Die Dunkelste Stunde [Film]

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Titel: Die Dunkelste Stunde
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Anthony McCarten

Produktionsland: USA
Dauer: 126 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 6

Log-Line:

Als die Luftschlacht um England entbrennt und die deutsche Invasion droht, wenden sich das überrumpelte britische Volk, der skeptische König und sogar seine eigene Partei von Churchill ab. Wie soll es ihm in dieser prekären Situation seiner Karriere gelingen, das Land zu einen und den Lauf der Weltgeschichte zu ändern?

Meine Meinung:
Und weiter gehts mit unserer Oscar-Spezial-Runde!

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„Now this is not the end. It is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning.“- Winston Churchill

Für mich als kleiner Geschichts-Nerd war dieser Film natürlich ein Pflichttermin, vor allem, wenn er eine Nominierung für den besten Film erhält und Gary Oldman die Hauptrolle spielt. Tatsächlich habe ich ihn bei den ersten Film-Teaser nicht erkannt! Die Verwandlung ist ihm definitiv geglückt!

Hier wird bewust die Legende Churchill (zum Teil stark) vermenschlicht. Ein Mann mit Fehl und Tadel. Ein Politiker mit wildem Temperament, der mal einen Mitarbeiter anbrüllt, nur um kurze Zeit später sich für sein Benehmen reuig zu entschuldigen. Seine Stütze wird hier von seiner Frau (die wiederum wird verkörpert von Kristin Scott Thomas) würdevoll in Szene gesetzt. Churchill der Mensch – war hier wohl das Kredo.

So nett das auch gemeint war, so zäh durchzog sich diese Geschichte im Laufe der Handlung. Im gesamten Film hat Churchill hier nichts wirklich bedeutendes hervorgebracht, mal von einer flammenden Rede abgesehen – wobei ich auch hier ein paar rhetorische (und vielleicht auch literarische) Leckerbissen vermisst habe. Auch wenn der Film nur im 1. Monat nach der Ernennung des neuen Premiers (und von daher viele seiner Aktionen und Reden hier nicht dargestellt wurden / konnten), habe ich mir hier mehr emotionalen Zwiespalt erwartet.

Der Sinneswandel des Königs am Ende blieb in meinen Augen recht schleierhaft (zumal sich die beiden – anders als man es vielleicht bei „The King’s Speech“ gesehen hat –  nicht gut „riechen“ konnten). Die Zerissenheit Churchills wird hier zwar gezeigt, doch konnte ich im Nachhinein dies nur mit einem leichten Achselzucken erwidern.

Gary Oldman hat hier einen guten Churchill gespielt – das Skript aber keine überzeugende Geschichte erschaffen. Auch die Regie von Joe Wright („Wer ist Hanna?“) konnte nur hier und da einige Akzente setzen.

Fazit:
Ein nettes, geschichtliches Portrait eines Mannes, der von Anfang an den Nazis den Kampf angesagt hatte (einer von ganz wenigen, der das auch offen verkündet hat). Ein Mann mit einer begabten Zunge. Viele seiner Zitate haben es in die Geschichtsbücher geschafft. Das Zitat am Anfang meines Berichtes z.B. hielt er in seiner Rede, als die britische Afrika-Division den als unaufhaltbar geltenden Vorstoß Rommels in Afrika paroli bieten konnte und ihn sogar zum Rückzug gezwungen hat. Da verwundert es nicht, dass dieser Mann 1953 den Literaturnobelpreis bekommen hat.

Auch wenn der Film mich nicht vollends überzeugt hat, wünsche ich Gary Oldman für die Oscars alles Gute und hoffe, dass er dieses Mal den Goldjungen mit Nachhause nehmen darf! Wenn jemand für eine Rolle beinahe 400 Zigarren (an)geraucht hat und sich nach dem Dreh sogar medizinisch behandeln lassen musste, dürfte das auch nicht zu viel verlangt sein!

Mein Rating:
6/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_dunkelste_Stunde

http://www.imdb.com/title/tt4555426/

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri [Film]

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri.png
Titel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Regie: Martin McDonagh
Drehbuch: Martin McDonagh

Produktionsland: USA
Dauer: 116 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:

Nachdem im Mordfall ihrer Tochter Monate vergangen sind, ohne dass ein Schuldiger gefasst wurde, wagt Mildred Hayes (Oscar®-Preisträgerin Frances McDormand) einen mutigen Schritt. Sie bemalt drei an der Straße gelegene Außenflächen, die in die Stadt führen, mit kontroversen Sprüchen, die an William Willoughby (Oscar®-Nominierter Woody Harrelson), den ehrenwerten Polizeichef, gerichtet sind. Als sein stellvertretender Sheriff Dixon (Sam Rockwell), ein unreifes Muttersöhnchen mit Neigung zur Gewalt, sich einmischt, verschärft sich der Kampf zwischen Mildred und Ebbings Gesetzeshütern nur noch weiter.

Meine Meinung:
Bevor ich den Film bewerte, nur noch eine Kleinigkeit …

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Es ist wieder soweit! Die Oscars stehen vor der Türe und die Oscar-Anwärter warten nur darauf, angesehen zu werden! Hier nochmals die Nominierungen für den besten Film:

Call Me by Your Name
Die dunkelste Stunde
Dunkirk
Get Out
Lady Bird
Der seidene Faden
Shape of Water – Das Flüstern des Wassers
Die Verlegerin
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Wir werden versuchen, so viele von Filme wie möglich zu sehen und eine Kritik darüber zu schreiben.

Also … weiter mit Three Billboards Outside Ebbing, Missouri …

Dieser Film erinnert mich sehr an einen Coen-Film a lá „Burn After Reading“, nur das hier der Kern etwas ernster ist als bei einem Coen-Film. Auch wenn der Regisseur und Drehbuchautor noch nicht viele Filme realisiert hat (der Bekannteste dürfte „7 Psychos“ sein), versteht er sein Handwerk. Keine langgezogenen ersten Szenen im Namen der Exposition … es geht gleich zur Sache, als unsere Protagonistin die Straße entlang fährt und die verfallenen „Billboards“ entdeckt und man ihrern „ratternden“ Kopf sieht.

Die Charaktere sehen vielleicht auf den ersten Blick oberflächlich und stumpf aus, haben aber einen markanten und durchdachten Kern. Nichts ist so, wie es scheint. Der erste Eindruck SOLL hier trügen! Als Beispiel … Der Sheriff, welcher augenscheinlich zu Beginn sich einen Dreck um die Mutter der toten Tochter schert (wie alle Polizisten), erklärt der Mutter (und uns) später sachlich und ehrlich, warum der Mord NOCH nicht aufgeklärt werden konnte. Es gibt immer mehrere Perspektiven, so wie hier. Sind die Polizisten faul, dumm und komplett korrupt? Oder sind sie überfordert, machtlos und für solche Momente einfach nicht gewappnet? Ja, die Figuren haben wirklich viele Ecken und Kanten, hier wurde gekonnt auf ein Klischee verzichtet … oder zumindest sehr eindrucksvoll damit gespielt. Die Figur des Officer Dixon ist hier das Paradebeispiel durch den ganzen Film!

