54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe

54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
Titel:54 Minuten: Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
Originaltitel This Is Where It Ends
Autor: Marieke Nijkamp
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: S.Fischer Verlag
Format: Broschiert, 336 Seiten
ISBN:978-3841440167

 

Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

 

54 Minuten, die alles zerstören

Es passiert nicht viel im verschlafenen Opportunity, Alabama. Wie immer hält die Direktorin in der Aula der Highschool ihre Begrüßungsrede zum neuen Schulhalbjahr. Es ist dieselbe Ansprache wie in jedem Schulhalbjahr. Währenddessen sind zwei Schüler in das Büro der Schulleitung geschlichen, um Akten zu lesen. Draußen auf dem Sportgelände trainieren fünf Schüler und ihr Coach auf der Laufbahn für die neue Leichtathletiksaison. Wie immer ist die Rede der Dirketorin exakt um zehn Uhr zu Ende. Aber heute ist alles anders.

Als Schüler und Lehrer die Aula verlassen wollen, kann man die Türen nicht mehr öffnen. Einer beginnt zu schießen.
Tyler greift seine Schule an und macht alle fertig, die ihm unrecht getan haben.
Aus der Sicht von vier Jugendlichen entfaltet sich der Amoklauf, bis die letzte Kugel verschossen ist. ©S.Fischer Verlag

Wieder einmal ein Buch, was mir auf Englisch aufgefallen ist und als der Verlag dann Rezensionsexemplare in die Welt geschickt hat, hab auch ich nachgefragt und ein Exemplar erhalten.

Die Meinungen zu dem Buch sind extrem durchwachsen und bevor ich jetzt die Statistik versuche peinlich zu beschreiben, klau ich sie lieber gleich von goodreads:

54 Minuten

Und weil ich prinzipiell ein Mensch bin, der bei solchen Statistiken erst einmal alle negativen Rezensionen liest, damit ich weiß …. naja, damit ich nichts wirklich weiß, aber einfach meinen Tick treu bleibe und es letztlich doch sowieso selbst lese.

Die Geschichte wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt – Tomás, Autumn, Claire und Sylvia . Man ist innerhalb der Aula und außerhalb, zudem sind alle Personen auch untereinander irgendwie verbunden: Autumn ist die Schwester des Amokläufers, Sylvia ist die beste Freundin von Autumn, Tomas ist der Zwillingsbruder von Sylvia und Clair, die Exfreundin des Täters.
Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht, wenn man mal erst dahinterkommt und zudem wird es durch Wiederholungen auch immer wieder ins Gedächtnis gerufen.

So, hier komm ich vielleicht zu meinen ersten Kritikpunkt – die Personen sind alle klar in gut und böse unterteilt. Der Amokläufer Tyler ist natürlich böse, aber warum, dass wird das ganze Buch über nie erwähnt. Er ist extrem eindimensional und leer.
Alle anderen Personen sind gut, einfach mit ihren Worten und Taten. Dazu braucht es natürlich keine Erklärung, aber es erfüllt halt auch ein ziemliches Klischee. Die Trennung von „Gut und Böse“ lässt sich meiner Meinung nach in der Realität nicht so gut setzen, besonders, wenn man nicht genau weiß, warum das Böse böse ist.

Mehr Kritik habe ich allerdings nicht, wobei ich sehr gut verstehen kann, dass es einigen Lesern die Geschichte madig macht, wo sie doch ein wenig den Klischee unterliegt und wichtige Fragen einfach nicht beantwortet, für mich war es allerdings eine gute Geschichte, die ein wichtiges Thema in den Fokus rückt.

Mich hatte doch eine gewisse Spannung gepackt, weil die Geschichte zwar gleich einmal mit der Tat beginnt und man auch alle Personen kennt, ohne viel raten zu müssen, wer gut oder böse ist, aber trotzdem den Ablauf, die Gedanken, die sich entwickeln, präsentiert bekommt. Einzig was es gebraucht hätte, wäre, dass auch Tyler eine Perspektive bekommt, dann hätte man vielleicht sich mehr ein Bild des Ganzen machen können, so bleibt es doch so, dass man das Gefühl hat, einen wichtigen Teil verpasst zu haben.

