley King
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: Magellan Verlag
Format: Hardcover, 304 Seiten
ISBN: 978-3734847103


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Der 13-jährige Daniel wäre so gerne normal, doch er kämpft täglich gegen Zaps, so zumindest nennt er die kurzen Aussetzer, wenn er seinen Zwangshandlungen nicht nachgeht oder sie nicht absolut perfekt macht.  Zahlen unterteilt er in gut und schlecht, wobei es nahezu nicht schafft, die schlechten auch nur aufzuschreiben. Ebenso ist sein „Schlafensprogramm“ aufs Schärfste durchstrukturiert. Die Schritte bis zum Bad. Die Anzahl wie oft er sich mit der Zahnbürste putzen muss. Das Gefühl, das Licht an/auszuknipsen, bis es sich richtig anfühlt. Es können schon einmal Stunden vergehen, bis er wirklich schlafen kann.

All diese Dinge versucht er vor der Öffentlichkeit zu verstecken, weil er selbst den Unsinn der Handlungen versteht, sie allerdings trotzdem nicht unterlassen kann.
Sein bester Freund Max nimmt seine Eigenarten hin, obwohl auch vor ihm Daniel das Ausmaß versteckt und dann ist da noch Raya, Daniels heimlicher Schwarm, die ihn endlich auch wahrzunehmen scheint, doch ausgerechnet auch Psycho-Sara, wie sie alle nennen, sucht den Kontakt zu ihm.
Es wird für ihn immer schwerer ein Geheimnis zu wahren und die Angst bleibt, als völlig verrückt hingestellt zu werden.

Sein Verhalten ist nicht normal, dass weiß Daniel, mit seinen Eigenheiten fühlt er sich alleine und denkt, der Einzige zu sein, der darunter leidet. Zwangsstörungen, das Wort kennt er, legt es jedoch nicht auf seine Situation, nur der Leser selbst entdeckt bald, dass er unter Zwangshandlungen und Zwangsgedanken leidet.
Psychische Erkrankungen sind immer noch mit einem Tabu behaftet und obwohl der Junge eine liebevolle Familie hat, vertraut er sich ihnen nicht an. Der Vater hat die Wunschvorstellung, dass er Football genauso liebt, wie er und drängt ihn deshalb ins Schulteam – dort verbringt Daniel ist meiste Zeit auf der Ersatzbank, worüber er auch sehr glücklich ist, hasst er es doch zu spielen. Dieser Druck macht es ihm schwer, seinen Vater offen und ehrlich gegenüber zu sein. Daniels Mutter findet Platz im Buch, aber obwohl man einiges über die Familie erfährt bleibt sie doch am Rand. Was man nur langsam mitbekommt, sie ahnen etwas, sie sehen ihren Sohn und merken, dass er Probleme hat, fragen nach, sind aber froh, wenn er sagt, alles sei in Ordnung, weil auch sie nicht wirklich wissen, wie mit der Situation umgehen.
Dieses Verhalten fand ich gut umgesetzt, weil es oftmals ja auch so ist, die Eltern sehen, dass ihr Kind Probleme hat, können sie aber selbst nicht benennen und wissen nicht wirklich, was tun.

In der Schule ist Daniel ein typischer Außenseiter, allerdings hat er seinen Freund Max, der ziemlich beliebt ist, woraufhin ihn alle irgendwie akzeptieren, zwar nicht wirklich beachten, aber doch in Ruhe lassen.
Als Raya auf den Plan trat, hatte ich ein wenig die Befürchtung, eine Liebesgeschichte würde sich einschleichen, die den Blick von dem eigenen Thema ablenkt. Natürlich kommen die großen Gefühle vor, so ist die Jugend nun mal, aber die Zwangsstörung behält ihren wichtigen Standpunkt.

Und dann gibt es ja auch noch Psycho-Sara, sie hat eine eigene Betreuungslehrerin, spricht nicht und rastet manchmal aus. Niemand, mit dem man unbedingt Zeit verbringen möchte, doch genau diese Psycho-Sara beginnt Kontakt zu Daniel zu suchen, warum, man kann es nur erahnen, aber letztlich entwickelt es sich in ein Katz und Mausspiel, was dem Buch noch mal eine große Portion Spannung mitgibt.

Und am Ende, am Ende möchte man wissen, wie es mit Daniel weitergeht. Das Buch findet einen Abschluss, aber es gebe noch so viel, was man schreiben könnte, worüber man mehr wissen möchte. Ein wenig verloren blieb ich zurück, mit der Frage, wie Daniels Leben wohl weitergehen wird.

Empfehlenswerte Rezensionen zu dem Buch:
Nightingale-BlogSweetpigletBuchsichtenDunkelbunt

Neuerscheinungen April 2017

Im Vergleich zum März, kommt der April ein wenig ruhiger daher und trotzdem erscheinen natürlich Bücher, die neugierig machen. Der Königskinderverlag hat allerdings zwei Aprilneuerscheinungen vom Erscheinungstermin schon in den März geschubst, weil sie aber so interessant klingen, will ich sie nicht unterschlagen.

Und der April ist auch ein wahrer Buchmonat für Bernhard, der inhaliert förmlich die Unnützen Wissens Bücher und „Faktastisch“ scheint es zu wissen, die bringen nämlich gleich drei neue Exemplare auf den Markt.