Die meist derben Sprüche hier sollten zwar einen Eindruck von Ehrlichkeit und Realismus dieser Charaktere verdeutlichen (vor allem der verbitterten und verzweifelten Mutter einer ermordeten Tochter, die vergewaltigt und verbrannt wurde), aber in meinen Augen (und Ohren) ist man hier etwas über das Ziel hinausgeschossen.

Alles ist miteinander verwoben, das Gesetz der Kausalität wird hier ganz besonders betont (auf jede Aktion folgt eine Reaktion).

Wobei … der Schluss an sich hat sich etwas gezogen – der Autor und Regiesseur konnte noch nicht abschließen, er musste noch was nachlegen, dann noch was – und doch war das Ende recht holprig.

Fazit:
Ein guter Film, wenn es um das Aufzeigen von Charakteren geht, die in kurzer Zeit viele Facetten bekommt und dadurch Tiefe gewinnt. Diese Figuren vergisst man nicht so schnell! Man muss nur aufpassen, weil dieser als Krimi-Thriller (neben Komödie?) gelistet wird, geht es letztlich nicht wirklich um das Aufklären eines Kriminalfalles. Sondern, wie man mit einer solchen Situation fertig wird, sowohl als Hinterbliebener als auch als Ermittler. Das alle unsere Aktionen Konsequenzen mit sich bringen und der erste Eindruck einer Person oft täuschen kann.

Viel Potential und Wille, wirklich gute Charaktere und Hintergrund-Message – aber am Ende bleibt man doch etwas leer und verlassen zurück, was man da eigentlich gesehen hat.

Mein Rating:
7
/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Three_Billboards_Outside_Ebbing,_Missouri

http://www.imdb.com/title/tt5027774/

Detroit [Film]

Superman, bearing his traditional red and blue costume, is shown flying towards the viewer, with the city Metropolis below. The film's title, production credits, rating and release date is written underneath.
Titel: Detroit
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal

Produktionsland: USA
Dauer: 144 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Drama über die Aufstände von Detroit im Jahr 1967. Auslöser der Detroiter Unruhen war eine am 23. Juli 1967 durchgeführte Polizeirazzia in einer Bar ohne Ausschankgenehmigung. Mit 43 Todesopfern, 1189 Verletzten und über 7000 Verhaftungen gingen die fünftägigen Detroiter Unruhen in die US-Geschichte ein.

Als zwei Tage nach Beginn der Rebellionen auf der Anlage eines Motels Pistolenschüsse gemeldet werden, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot an. Statt sachlich zu ermitteln, kommt es zu einer von Vorurteilen und Gewalt geprägten Razzia. Die anwesenden Motelgäste müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert und bringt schwerwiegende Folgen mit sich… ©ConstantinFilm

Meine Meinung:
Irgendwann im Sommer durchforste ich die Kinostarts für den Herbst und da fiel mir „Detroit“ ins Auge. Klang interessant, erst einmal Bernhard gefragt, ob er schon von dem Film gehört hat – hatte er nicht. Okay, normalerweise kennt er nahezu alle Filme, aber kann schon mal einer durchrutschen. Also fiel der Entschluss, dass wir ihn anschauen werden.

Filmstart 24.11.2017 – läuft in keinem Kino, naja, warten wir halt ein bisschen.
Zweite Dezemberwoche – läuft in einem einzigen Kino in Kärnten, um circa 22:40 Uhr – Film dauert 144 Minuten, sprich, man wäre so um halb zwei mit dem Film fertig. Ähmmmm … nein. Nennt mich alt, aber um halb zwei liege ich lieber im Bett.
Nachfrage in der großen Kinokette: „Komm Detroit bei euch?“
Antwort: „Keine Ahnung, kann sein.“

Im Zeitalter des Internets gibt es Mittel und Wege um einen Film zu sehen …

Und so waren nach den Film, folgende Fragen in meinem Kopf:
Wo ist die Werbung dazu? Wieso läuft er in keinem Kino, zu humanen Zeiten? Warum läuft er oftmals gar nicht? Und zum Teufel, warum gibt es dafür keine einzige Golden Globe Nominierung?!

Rassismus ist eines der aktuellsten Themen überhaupt, „Detroit“ schlägt in diese Kerbe, möchte vor Augen führen, was es bedeutet, Rassismus ausgesetzt zu sein und was tut die Filmwelt in Kärnten, bringt „Bad Moms 2“, „Daddy’s Home 2“, „Paddington 2“ und „Pitch Perfect 3“ – knuffelige oder witzige Unterhaltung, „Star Wars“ für die Aktion, aber kritische Themen? Nö, warum damit sich auseinandersetzen, wenn man es auch ignorieren kann. Und es ist nicht nur Kärnten, wenn man nicht gerade in Wien wohnt, wird es in Österreich schwer, den Film zu sehen.

1967. War sicherlich schlimm, was damals in Detroit passierte, aber es war 1967, könnte man sagen, heute ist die Welt nicht mehr so – Polizeigewalt, klar gibt es, aber doch 2017 nicht mehr aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit. Möchte man meinen, es gibt eine interessante Internetseite: https://mappingpoliceviolence.org/ die andere Werte zeigt:

 

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Schwarze werden drei mal öfters von der Polizei getötet, als Weiße – 30% der schwarzen Opfer waren unbewaffnet, verglichen mit 21% der weißen Opfer

Aber aber …. Schwarze sind halt einfach kriminaler ….. nope.

Statistik
Weniger als 1 von 3 Schwarzen die von der Polizei im Jahr 2014 erschossenen wurden, waren einer Straftat verdächtigt und vermeintlich bewaffnet

Zahlen, Zahlen …. diese Zahlen haben Gesicht, Geschichten und oft eines gemeinsam:
No officers have been charged with a crime for killing …. . (Kein Polizist wurde wegen Mordes an …. angeklagt). 

Und damit wäre bis jetzt noch nicht wirklich was zum Film gesagt – die ersten 20 Minuten dachte ich, einen Reinfall gelandet zu haben, weil es absolut nichtssagend war, was gezeigt wurde – eine viel zu lange Einleitung, die man sicherlich hätte kurzen können, aber man wird fürs Durchhalten belohnt.

Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, wurde durch Zeugenberichte aufgearbeitet, aber natürlich auch mit Eigeninterpretationen ausgeführt – es ist schwer als Außenstehender zu sagen, ob manche Szenen überspitzt dargestellt wurden, dass wird vermutlich nur ein Augenzeuge von damals entscheiden können, aber die Gewalt ist markerschütternd. Ich glaube, als hellhäutiger Mensch kann man es sich nicht mal annähernd vorstellen, wie es sein muss, aufgrund der Hautfarbe verurteilt zu werden. So surreal wirkte die Gewalt auf mich, so unsinnig.

In diesem Hotel waren auch zwei weiße Mädchen, sie haben mit den anderen Jugendlichen gefeiert – doch als die Polizei auftaucht, werden auch sie nicht von der Gewalt verschont, was einen noch deutlicher macht, wie die Spaltung funktioniert.
Hellhäutigen Menschen wird eingebläut, sich gar nicht erst mit dunkelhäutigen Personen abzugeben, weil daraufhin auch für sie „Konsequenzen“ anfallen.