Die Personen, mal abgesehen von Tyler, fand ich auch relativ sympatisch – okay, an manchen Stellen waren sie schon superheldenmäßig gut, was sie ein kleines bisschen unrealistisch gemacht hat, aber vom Charakter her waren es auf jeden Fall Menschen, die mich angesprochen haben.

Ich schließe mich wohl der Fraktion an, die 4 Sterne verteilt, wobei ich alle Nuancen an Rezensionen berechtigt finde, weil alle ein kleines Körnchen Wahrheit beinhalten, hier handelt es wirklich um eine Geschichte, die man mag oder eben nicht, da hilft es auch nicht, sich Statistiken anzusehen – da hilft nur: selber lesen!

Keine Angst vor Stinktieren

Keine Angst vor Stinktieren
Titel: Keine Angst vor Stinktieren
Originaltitel A Boy Called Bat
Autor: Elana K. Arnold
Genre: Kinderbuch ab 8 Jahren
Verlag: Carlsen Verlag
Format: Hardcover, 144 Seiten
ISBN:978-3551556813


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

 
Bat liebt Tiere über alles. Darum ist er auch so begeistert, als seine Mutter ein Tierbaby mit nach Hause bringt. Allerdings handelt es sich bei dem Kleinen nicht um einen Welpen oder ein Kätzchen – es ist ein Stinktier!

Trotzdem schließt Bat den neuen Mitbewohner sofort ins Herz. Und er denkt sich einen Plan aus, damit sein schwarz-weißer Freund bei ihm bleiben darf: Wenn ein echter Stinktierexperte erklären würde, dass Bats Zuhause der beste Platz für den Kleinen ist, dann kann seine Mutter nicht Nein sagen. Oder? ©Carlsen Verlag

Aufmerksam bin ich auf die englische Version „A Boy Called Bat“ geworden und hätte sie mir auch fast bestellt, weil das Buch erst im Januar erschienen ist und ich noch nicht mit einer Übersetzung gerechnet hatte – aber dann kam der Carlsen Verlag, der mir auf Anfrage sogar ein Rezensionsexemplar zukommen hat lassen. Danke!

Lesen wollte ich die Geschichte vordergründig, weil ich irgendwo (vermutlich auf goodreads) gelesen habe, dass Bat Autismus haben sollte und das Stinktier ihm ein wenig aus seiner Isolation hilft und dann natürlich, weil es um ein Stinktier geht, was man jetzt auch nicht so oft als Haustier hat.

Erster Punkt wurde ganz gut umgesetzt, wobei nie erwähnt wird, dass Bat Autismus hat und es letztlich nur eine Vermutung bleibt, aber klar, in einem Kinderbuch mit psychologischen Aspekten umsichzuhauen kommt jetzt auch eher schlecht. Man sollte die Geschichte aber auch nicht darauf reduzieren, wenn man das Buch für sein eigenes Kind aussucht.
Ich denke, die Geschichte kann auch für Kinder sehr schön sein, denen es schwer fällt Freundschaften zu schließen, auch ohne Autismus ist das manchmal eine ziemliche Herausforderung und über Tiere geht es einfach ein wenig leichter.

Zweiter Punkt – das Stinktier. Ja, es ist in der Geschichte vorhanden, aber für mich eher nur am Rande. Hier muss ich sagen, war vermutlich meine Vorstellung eine andere. Zu Beginn dachte ich, es würde um die Beziehung zwischen Bat und den Tierchen gehen, was es auch, wie gesagt, am Rande tut, mehr geht es allerdings darum, wie ein Kind beginnt Verantwortung zu übernehmen und Hindernisse zu überwinden.

Das Cover ließ mich vermuten, es wäre eine lustige Geschichte, voller Abenteuer – nein, ist aber kein Beinbruch. Manchmal mag man zwar ein wenig schmunzeln, aber ich denke wirklich, hier ist man besser aufgehoben, wenn man seinen Kinder etwas über Verantwortung und auch Wildtiere beibringen möchte, mit den kleinen Humoraspekt, der die Geschichte auflockert und für Kinder absolut geeignet ist.