Irgendein Buch habe ich sicherlich wieder vergessen, vielleicht könnt ihr mir ja noch eine Empfehlung geben, auf welches Buch ihr euch besonders freut.

Jugendbücher

übersicht

Mein Name ist nicht Freitag – Jon Walter (ET: 24. März 2017)
Der Himmel über Appleton House – S.E. Durrant (ET: 24. März 2017)

Belletristik

übersicht

Fuchsteufelsstill – Niah Finnik (ET: 07.04.2017)
Lily und der Oktopus – Steven Rowley (ET: 17.04.2017)
Ich gehe wie ein Haus in Flammen – Antonio Lobo Antunes (ET: 25.04.2017)

Erfahrung/Sachbuch

übersicht

Das Stammeln der Wahrsagerin – Sarah Khan (ET: 10.04.2017)
An das Leid gewöhnt man sich nie – Pietro Bartolo, Lidia Tilotta (ET: 10.04.2017)
Wir hätten gewarnt sein können – Brendan Simms, Charlie Laderman (ET: 25.04.2017)

Unnützes Wissen

übersicht

Gleichzeitig schlucken und atmen ist unmöglich (ET: 10.04.2017)
Warum Pandas im Handstand pinkeln (ET: 24.04.2017)
Warum der Bart beim Sex schneller wächst (ET: 24.04.2017)

Hallo Leben, hörst du mich?

Hallo Leben, hörst du mich?
Titel: Hallo Leben, hörst du mich?
Originaltitel: See you in the Cosmos, Carl Sagan!
Autor: Jack Cheng
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: cbt Verlag
Format: Hardcover, 384 Seiten
ISBN: 978-3570164563


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Der 11-jährige Alex hat einen großen Traum: auf dem SHARF, einer Veranstaltung von Raketen-Nerds, möchte er seine selbstgebaute Rakete starten lassen, die seinen goldenen iPod ins All bringen soll, damit Außerirdische wissen, wie es auf der Erde zu läuft. Auf dem iPod hält der Junge nämlich alles fest, was er den Tag nämlich so erlebt.

Mit seiner Mutter, die manchmal „ruhige Tage“ hat, lebt er alleine, sein Bruder ist längst ausgezogen. An seinen Traum hält er trotzdem fest, weshalb er sich alleine auf den Weg zur Raketenveranstaltung macht. Auf dieser Reise, lernt er die unterschiedlichsten Menschen kennen, erfährt, was Familie ausmacht, was Freundschaft ist und viele andere Dinge, die er mit den Außerirdischen teilen möchte.

Als das Buch bei mir eingezogen ist, hatte ich schon die ein oder andere Rezension dazu gesehen. Der Oberton: langweilig und komischer Schreibstil. Meine Motivation das Buch nun rasch zu lesen, war dahin, trotzdem wollte ich mich selbst überzeugen, zumindest einmal ein paar Seiten lesen,weglegen hätte ich es dann immer noch können.

Es stimmt schon, der Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Alex schreibt sehr sachlich, aus der Beobachtungsposition, weil er die Dinge, meistens nacherzählt, um sie auf den iPod aufnehmen zu können, selten das er direkt in der Situation schon eine Aufnahme macht. Diese Art schafft ein wenig Distanz, zu den Gefühlen und auch zu den Personen, trotzdem, mich hatte die Geschichte.

Alex ist elf Jahre alt, sehr klug, was den Bereich Physik angeht, bei Raketen kann ihn niemand etwas vormachen und doch behält er eine kindliche Art an sich, dass er es einfach in mein Herz gefunden hat. Sein treuer Hund, Carl Sagan, spielt auch eine große Rolle in dem Buch. Allerdings finden auch die unterschiedlichen Menschen, die er auf seiner Reise trifft, Platz in dem Buch. Eigentlich sind es nur drei Menschen die er kennenlernt, doch diese beeinflussen sein Leben umso stärker.

Mit seinen elf Jahren ist Alex allerdings schon sehr erwachsen, nicht weil er es möchte, sondern weil er muss. Seine Mutter verbringt die Tage meist in einen Dämmerzustand, weshalb der Junge neben der Schule, auch noch den Haushalt über hat und sich um seine Mutter kümmert. Er beschwert sich nicht, hält seine Rolle für selbstverständlich. Sein Bruder weiß um die Situation zu Hause, zuerst war bei mir die Wut, dass er Alex alleine lässt, aber die Sache ist, auch für ihn ist es nicht leicht – er ist weggezogen, um Geld zu verdienen, damit er Miete und alle anfallenden Kosten für das Haus von seiner Mutter begleichen kann. Man liest heraus, die Geschichte mag sich zwar mit einem Raketenfestival starten, endet aber in so viel mehr.

Für mich war das Buch eine wunderbare Erfahrung, mit Höhen und Tiefen der Gefühle. Der Schreibstil ist Geschmackssache, aber für mich hat er zu der Geschichte gepasst, zu Alex und seinen Gedanken.

Empfehlenswerte Rezensionen findet ihr noch bei Lisa von „Buchmagie“ und Julia von „A world full of books“.