Und ja, Detroit spielt im Jahr 1967, aber die Statistiken von oben zeigen, dass es genauso gut 2017 sein könnte, weil Rassismus heute noch besteht. Die Welt lernt, sicherlich, aber sie lernt wie eine Schnecke, unendlich langsam.

Anmerkung von Bernhard:
Yvonne hatte das große Bedürfnis, selbst eine Kritik zu dem Film zu schreiben, mit einem Thema, das ihr sehr am Herzen liegt. Und ja, die ersten (20) Minuten kann man getrost in die Tonne werfen – was auch der einhellige Tenor der Kritiker war. Und über die Präsenz in den Kinos bin ich ganz ihrer Meinung, vor allem, da mit Kathryn Bigelow sogar eine Regie-Oscar-Preisträgerin (für Hurt Locker) mit am Start ist!

Nachdem der Film (endlich) an Fahrt gewonnen hat, wurden die Charaktere gut in Szene gesetzt – sowohl die Opfer als auch die Täter. Die Spannung, wie auch die Grausamkeit steigt immer weiter, immer stärker. Innerlich kann man nur den Kopf schütteln, doch man kann die Augen davor auch nicht (mehr) verschließen.

Bigelow hat sicherlich Talent für sowas, auch wenn sie sich viel Kritik hat einstecken müssen –  bereits vor dem Dreh – auch von Seiten der Afroamerikaner. Warum ausgerechnet eine „weiße Frau“ einen solch ernsten, „schwarzen Film“ realisiert. Aber Bigelow ist hart im Nehmen (hat sogar eine Ehe mit James Cameron überstanden) und
gibt zu, selbst unsicher gewesen zu sein:
In einem Interview mit der New York Times meinte die Regisseurin, sie wäre zuerst selbst nicht ganz sicher gewesen, ob sie als Weiße die richtige Person sei, diese Geschichte zu erzählen. Aber das ständige Wiederkehren ähnlicher Ereignisse und die Hoffnung, dadurch zur Diskussion beizutragen, hätten sie bestärkt, diesen Film zu machen: „To do nothing was not an answer.” Quelle

Man Of Steel [Film]

Superman, bearing his traditional red and blue costume, is shown flying towards the viewer, with the city Metropolis below. The film's title, production credits, rating and release date is written underneath.
Titel: Man Of Steel
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David S. Goyer, Christopher Nolan (Story)

Produktionsland: USA
Dauer: 143 Minuten
Erscheinungsdatum: 2013
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Schon früh entdeckt Clark Kent, dass er über außergewöhnliche Kräfte verfügt, die ihn von allen anderen Menschen unterscheiden. Durch die liebevolle Unterstützung seiner Eltern meistert er alle Widrigkeiten, sogar die Highschool. Als junger Mann macht sich Clark schließlich auf die Reise nach seinem Ursprung und nach der Antwort auf die Frage: Warum bin ich hier?

Um die Welt vor der kompletten Zerstörung zu retten und um als Symbol der Hoffnung für die Menschheit zu gelten, muss sich Clark als wahrer Held offenbaren. Als Gegner des Superhelden treten in Man of Steel Überlebende vom Planeten Krypton auf: allen voran ihr Anführer, der verschlagene General Zod.

Meine Meinung:
Tatsächlich habe ich diesen Film noch gar nicht bewertet – nach der Justice League wird das selbstverständlich nachgeholt. Vielleicht gar nicht mal so schlecht, diesen Film nach den darauffolgenden DC-Filme Revue passieren zu lassen.

Anders als z.B. Justice League oder Batman v Superman, hat dieser Film eine solide Story und ein gutes Fundament, um eine gute Geschichte zu erzählen. Die Zeitsprünge (danke Nolan!) passen hier genauso wie in Batman Begins (der Sprung hat natürlich einen Grund). Nolan und Goyer haben eine gute Vorlage geschaffen, und Zack Snyder hat diesen Stoff solide umgesetzt.

Der Prolog (auf Krypton) ist visuell schön in Szene gesetzt worden – General Zod hat hier (endlich) mehr Tiefe bekommen. Er ist zwar der Böse, hat aber seine Gründe dafür. Etwas, was in den nächsten DC-Filme geradezu untergegangen ist.

Sehr schön fand ich z.B. die Szene, wo der junge Clark als Kind im Klassenzimmer ist und von den Eindrücken seiner Umwelt gerade zu überwältigt wird. Aus Furcht und in Panik flüchtet er in eine Kammer und verbarrikadiert sich dort. Nur dank des beherzten Einsatzes seiner Mutter Martha „öffnet“ er sich wieder ihr und der Welt. Alleine diese Szene spricht für sich selbst: was helfen schon Superkräfte, wenn niemand für einen da ist?

Der Film stich auch stillistisch hervor, mal sinkt er sanft und regungslos im Meer, während er von Walgesängen geweckt wird, mal machen er und seine Verwandten aus Krypton eine Stadt kurz und klein. Und hier hat sich Herr Snyder ordentlich austoben können – selten habe ich einen Film gesehen, der so schonungslos eine Stadt verwüstet hat, wie dieser hier!

Und last but not least – der tolle Soundtrack von Hans Zimmer! Meiner Meinungs sogar eines seiner besten Werke, die hier perfekt harmonieren. Beim Höhepunkt habe ich regelrecht eine Gänsehaut bekommen!

Fazit:
Vermutlich erst wenn man die Nachzügler Batman v Superman, Suicide Squad, Wonder Woman und Justice League gesehen hat, weiß man erst, wie gut DIESER Film eigentlich ist! Tolle Neuinterpretation (hier mal kein Kryptonit – bzw. etwas anders als sonst dargestellt). Gute Story, schöne und beeindruckende Bilder und ein toller Soundtrack. Die paar Logiklücken seien diesem Film auch verziehen. Und eine Lois Lane, die mal nicht SO arrogant daher kommt.

Mein Rating:
9/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Man_of_Steel_(Film)

http://www.imdb.com/title/tt0770828/

Justice League [Film]

Justice League film poster.jpg
Titel: Justice League
Regie: Zack Snyder (& Joss Whedon?)
Drehbuch: Chris Terrio & Joss Whedon

Produktionsland: USA
Dauer: 120 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Bruce Wayne (Ben Affleck) alias Batman hat wieder Vertrauen in die Menschheit – auch dank Superman (Henry Cavill), der im Kampf gegen das Monster Doomsday wahre Selbstlosigkeit bewies und sich opferte. Als sich das mächtige außerweltliche Wesen Steppenwolf (Ciarán Hinds) mit einer Armee Paradämonen anschickt, die Erde zu überfallen, wendet sich Batman an Diana Prince (Gal Gadot), besser bekannt unter dem Namen Wonder Woman, die gegen Doomsday eindrucksvoll zeigte, was sie kann. Gemeinsam rekrutieren sie ein Team von Superhelden, bestehend aus den Metamenschen, auf die die beiden bereits aufmerksam geworden sind: Aquaman (Jason Momoa), Cyborg (Ray Fisher) und The Flash (Ezra Miller) verbünden sich mit Batman und Wonder Woman, aber der Angriff auf die Erde scheint dennoch nicht mehr zu verhindern sein…

Meine Meinung:
Da ich habe bereits zum Vorgänger Batman v Superman und Wonder Woman etwas geschrieben habe, ist es naheliegend, auch hier etwas zu hinterlassen.