Monatsrückblick August 2017

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Im Juli wollte ich nur lesen, lesen und nochmal lesen.
Anfang August hat die Laune noch gehalten, bis sie sich dann doch anfing zu verstecken und mich momentan an den Punkt bringt, gerne was lesen zu wollen, aber irgendwie nicht zu wissen was …

Mit den ersten beiden deutschen Bücher  „Alles, was ich sehe“ und „Hochgradig unlogisches Verhalten“ hat der August mit wahren Highlights begonnen, deswegen ist es auch leicht von der Hand gegangen, Rezensionen dazu zu schreiben.

Und dann, dann waren da „Wish“ von Barbara O’Connor und „Eleven“ von Tom Rogers – meine englische Ausbeute und mein Problem, was aber nicht an den Geschichten lag, sondern an mir, aber dazu wird es einen eigenen Beitrag geben, weil ich sowieso etwas zu meiner Englisch Challenge schreiben wollte.

Habt ihr zufällig mitbekommen, als „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky erschienen ist? Also ich schon, weil es nahezu alle meine Timelines gesprengt hat und obwohl ich die Geschichte nicht sonderlich interessant fand, letztlich doch dazu gegriffen habe, weil dieses Buch ja einen richtigen Begeisterssturm ausgelöst hat.
Ähm……nein, nicht für mich. Guter Schreibstil, gute Geschichte – aber halt nur gut, nicht schlecht, aber auch nicht der absolute Wahnsinn, einfach nur gut.

Sharon Baker ging es da ähnlich, aber weil wir vielleicht einfach Banausen sind (sorry Sharon) hier ein paar Rezensionen die voller Lob sind:
Die Buchbloggerin, aufgeblättert, Buzzaldrin und collectionofbookmarks

„Keine Angst vor Stinktieren“ von Elana K. Arnold hab ich als Rezensionsexemplar angefragt, es ist jetzt am 31.08.2017 erschienen und ich sollte jetzt endlich die Rezension schreiben, anstatt eines Monatsrückblicks, aber weil meine Motivation gerade unauffindbar ist, schreib ich einfach irgendwas, um mir selbst vorzumachen, ich würde da produktive Blogarbeit betreiben – also ähm …. wo waren wir? Ja genau: Rezension folgt!

Das letzte Buch im August war „Einmal Gilmore Girl, immer Gilmore Girl“ von Lauren Graham und an dieser Stelle danke an Ina’s Little Bakery, weil ohne sie hätte ich es verpasst.
Als es im Dezember 2016 auf Englisch erschienen ist, war ich ziemlich mies gelaunt, weil wollte ich lesen, war aber noch zu schwierig.
Ina hat dann im August ein Foto gepostet, eben mit dem Buch drauf, ich noch miesere Laune bekommen (ja ich hatte von Dezember bis August miese Laune!), dacht ist die Originalausgabe, war sie aber nicht, tatsächlich haben beide Ausgaben nur das gleiche Cover und niemand hat Werbung für die deutsche Ausgabe gemacht!!!
Klasse Buch, dass zwar nicht nur mit den Gilmore Girls zu tun hat und mehr eine Biografie ist, aber eindeutig eine große Portion Humor besitzt. Ich würde gerne eine Rezension dazu schreiben, aber ihr wisst ja, meine Motivation ist momentan abgängig.

Ich versuch jetzt „Und es schmilzt“ von Lize Spit zu lesen … aber eigentlich habe ich darauf auch nicht so wirklich Lust……

 

Lobilat zieht in die Welt

Heute gibt es mal etwas außerhalb der Bücherwelt, aber dann doch wieder eine Geschichte, die in Worte gehüllt ist.

Wie man an meinen Header unschwer erkennt, finde ich Stofftiere ziemlich genial, somit ist es für mich auch logisch, auf Facebook/Instagram Theo dem Lesebär zu folgen. Soweit so unspektakulär.

Anfang August hat dann Theo seinen Freund Lobilat vorgestellt – er ist sogar im stolzen Besitz einer eigenen Homepage und nachdem ich diese erst einmal entdeckt habe, muss euch einfach von ihm und seiner Mission erzählen.

Aber wer ist Lobilat jetzt eigentlich? Nun, zuerst mal einfach nur ein kleines 5-jähriges Hündchen.

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Schaut ziemlich unauffällig aus oder? Nun, es sind ja meistens die Unscheinbaren, die einen überraschen!

Lobilat ist ein Stoffhündchen und wie es für Stofftiere gehört, zählt es zu seinen Aufgaben, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Er tröstet, kuschelt und ist gerne bei seiner Besitzerin, seinen ganz eigenen Menschen.

Da hatte er einen Idee … zuerst hat er sie Miss Stanhope, seiner Besitzerin, erzählt. Auf sie war verlassen, das wusste er und so haben sie seine ganze Verwandtschaft durchtelefoniert – bis zum weit entfernten Großgroßgroßcousin und alle wollten sie mitmachen. Als sie dann zusammentrafen, haben sie erst einmal ein Familiefoto nachgeholt:

Und was war jetzt Lobilats Idee? Nun, dass war ehrlich gesagt eher Miss Stanhopes Idee, aber in einer Mensch- und Stofftierbeziehung teilt man ja bekanntlich alles.

Sie hat lange Zeit im Libanon und Syrien gelebt, denkt viel über die Situation der Menschen dort nach, auch über die Flüchtlingskinder, die vielleicht nicht einmal wie sie ein Kuscheltier zum Festhalten haben.
Im April 2015 wollte sie dann wieder einmal in den Libanon fliegen, mit all ihren Gedanken im Kopf, fiel das Packen schwer, aber dann war die Idee da … syrischen Flüchtlingskindern Kuscheltiere mitzunehmen.

Ob sich die Kinder gefreut haben, einen Stoffkumpel zu bekommen? Manchmal sollte man lieber Bilder sprechen lassen:

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Jetzt ist es so, dass Lobilats Verwandte es wieder ihren eigenen Familien erzählt haben und die dann auch wieder weiter, so dass noch ganz viele auf die Reise zu ihrem besonderen Menschen wollen und da braucht es jetzt unsere Hilfe.

Ihr könnt einen von Lobilats Verwandten unterstützen, dafür müsst ihr €15,- spenden, dürft euren Hündchen auch einen Namen geben und dann, dann schenkt ihr schon Fluffyfreunschaft. Klingt einfach – ist es auch.
Für ganz genaue Informationen guckt hier!

Lobilat kümmert sich höchstpersönlich um eure Nachrichten (Instagram, Facecbook und Pinterest) und Spenden:

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

PS: Und Bücher hat Lobilat auch noch, ich muss erst eins lesen, aber kauft es trotzdem – man kann nie genug Bücher haben!
Und danke an Dinah, die mir erlaubt hat, ihre Bilder zu verwenden.

The Promise [Film]

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/e/ee/The_Promise_%282016_film%29.jpg
Titel: The Promise
Regie: Terry George
Drehbuch: Terry George, Robin Swicord

Produktionsland: USA
Dauer: 134 Minuten
Erscheinungsdatum: 2017
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:

Der armenische Medizinstudent Michael (Oscar Isaac) reist im Jahr 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs für sein Studium nach Konstantinopel. Dort lernt er den Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale) und dessen Geliebte, die Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon), kennen, die aus Paris in die Stadt am Bosporus gereist sind. Michael verliebt sich hoffnungslos in Ana, die so wie er armenische Wurzeln hat und seine Liebe schon bald erwidert. Doch die leidenschaftliche Liebesbeziehung der beiden gerät in Gefahr, als um sie herum der Krieg ausbricht und das vormals so lebendige und multikulturelle Konstantinopel im Chaos versinkt. Michael und Ana fliehen gemeinsam und müssen dabei angesichts des drohenden Genozids an den Armeniern nicht nur für ihre Liebe zueinander kämpfen, sondern auch ums nackte Überleben.