Der Film fängt augenscheinlich da an, wo BvS aufgehört hat – mit dem Tod Supermans. Ein reuiger Batman aka Bruce Wayne aka Ben Affleck ahnt Böses und trommelt einige Superfreaks zusammen, um ein Bollwerk gegen diese bösen Mächte zu forcieren – mit kräftiger Hilfe von Wonder Woman. Also beschäftigt sich der erste (große) Teil des Filmes damit, die Neuen zu finden und deren Geschichten zu entdecken – wenn auch diese nur sehr, sehr oberflächig zum Vorschein kommen (dafür sind doch die ganzen Filme vorgesehen – die noch kommen werden! [*hust* $$$ *hust*]).

Der draufgängerische, Wodka trinkende Aquaman, der sich heroisch posend, mit stählender Brust, der stürmischen Flut trotzt.

Der unbeholfene, tollpatschige und um ein peinliches Wort nicht verlegene Flash, der sich sofort und ohne Widerstände Batman anschließt. Seine „Witze“ wirken gerade zu erzwungen, als ob er sie gar nicht erst aussprechen will, aber dazu gezwungen wird.

Der sich zuerst versteckende, dann offen agierende Cyborg – der dank des raschen Eingriffes von Dr. Miles Bennet Dyson … oh pardon, ich meine natürlich seines Vaters Dr. Silas Stone noch die Kurve gekriegt hat, aber dafür danach mit mehr kybernetischen Ersatzteilen ausgestattet wird als ein Terminator (hach, welch herrliche Analogie!).

So viel mal zu den Helden, ein absoluter Tiefpunkt stellt sich hier aber durch den Widersacher des neuen Teams dar – Steppenwolf [allein schon der dämliche Name!]. Die „Möchtegern-Personifizierung“ des „Hermann-Hesse-Albtraums“ ist hier komplett hirn- und bedeutungslos in Szene gesetzt worden, dass ich wahrlich nur den Kopf schütteln konnte. Bitte DC, hier gab es doch wesentlich bessere Alternativen als einen stumpfsinnigen Weltenzerstörer (z.B Trigon!).

Die kleine Geschichtsstunde davor, wie die Amazonen, Aquarianner und Menschen, sogar mit Hilfe der Götter (!) (Herr der Ringe lässt grüßen) schon einmal diesen Ultra-Herrscher paroli geboten haben, war ganz nett und erinnerte mich an den Wonder Woman Film. Jetzt versucht dieser „Wolf“ es schon wieder – warum das aber jetzt 5.000 Jahre gedauert hat, kann keiner wirklich erklären. Die Ausrede, weil Superman auf Erden wanderte greift höchstens für die letzten 10 Jahre, davor hatte er freie Bahn.

Wie auch immer, jetzt ist er hier, das Team hat sich zusammengeschlossen und der Kampf beginnt (aber erst als sowohl die Amazonen-Armee als auch die paar Aquarianer ihr Fett wegbekommen haben). Wichtig bei solchen Comic-Ensemble-Filmen ist die gerechte Kräfteverteilung, ansonsten entsteht eine deutliche Schieflage – und die war hier deutlich erkenn- und sichtbar. Batman war schon sehr bemitleidenswert und Aquaman hat hauptsächlich was auf die Schnauze bekommen. Der Flash hat zwar ständig gequängelt und seine peinlichen Sprüche runtergeklopft – hat aber zumindest mehr zu tun bekommen. Erstaunlicherweise hat Wonder Woman hier die beste Figur abgegeben (mal von einigen Momenten abgesehen, als man zu sehr auf „ihren“ Film hingedeutet hat mit der unterschwellig-superschwelligen Andeutung: „guck dir den Wonder Woman Film an, wenn du ihn noch nicht gesehen hast. Und wenn du ihn schon gesehen hast, dann guck ihn dir noch mal an!“) Der etwas bockige Cyborg konnte sich später (nach seinem Sinneswandel) auch besser entfalten.

Der Endfight fühlte sich so unreal an, beinahe wie eine Trainings-Simulation. Der Showdown mit Steppenwolf war ein Witz. Vor allem, als zu Schluss der „Joker“ des Teams hinzugekommen ist, war die Sache klar. Der Steppenwolf hatte NULL CHANCE gegen diesen – ein schöner Weltenzerstörer. Und dann war auch bald mal Schluss.

Eine letzte Szene über die Geburtsstunde der Liga der Gerechten und die Postcredit Szene über die Flucht Lex Luthors, mit anschließendem Treffen des Auftragkillers „Deathstroke“ (für den nächsten Batman-Film).

Fazit:
Ich habe mir nicht viel erwartet, doch selbst dass wurde noch unterboten. Nach dem tollen „Man Of Steel“ und den beiden guten bis netten Ablegern, die man schauen konnte – gab es hier einen merklichen Rückschritt. Wieder einmal wird ein Bösewicht als stumpfsinniger Allesvernichter deklariert. Ein Film, wo nichts im Gedächtnis haften bleibt (anders als z.B. das Ende von Dr. Strange – super!). Der Film war jetzt keine Katastrophe á la Batman made by Joel Schumacher in den 90ern, er war ganz passabel – aber den Kampf gegen Marvel wird DC definitiv verlieren, wenn es so weitermacht!

PS: Und was sollte das mit dem Handy-Video von Superman am Anfang?!

Mein Rating:
6/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Justice_League_(Film)

http://www.imdb.com/title/tt0974015/

 

The Promise [Film]

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/e/ee/The_Promise_%282016_film%29.jpg
Titel: The Promise
Regie: Terry George
Drehbuch: Terry George, Robin Swicord

Produktionsland: USA
Dauer: 134 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:

Der armenische Medizinstudent Michael (Oscar Isaac) reist im Jahr 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs für sein Studium nach Konstantinopel. Dort lernt er den Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale) und dessen Geliebte, die Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon), kennen, die aus Paris in die Stadt am Bosporus gereist sind. Michael verliebt sich hoffnungslos in Ana, die so wie er armenische Wurzeln hat und seine Liebe schon bald erwidert. Doch die leidenschaftliche Liebesbeziehung der beiden gerät in Gefahr, als um sie herum der Krieg ausbricht und das vormals so lebendige und multikulturelle Konstantinopel im Chaos versinkt. Michael und Ana fliehen gemeinsam und müssen dabei angesichts des drohenden Genozids an den Armeniern nicht nur für ihre Liebe zueinander kämpfen, sondern auch ums nackte Überleben.

Meine Meinung:
Da mich die Thematik des Genozides der Armenier interessiert, und ich schon einige Dokus gesehen und Bücher gelesen habe, war dieser Film für mich ein absoluter Pflichttermin! Ich hatte aber so meine Zweifel, da so ein ernstes Thema mit einer improvisierten Liebesgeschichte „verwässert“ werden könnte. War dies auch der Fall?