Meine Meinung:
Da mich die Thematik des Genozides der Armenier interessiert, und ich schon einige Dokus gesehen und Bücher gelesen habe, war dieser Film für mich ein absoluter Pflichttermin! Ich hatte aber so meine Zweifel, da so ein ernstes Thema mit einer improvisierten Liebesgeschichte „verwässert“ werden könnte. War dies auch der Fall?

Der Film fängt opulent mit prächten Bildern, kräftigen Farben und tollen Panoramafahrten an. Man wird in ein Paradies namens Konstantinopel eingeführt, wo Multi-Kulti alltäglich, die Menschen hyper-super-nett sind und Möglichkeiten schier unendlich erscheinen. Und der Bosporus, der Europa mit Asien verbindet, strahlt geradezu majestätisch hervor. Die besten Bedingungen um Medizin zu studieren und sich in eine wild-fremde Frau zu verlieben! Und plötzlich ist Krieg – und alles ist anders.

Ja, so wie ich es mir vorgestellt habe … die erste Hälfte plätschert etwas dahin und eine kitschige Liebesbeziehung wird uns präsentiert. Später konzentiert man sich doch an das 1. Verbrechen gegen die Menschlichkeit (wurde 1915 offiziel das erste Mal von der internationalen Gemeinschaft erwähnt).

Nachdem die Bilder anfangs noch so kräftig waren, werden sie später entschärft – zum Teil massiv entschärft! Aber trotz allem (und die kitschige Liebesgeschichte mal beiseite) beinhaltet der Film viele Indizien des Genozides – sei es das Rausschneiden der Föten aus den Bäuchen der Mütter (nur erwähnt) oder die unter den Armeniern legendäre Schlacht in dem Bergdorf Van (nur erwähnt). Die Intervention des Botschafters Morgenthau oder die Forderung der Osmanischen Regierung, nach den zahlreichen Toden der Armenier deren Versicherungsprämien kassieren zu wollen (!).

Ich finde, dass der Film einen wichtigen Status einnimmt, da der Genozid an den Armeniern, vor allem von türkischer Seite, gut und gern klein geredet oder gar geleugnet wird (selbst von der offiziellen türkischen Regierung). Die Umstände zu diesem Film sind beinahe brisanter als der Film selbst. Gleich bei seiner Premiere gab es tausende 1-Punkte-Bewertungen, die nachweislich von der türkischen Regierung gelenkt worden sind (und einige hunderte 10-Sterne-Bewertungen sind als Reaktion darauf aus Armenien gekommen).

Ich will jetzt aber nicht zu sehr politisch abdriften, da es hier doch vordergründig um den Film geht. Der Film versucht opulent und meisterlich zu wirken, doch schafft es das nur selten. Man kann diesen Film auch niemals mit einem Meisterwerk wie Stephen Spielbergs „Schindlers Liste“ vergleichen, obwohl der Regiesseur Terry George durchaus Potential hat. Sein bekanntester Film, „Hotel Rwanda“ aus dem Jahre 2004 ist ebenfalls ein Genozid-Film. Aber während er bei „Hotel Rwanda“ hartnäckiger bei seiner Linie geblieben ist und dadurch der Film äußerst solide geblieben ist, war er hier regelrecht hin und her gerissen – zu umfangreich war wohl dieser Aspekt der menschlichen Schande.

Fazit:
Allein der Versuch, darüber einen Hollywood-Film zu machen darf hier nicht untergehen – den aus finanzieller Sicht war dieser Film ein totaler Flop. Für die Produzenten aber kein Beinbruch, da dieser Film beinahe komplett vom verstorbenen armenischen Milliardär Kirk Kerkorian finanziert wurde.

Aber um fair zu bleiben, auch wenn der Film jetzt kein Knaller war, war er doch ansehnlich beim Betrachten. Die schauspielerische Leistung war solide, auch wenn die Charaktere nicht so wirklich in unsere Herzen eindringen konnten. Die Szenenbilder und die Kulisse wussten zu überzeugen.

Wer sich aber intensiver und umfangreicher mit diesem Genozid beschäftigen will, darf ich einmal die deutsche Dokumentation „Aghet – ein Völkermord“ empfehlen. Hier kommen viele virtuelle Zeitzeugen zu Wort und beschrieben recht detailliert über diesen Völkermord;

und einmal das Buch „Völkermord an den Armeniern“ von Michael Hesemann, welches mit neuesten Dokumenten aus dem Vatikan den Genozid auch beweisen und bezeugen kann. Hier wird u.a. auch erörtert, dass es bereits vor dem 1. Weltkrieg größere Pogome gegen die Armenier im Osmanischen Reich stattgefunden haben. Auch, dass die deutsche Regierung nicht ganz unschuldig an diesem Völkermord war. Denn die Osmanen waren Verbündete der Deutschen und der Österreicher im 1. WK.

Dieser Genozid diente teilweise als Blaupause für den jüdischen Holocaust in Europa. Denn Hitler soll einmal zu seinem Stab gesagt haben: „… wer redet denn heute noch von der Vernichtung der Armenier?“

Mein Rating:
7 (+1 für die Dringlichkeit des Themas)
/10

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Promise_(2016_film) [ENG]

http://www.imdb.com/title/tt4776998/

Hochgradig unlogisches Verhalten

Titel:  Hochgradig unlogisches Verhalten
Originaltitel: Highly Illogical Behavior
Autor: John Corey Whaley
Genre: Jugendbuch ab 13 Jahren
Verlag: Hanser Verlag
Format: Hardcover, 240 Seiten
ISBN: :978-3446257054


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Solomon muss nie aus dem Haus. Er hat zu essen. Er kann von seinem Fenster die Berge sehen, und seine Schulaufgaben macht er online, mit ungekämmten Haaren und im Schlafanzug. Ernsthafte Probleme hat er eigentlich nicht. Und er hat auch keine schwere Krankheit. Er ist bloß ein neurotisches Vorstadtkind, das da draußen Panikattacken erleidet. Als seine ehemalige Mitschülerin Lisa für einen Psychologie-Aufsatz ein Studienobjekt benötigt, drängelt sie sich in sein Leben. Gemeinsam mit ihrem Freund Clark werden sie zu einem eingeschworenen Trio. Solomon lernt, was Freundschaft ist, und stellt fest, die Welt ist voller guter Gründe, sich aus dem Versteck zu wagen. ©Hanser Verlag

Dieses Buch war ein wahrer Glücksfall, weil eigentlich hätte es gar nicht bei mir einziehen sollen. Auf meiner Wunschliste war es zwar vorgemerkt, doch das Cover, es hat mich ein wenig abgeschreckt, es sieht nach einem watteweichen Sommerroman aus und ja, der Mensch dafür bin ich nicht unbedingt.

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Es war dann Fabian (HerrBooknerd)  auf Instagram, der für mich die Verbindung herstellte, in dem er meinte, dabei handelt es sich um die Übersetzung zu „Highly Illogical Behavior„. (Okay, von den Titel hätte man es vielleicht auch selbst herausbekommen können…)
Viele Blogs, die ich lese, haben dieses Buch schon besprochen gehabt und die englische Ausgabe verspricht auch für mich eher eine ernstere Geschichte.
Doch es stimmt mal wieder: Don’t judge a book by its cover.

 

Das deutsche Cover hat mich also abgeschreckt, weil ich eine viel zu lockere Geschichte erwartet hatte, die das Thema Agoraphobie auf die leichte Schulter nimmt, nun, eine lockere Geschichte habe ich erhalten, aber gespickt mit so viel Ernst, dass es ein perfektes Missverhältnis ergeben hat.

Viele von uns kennen sie vielleicht, die Hobbypsychologen, die herumdoktern, ohne wirklich Ahnung zu haben – so ist Lisa. Sie möchte unbedingt Psychologie studieren, findet das menschliche Verhalten extrem spannend und für eine Unibewerbung möchte sie etwas bahnbrechendes abliefern. Vor drei Jahren hat sich an ihrer Schule ein Junge ausgezogen und in den Brunnen gesetzt. Einfach so. Er ist dann verschwunden und niemand wusste so genau, wo er ist und warum er es getan hat. Dieser Junge war Solomon und Lisa hat es sich nun auf die Fahne geschrieben, ihn zu heilen.