Der Film fängt opulent mit prächten Bildern, kräftigen Farben und tollen Panoramafahrten an. Man wird in ein Paradies namens Konstantinopel eingeführt, wo Multi-Kulti alltäglich, die Menschen hyper-super-nett sind und Möglichkeiten schier unendlich erscheinen. Und der Bosporus, der Europa mit Asien verbindet, strahlt geradezu majestätisch hervor. Die besten Bedingungen um Medizin zu studieren und sich in eine wild-fremde Frau zu verlieben! Und plötzlich ist Krieg – und alles ist anders.

Ja, so wie ich es mir vorgestellt habe … die erste Hälfte plätschert etwas dahin und eine kitschige Liebesbeziehung wird uns präsentiert. Später konzentiert man sich doch an das 1. Verbrechen gegen die Menschlichkeit (wurde 1915 offiziel das erste Mal von der internationalen Gemeinschaft erwähnt).

Nachdem die Bilder anfangs noch so kräftig waren, werden sie später entschärft – zum Teil massiv entschärft! Aber trotz allem (und die kitschige Liebesgeschichte mal beiseite) beinhaltet der Film viele Indizien des Genozides – sei es das Rausschneiden der Föten aus den Bäuchen der Mütter (nur erwähnt) oder die unter den Armeniern legendäre Schlacht in dem Bergdorf Van (nur erwähnt). Die Intervention des Botschafters Morgenthau oder die Forderung der Osmanischen Regierung, nach den zahlreichen Toden der Armenier deren Versicherungsprämien kassieren zu wollen (!).

Ich finde, dass der Film einen wichtigen Status einnimmt, da der Genozid an den Armeniern, vor allem von türkischer Seite, gut und gern klein geredet oder gar geleugnet wird (selbst von der offiziellen türkischen Regierung). Die Umstände zu diesem Film sind beinahe brisanter als der Film selbst. Gleich bei seiner Premiere gab es tausende 1-Punkte-Bewertungen, die nachweislich von der türkischen Regierung gelenkt worden sind (und einige hunderte 10-Sterne-Bewertungen sind als Reaktion darauf aus Armenien gekommen).

Ich will jetzt aber nicht zu sehr politisch abdriften, da es hier doch vordergründig um den Film geht. Der Film versucht opulent und meisterlich zu wirken, doch schafft es das nur selten. Man kann diesen Film auch niemals mit einem Meisterwerk wie Stephen Spielbergs „Schindlers Liste“ vergleichen, obwohl der Regiesseur Terry George durchaus Potential hat. Sein bekanntester Film, „Hotel Rwanda“ aus dem Jahre 2004 ist ebenfalls ein Genozid-Film. Aber während er bei „Hotel Rwanda“ hartnäckiger bei seiner Linie geblieben ist und dadurch der Film äußerst solide geblieben ist, war er hier regelrecht hin und her gerissen – zu umfangreich war wohl dieser Aspekt der menschlichen Schande.

Fazit:
Allein der Versuch, darüber einen Hollywood-Film zu machen darf hier nicht untergehen – den aus finanzieller Sicht war dieser Film ein totaler Flop. Für die Produzenten aber kein Beinbruch, da dieser Film beinahe komplett vom verstorbenen armenischen Milliardär Kirk Kerkorian finanziert wurde.

Aber um fair zu bleiben, auch wenn der Film jetzt kein Knaller war, war er doch ansehnlich beim Betrachten. Die schauspielerische Leistung war solide, auch wenn die Charaktere nicht so wirklich in unsere Herzen eindringen konnten. Die Szenenbilder und die Kulisse wussten zu überzeugen.

Wer sich aber intensiver und umfangreicher mit diesem Genozid beschäftigen will, darf ich einmal die deutsche Dokumentation „Aghet – ein Völkermord“ empfehlen. Hier kommen viele virtuelle Zeitzeugen zu Wort und beschrieben recht detailliert über diesen Völkermord;

und einmal das Buch „Völkermord an den Armeniern“ von Michael Hesemann, welches mit neuesten Dokumenten aus dem Vatikan den Genozid auch beweisen und bezeugen kann. Hier wird u.a. auch erörtert, dass es bereits vor dem 1. Weltkrieg größere Pogome gegen die Armenier im Osmanischen Reich stattgefunden haben. Auch, dass die deutsche Regierung nicht ganz unschuldig an diesem Völkermord war. Denn die Osmanen waren Verbündete der Deutschen und der Österreicher im 1. WK.

Dieser Genozid diente teilweise als Blaupause für den jüdischen Holocaust in Europa. Denn Hitler soll einmal zu seinem Stab gesagt haben: „… wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Mein Rating:
7 (+1 für die Dringlichkeit des Themas)
/10

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Promise_(2016_film) [ENG]

http://www.imdb.com/title/tt4776998/

Dunkirk [Film]

Dunkirk Film poster.jpg
Titel: Dunkirk
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Chrisopher Nolan

Produktionsland: USA
Dauer: 107 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:

Zu Beginn von DUNKIRK sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen vom Feind eingeschlossen. Am Strand von Dünkirchen haben sie sich bis ans Meer zurückgezogen – und befinden sich in einer ausweglosen Situation, denn die deutsche Wehrmacht schließt die Schlinge um sie immer enger … und enger.

Meine Meinung:
Knapp drei Jahre ist es her, als wir die Premiere zu „Interstellar“ gesehen haben … wie die Zeit verfliegt – und doch, war ich wieder so aufgeregt wie ein kleiner Junge zu Weihnachten. Das Datum rückte immer näher … da war noch die Aufregung groß, als das nächste Nolan-Projekt endlich angekündigt wurde … und heute ist es endlich soweit (in Österreich). Und die bange Frage (an mich selbst) – ist das endlich wieder der Ultra-Nolan-Film, auf den ich schon so lange warte(n muss)?

Eines vorweg; als ich erfahren habe, dass das neue Projekt sich auf die Evakuierung von Dünkirchen beziehen soll, war ich doch sehr skeptisch. Ich war bereits mit dieser Thematik (dank zahlreicher WW2-Dokus – die ich als Geschichts-Nerd nur zu gerne verzehre) vertraut. In unseren Breiten eher als die Schmach von Dünkirchen bekannt, nachdem die Alliierten (allen voran das britische Militär) nach der missglückten Landung in Frankreich von den Deutschen eingekesselt wurden und aus Dünkirchen fliehen mussten. Zahlreiche Ausrüstungsgegenstände (Fahrzeuge, Tanks, Munition etc.) blieben (für die Deutschen) zurück.

Nolan (und die Briten allgemein) haben aber eine tiefere, heroischere Ansicht zu dieser Evakuierung. Und man merkt, dass Herr Nolan versucht seine britische Sicht uns zu erzählen; die ich gestehen muss, so noch nicht gehört zu haben … z.B. das die britischen Zivilisten großen Anteil an der Rettung der knapp 300.000 Soldaten hatten.

So, aber jetzt zum Film:
Der Film kommt nur mit wenigen Dialogen, dafür mit viel Spannung und entsetzten Gesichtsausdrücken aus. (Ich persönlich hätte die paar Zeilen gleich am Anfang, die auf schwarzen Hintergrund geschrieben wird, verzichtet – da dies sowieso durch die „Luftpost“ der Deutschen erklärt wird). Was gleich auffällt: der Sound ist laut … wirklich sehr laut! Wenn der Flieger kommt … so ein Getöse hab ich im Kino noch nicht erlebt! Und dann kommt noch die Musik von Hans Zimmer (mit Nolans Taschenuhr als „Ticker“) dazu! Ich weiß zwar, was Herr Nolan damit bezwecken wollte … aber … ich glaube dieses Trivia auf der IMDb trifft es am besten:

„According to actor-director Kenneth Branagh, roughly 30 veteran Dunkirk survivors, who were in their mid nineties, attended the premiere in London. When asked about the film, they felt that it accurately captured the event but that the soundtrack was louder than the actual bombardment, a comment that greatly amused director Christopher Nolan.“

Auch werden gleich zu Beginn die 3 Erzählebenen aufgelistet:
* Strand (1 Woche)
* Boot (1 Tag)
* Flugzeug (1 Stunde)

Und ich musste Schmunzeln den ich wusste, Mr. Nolan konnte es einfach nicht lassen und jonglierte (wieder) mit den Zeitebenen, wie bei fast allen Filmen von ihm. Auch war ich gespannt und wartete, bis diese sich in einander verzahnten – sich miteinander kollidierten. Es erzeugt (zumindest bei mir) Spannung, aber auch viel Verwirrung – da ich nicht sofort wusste, welches Boot jetzt versenkt wurde, welche Leute da um ihr Leben schwammen. Wenn das beabsichtigt war – dann … meine Verehrung, Herr Nolan.

Auch werden tolle Bilder geboten, mit britischen Soldaten, die von einem Bombardement zur nächsten gescheucht werden, ohne wirklich durchatmen zu können. (Wobei ich ehrlich gesagt parallelerweise an „The Walking Dead“ dachten musste: Sicherheit –> Zombies / Angriff –> wieder Sicherheit –> wieder Zombies / Angriff).

Der Film erzeugt wirklich hochklassigen Thrill und diese wirken trotz Blut- und Kriegsamputationsarmut brutal und erbarmungslos. (Wer hier auf Soldaten mit einem Loch im Gesicht a lá „James Ryan“ erwartet wird vielleicht enttäuscht werden.)

So viel zum Positiven, doch auch hier habe ich den fulminanten Wow-Effekt NICHT gefühlt! Die Charaktere (auch wenn bewusst nicht so heroisch) wirkten größtenteils etwas stumpf. Es fällt doch schwer, sich mit ihnen zu solidarisieren. Zwecks Charakter waren die vom Boot noch am besten. Die Trostlosigkeit am Strand war meines Erachtens nach noch nicht ausgereift – klar, sie wurden mehrmals angegriffen, Schiffe sind untergegangen – aber die Tristheit auf diesen Gott verdammten Küstenstreifen verharren zu müssen, mit der Heimat schon in Blickweite … hierfür diente hauptsächlich der Typ, der seine Sachen ablegt und gedankenlos ins Meer marschiert. Ich persönlich hätte gedacht, die Typen am Strand wären zwei, max. drei Tage hier.

Als die Zeitlinien anfingen, sich miteinander zu verknüpfen, hatte ich so ein wärmendes Gefühl in mir, wiel sie gut ineinander passten und spürte einen großen Showdown. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mich entspannt zurücklehnen und dem Film seinen Lauf lassen. Leider verpuffte dieses Gefühl recht bald wieder. Somit waren die 3 Ebenen auf einer „Wellenlänge“ aber die Spannung wurde merklich schwächer (der große Showdown kam in kleinen Wellen).

Fazit:
Die Kritiker (wie auch viele Kinogänger) feiern diesen Film in höchsten Tönen. Ja, dieser Film ist gut … aber bei Leibe nicht so gut wie Memento, Batman Beginns, The Dark Knight, The Prestige oder Inception … pendelt sich eher zwischen The Dark Knight Rises, Insomnia und Interstellar ein.

Sehr schön das Sir Michael Caine doch noch einen „Mini-Auftritt“ in diesem Film hatte (als Funker auf der anderen Leitung im Flugzeug), auch Nolans Onkel „John Nolan“ am Ende des Films.

Aber wenn ich diesen Film ganz nüchtern mit Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ vergleichen müsste, würde ich doch ohne größeres Überlegen James Ryan nehmen.

Es ist natürlich schön zu sehen, dass Christopher Nolan so viel Anerkennung (auch seitens der Kritiker) bekommt und als potentieller Oscar-Kandidat gehandelt wird – vergönnen würde ich es ihm auf jeden Fall (aber eher für seine früheren Werke).

Mein Rating:
8/10

https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkirk_(2017)

http://www.imdb.com/title/tt5013056/

The Dark Knight Rises [Film]

 File:Dark knight rises poster.jpg
Titel: The Dark Knight Rises
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan

Produktionsland: USA
Dauer: 165 Minuten
Erscheinungsdatum: 2012
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:

Acht Jahre ist es her, dass Batman (Christian Bale) die Schuld an Harvey Dents (Aaron Eckhart) Tod auf sich genommen hat und verschwunden ist. Der einstige Held ist nicht mehr da, der Dunkle Ritter wurde zum Flüchtling. Doch der Plan von Bruce Wayne (Christian Bale) und Commissioner Gordon (Gary Oldman) ging auf. Die Kriminalität in Gotham ging dank der neuen Gesetze Dents und der Weißen-Ritter-Aura des Staatsanwalts zurück, das organisierte Verbrechen hat keinen Platz mehr. Doch das alles ändert sich, als der maskierte Superschurke Bane (Tom Hardy) seine Fühler nach Gotham streckt.

Meine Meinung:
Bald ist es wieder soweit, Christopher Nolans neuester Streich „Dunkirk“ kommt am 27.07.2017 in die Kinos – eine gute Gelegenheit die Christopher Nolan Rubrik zu füllen.

Ich weiß noch damals, im Jahre 2012, als ich mit meinem Kumpel zur Premiere gingen und ich vor lauter Aufregung kaum sitzen konnte (das Massaker von Colorado mal Beiseite). Konnte dieser Teil das halten, was „The Dark Knight“ versprochen hat?

Also, der Film fängt zwar mit der Flugzeug-Entführung impulsiv an, aber die restliche 1. Hälfte ist recht ruhig und bleibt bedächtig. Das ändert sich erst, als die „Revolution“ beginnt und die Handlung sich in einen Kriegsfilm wandelt. Während man „The Dark Knight“ auch ohne den 1. Teil hätte schauen können, tut man sich hier schon schwer, der Handlung zu folgen.

Der Film versprüht nicht den Charme und den Einfallsreichtum des ersten Teiles, sowie den Thrill und Genialität des 2. Teils. Die Dialoge wirken hier zum Teil sehr gezwungen und so manche Szene wirken sehr abendteuerlich (wie Bruce Wayne wieder nach Gotham kommt?!).

Als damals im Kino der Abspann erschien war da dieser fahle Geschmack in meinem Mund. Meine Erwartung war so unglaublich groß, dass sie eigentlich nicht erfüllt werden konnte. Vom Film blieb auch nicht viel hängen. Die Art und Weise, wie Nolan den Charakter Bane gestaltet hat (auch mit dem Zusammenhang der „Reich der Schatten“) war gut, aber schlussendlich zu wenig. Der junge Polizist Blake war … wie sagt man so schön … „stehts bemüht“, hatte viele Akzente, doch auch er blieb schlussendlich blass.

Neben den Dialogen, waren auch viele Wendungen sehr gezwungen – Alfreds Geschichte seines Urlaubs, seine „Kündigung“, Det. Blakes Offenbarung an Bruce Wayne (das er Batman ist). Bekannte Charaktere wirkten etwas verloren in diesem Teil, während ihre neueren Kollegen (z.B. Selina Kyle) gar nicht erst richtig zur Geltung kommen.

Fazit:
Ein guter Superhelden-Film, aber meines Erachtens der schlechteste Teil der Dark-Knight-Trilogie. Für Nolan war es natürlich kein leichtes Unterfangen, nach 2 so tollen Batman-Filmen noch einen aus dem Boden zu stampfen. Aber dieser blieb, obwohl ambitioniert und anders konzipiert als die Vorgänger, zahnlos und unspektakulär in meiner Erinnerung  verwahrt.

Mein Rating:
8
/10

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Dark_Knight_Rises

http://www.imdb.com/title/tt1345836/

PS: zur kleinen Belustigung und teilweise Aufzählungen der Schwächen im Film …
https://www.youtube.com/watch?v=j2tE-BCwZtw

Wonder Woman [Film]

BildergebnisTitel: Wonder Woman
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Jason Fuchs, William M. Marston

Produktionsland: USA
Dauer: 141 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von einem notgelandeten amerikanischen Piloten erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Darauf verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial… und ihre wahre Bestimmtung.

Meine Meinung:
Im 5. Anlauf hat es endlich geklappt; Wonder Woman ist an den Kinos angelangt! Seit 1996 haben sie es versucht, anfangs war sogar Sandra Bullock im Gespräch als Amazonen-Prinzessin!

Aber dank der DC-Extended-Expertise, die 2013 mit „Man Of Steel“ begann, ist es jetzt soweit. Und passenderweise führte (was trotz der Moderne ganz ungewöhnlich ist) eine Frau Regie. Patty Jenkins hat z.B. im Jahr 2003 „Monster“ gedreht, wo die Schauspielerin Charlize Theron 2004 den Oscar bekam. Nach dem Motto: „Frauen an die Macht!“ Aber konnte der Film auch überzeugen?

Ich war zwiegespalten; einerseits wollte ich gerne den Film sehen (auch über die Art und Weise, wie dieser gestaltet wird), aber andererseits war ich doch sehr voreingenommen von ihrer vorherigen Performance in Batman v Superman – Dawn Of Justice. Ich fand sie überheblich, arrogant und extrem aufgesetzt. Mrs. Jenkins hat hier vieles besser gemacht als Zack Snyder, der Charakter wirkt hier viel echter.

Ich (als DC-Fan) fand die Einführung recht interessant und die Überschneidungen der (griechischen) Antike passend. Nach der Philosophie-Stunde kam die Aktion in Form eines Flugzeugabsturzes von Cpt. Kirk … ach ich meine natürlich von Chris Pine. Und auch der „große Krieg“ kam in die Welten der Amazonen. Etwas überrascht war ich aber, als ich erfuhr, dass es um die Zeit des ERSTEN Weltkrieges handelt. Aber warum auch nicht. Nach der Abwehr der „Deutschen Welle“ ging auch schon das Abenteuer los; Wonder Woman und der Bruchpilot (sein Name der Vollständigkeit halber: Steve Trevor) reisen mit einem kleinen Bötchen nach London – und erreichen es auch bald.

Umschiffen wir mal die Logiklöcher und kommen zum weiteren Verlauf. Gewisse Pointen haben wahrlich einen Lacher in mir hervorgekitzelt, viele andere aber versanken im blauen Nichts. Aber ich muss zugeben, der lustigste Charakter war die Sekretärin beim Geheimdienst. Welch ein famoser Spaß!

Und die Action? Ja sie ist da, wenn sie auch wie ein Metronom hin und her schwankt und zumeist bei Stellen auftritt, wo es nicht sonderlich viel Sinn macht. Die Beziehung zwischen der Prinzessin und des Piloten/Soldaten/Geheimagenten war für mich zu gezwungen, als MÜSSTEN die beiden zusammen kommen – das hat man deutlich gespürt. Die anderen Charaktere der „Infiltrations-Einheit“ … naja sagen wir, da blieb nicht viel hängen.

Auch wenn der Endkampf sehr pompös insziniert wurde, merkte man doch die Überlänge dieses Filmes. Beim „Einsatz“ an der Front hatte man das Gefühl, dass die Charaktere sich durch die Welt stolpern und nicht so recht wissen, was sie da eigentlich machen!?

Die Auflösung war nett … aber da wäre wirklich mehr möglich gewesen. Allein die Thematik des Krieges, ihrer Ursachen, ihrer Wirkung. Sie war ja genauso involviert wie die Bösen (z.B. hat deutschen Müttern ihre Söhne geraubt). Wollte Sie nicht in die Schlacht ziehen? Wollte sie nicht kämpfen? Hier hätte man gute Parallelen setzen können – leider vergebens. Darüber hinaus, als dann der Bösewicht das zeitliche gesegnet hat, was war dann mit den anderen Kriegen? Hat sie was dagegen getan? Hat sie es zumindest versucht? Von der Zeitlinie her entstand ein rießiges Loch zwischen „Wonder Woman“ und „Batman v Superman“. Viele Fragen blieben unbeantwortet.

Fazit:
Trotzdem … ein netter Superhelden-Film, mit guten Szenen und netten Ideen. Auch der Umstand, dass jetzt endlich wieder einmal eine Frau das Ruder übernommen hat (in doppelter Hinsicht) kann ich nur begrüßen. Ein guter Film für Zwischendurch, der absolute Burner wurde es aber nicht.

Mein Rating:
7/10

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wonder_Woman_(2017)

http://www.imdb.com/title/tt0451279/

Tote Mädchen lügen nicht [Serie]

Bildergebnis für tote mädchen lügen nicht

Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Idee: Brian Yorkey
Buchvorlage: Jay Asher
Produktionsland: USA
Staffeln:  1 (zweite Staffel ist geplant)
Jahr: 2017

Inhalt:
Zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker erhält der High-School-Schüler Clay Jensen ein Päckchen. In diesem findet er sieben Audiokassetten vor, auf denen Hannah 13 Gründe für ihren Selbstmord nennt und Personen aus ihrem Umfeld die Schuld dafür gibt. Jede Person ist daher für (mindestens) einen der Gründe verantwortlich. Clay ist einer von ihnen. Während er die Kassetten hört, kommt er den dunklen Geheimnissen von Hannah und vielen anderen Mitschülern auf die Spur.

Meine Meinung:
2009 – das Buch „Tote Mädchen lügen nicht“ erschien und ich habe es natürlich sofort gelesen, weil mich das Thema Selbstmord lange schon beschäftigte.
Ich weiß noch, das Buch war ganz gut, allerdings hat mir das Hörbuch noch besser gefallen, weil man hier ein wenig das Gefühl hatte, wirklich selbst die Kassetten anzuhören – ich muss sagen, ja ich mochte die Geschichte sehr.

2017 – weil man irgendwie zur Zeit alles verfilmt, kommt die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Netflix und bei mir fällt gleich die Entscheidung – muss ich gucken!
Man sagt oft, das Buch ist immer besser als die Verfilmung, mit diesem Gedanken ging ich an die Serie, meine Erwartungen waren klein, aber vorhanden.

Jetzt sitze ich hier und weiß, dass ich etwas schreiben muss, soviel ist mir klar, aber was ich schreiben soll, welche Worte verwenden, keine Ahnung, ich versuch es einfach irgendwie.

Die Serie hat für viel Wirbel gesorgt. Sie könnte Menschen auf falsche Gedanken bringen, besonders Jugendliche seien gefährdet.
Psychologen in den Vereinigten Staaten warnten Jugendliche und Erwachsene davor, sich die Serie anzusehen, da diese psychische Probleme hervorrufen oder gar verstärken könne. Auch wurde davor gewarnt, dass die Serie zu Trittbretttaten führen könnte.Ebenso forderten sie Netflix dazu auf, die Ausstrahlung der Serie zu beenden. Paris Jackson unterstützte die Kritik der Psychologen und vertritt die Meinung, dass die Serie bei psychisch vorbelasteten Menschen eine Verschlechterung des seelischen Gemütszustandes hervorrufen könne. 
….
An mehreren kanadischen Schulen wurde die Fernsehserie verboten; in Neuseeland dürfen Minderjährige, nach einem Beschluss der nationalen Behörden, die Serie nur im Beisein eines Erziehungsberechtigten sehen. (Quelle: Wikipedia)

Und ich sitz so da und denk mir: 2009 ist das Buch erschienen, da hat es irgendwie keinen interessiert, weil Leser sich scheinbar nicht umbringen und Seriengucker schon. Gut, wie auch immer.

Ich hab die Serie angeschaut, hab mich durch Kritiken gelesen – positive und negative und bleibe bei meinen Fazit, dass die Geschichte gut und wichtig ist.

Nicht alles was in der Serie gezeigt hat, erhält meinen Zuspruch. Bei einigen der 13 Gründen habe ich mir wirklich gedacht, ob Hannah es wirklich ernst meint, den Personen ihren Selbstmord anzuhängen, bei anderen Gründen wollte ich einfach nur, dass die Personen zur Verantwortung gezogen werden. Es war durchmischt und so war es wohl auch vor Hannah. Einige Gründe erscheinen auf den ersten Blick lächerlich, aber sie türmen sich auf – bis der Turm so hoch ist, dass er einfach umfällt.

Wie gesagt, nicht alle Gründe die Hannah anführt, fand ich gerechtfertigt, nicht jeder hatte in meinen Augen verdient, eine Kassette zu erhalten, aber ich verstehe sie letztlich.
Ist man an dem Punkt angelangt, wo Suizid als einzig möglicher Ausweg erscheint, reagiert jeder anders. Manche gehen in Stille, lassen keine Nachricht zurück und andere, wie Hannah, schreiben ihre Art von Abschiedsbrief.
Ein Selbstmord entzieht sich jeglicher Logik.

Wo ich mir allerdings sicher bin: ein Verbot bringt gar nichts. Wir leben im Zeitalter des Internets, dort findet man alles und wenn wer die Serie schauen möchte, dann findet er Wege.  Hätten meine Eltern gesagt: „Kind, du schaust die Serie nicht alleine, so steht es im Gesetz und daran hast du dich zu halten.“, hätte ich genickt, wäre in mein Zimmer marschiert und hätte mich direkt an den Computer gesetzt – hätte die Serie halt heimlich geschaut. Genau hier sehe ich auch das Problem, wird es heimlich geschaut, erzählt man es natürlich keinen Erwachsenen, wenn man versteht, nachfühlen kann, was Hannah durchmacht. Man bleibt alleine, mit seinen Gedanken.

Wer will, der soll bitte die Serie schauen, wichtig ist eigentlich nur, dass man darüber spricht, dass nicht der erhobene Zeigefinger geschwungen wird, weil man sowas schlimmes ja nicht schauen darf, sondern das man sagt, okay, du hast es geschaut, lass uns darüber reden und wenn du nicht jetzt darüber reden willst, sollst du einfach nur wissen – ich bin für dich da, wenn irgendwas ist, komm zu mir.

„Tote Mädchen lügen nicht“ ist extrem erfolgreich und anstelle das man die Chance nutzt, darüber zu sprechen, kommen solche Sachen – Die australische Gesundheitsorganisation Headspace kritisierte, dass die Serie gefährliche Inhalte mit dem Thema Suizid verbinde. Managerin Kristen Douglas wies darauf hin, dass Anrufe und E-Mails bei Beratungsstellen, die direkt auf die Serie bezogen waren, zugenommen haben. [Quelle Wikipedia]

What?! Klar werden ein paar Vögel dabei sein, die einfach aus Spaß dort anrufen, irgendeinen Murks erzählen, aber was ist mit denen, die den Mut gefasst haben, offen zu sprechen, anstatt ihre Gefühle verschlossen zu halten, sollen die bitte die Anrufe bleiben lassen, weil das ja auch irgendwie niemand will.

Alle 40 Sekunden nimmt sich irgendwo auf der Welt jemand das Leben, auf jeden vollendeten Suizid kommen circa 20 Versuche.
Diese Zahlen sind seit Jahren beständig und trotzdem ändert es nichts daran, dass man über Suizid nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Jetzt kommt eine Serie, packt das Thema beim Schopf und wieder wird versucht, das Thema unter den Teppich zu kehren.

Hannah Baker ist eine fiktive Person, aber es gibt so unendliche viele Hannah Bakers in der Welt, sie heißen zum Beispiel: Cassidy TrevanRehtaeh ParsonsTim RibberinkHannah SmithBrandy VelaDaniel FitzpatrickJonathan Paul Gettle, Kristina Calco, Teddy Molina, Amanda ToddKaren WardJadin BellGabriel Taye, Alyssa MorganMatthew Burdette, Steven UrryPhoebe PrinceAlyssia Sosa, Kenneth SuttnerGeorge Cheese, Julia DerbyshireJulio RodriguezFelix AlexanderTharukshan Selvan, Caleb HershiserBethany Thompson, Vylit Giessen, Joel Horn …. und diese Liste lässt sich so unendlich lange fortführen.

Hört zu. Seid füreinander da.
Und lasst uns nicht eine Serie verurteilen, nur weil sie ein Thema behandelt, welches wir lieber ausblenden würden, dadurch wird es nicht weniger real.

  • Telefonseelsorge Deutschland: 0800-1110111 (evangelisch)
    0800-1110222 (katholisch)
  • Telefonseelsorge in Österreich: 142
  • Die Dargebotene Hand in der Schweiz: 143