Soweit der Beginn, was Lisa nur ein wenig außer Acht gelassen hat, ist die menschliche Seite – sie versteht sich nämlich richtig gut mit Solomon. Bringt ihrem Freund Clark mit zu ihm nach Hause und gemeinsam werden sie ein eingeschworendes Team, doch unter der Freundschaft lodert das Geheimnis.
Lisa erzählt Solomon natürlich nicht, dass er eigentlich nur ein Aufsatzthema ist und auch Clark hat sie zur Geheimhaltung gedrängt. Je enger die Freundschaft allerdings wird, desto schwieriger wird es für die Beiden, da sie Solomon ins Herz geschlossen haben und falls er jemals die Wahrheit erfahren würde, würde es alles kaputt machen.

Lisa mochte ich nicht. Also eigentlich mochte ich sie schon, aber Solomon mochte ich noch mehr und weil sie ihn irgendwie benutzt, konnte ich sie nicht mögen.
Clark hingegen fand ich klasse, vielleicht weil er und Solomon sich so perfekt ergänzen. Die Geschichte ist durch einen sarkastischen Humor gekennzeichnet, der mir einfach wahnsinnig viel Spaß bereitet hat.

Und meine Angst, dass die psychische Erkrankung viel zu leicht und locker abgehandelt wird, hat sich Gott sei Dank nicht erfüllt. Man spürt den ernst der Lage, bekommt Symptome beschrieben und kann sich auch als Außenstehender langsam ein Bild von der Krankheit machen, die eben so viel mehr ist, als einfach nicht aus dem Haus gehen zu können.

Als Nebenstrang gibt es dann noch das Thema, das Solomon schwul ist – nicht außergewöhnliches, denkt sich der Leser, ist es auch nicht, nur eben eine Randbemerkung, wie aber alle drei damit umgehen, es zeichnet so wunderbar das Gesellschaftsbild ab. Ehrlich, es ist genial. Ich denke, dieser Teil war sogar mein Lieblingsteil.

Und manchmal bin ich wirklich sehr dankbar, dass mein SuB unendlich ist, denn dort liegt seit 2014 noch originalverpackt „Hier könnte das Ende der Welt sein“ – was nun ganz sicherlich nicht mehr lange dort liegen wird.

Alles, was ich sehe

Titel: Alles, was ich sehe
Originaltitel: The One Thing
Autor: Marci Lyn Curtis
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Königskinder Verlag
Format: Hardcover, 432 Seiten
ISBN: : 978-3551560223


Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

Maggie hasst ihr neues Leben als Blinde. Sie will keine tapfere Kranke sein, und auf Unterricht von anderen Blinden kann sie gut verzichten. Nach einem missglückten Streich passiert es: Sie kann wieder sehen! Nur einen Ausschnitt der Welt, genauer: einen zehnjährigen Jungen namens Ben. Mit Hilfe des altklugen und hinreißenden Jungen scheint sie einen Teil ihres alten Lebens zurückzubekommen. Und Bens großer Bruder Mason ist Sänger in Maggies Lieblingsband. Und ziemlich attraktiv. Doch er lässt sie abblitzen, weil er denkt, dass Maggie ihre Blindheit vortäuscht – was ja irgendwie stimmt.
Dann kommt heraus, warum sie ausgerechnet Ben sehen kann. ©Königskinder Verlag

Ein Königskind also. Eines, welches schon seit einer kleinen Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand und eigentlich letztlich nur eingezogen ist, weil ich in der Buchhandlung nichts anderes gefunden habe. Man sieht, ich habe sehr reiflich überlegt.

Für mich der schlimmste Alptraum: blind werden.
Es ist vermutlich ein wenig anders, wenn man es von Geburt aus ist, sicherlich hadert man dann trotzdem ein wenig mit dem Schicksal, weil einem so viel verborgen bleibt, aber extrem schrecklich muss es sein, wenn dir das Augenlicht genommen wird, wo du doch schon die Farben der Welt kanntest.
So geht es Maggie, sie ist durch eine schwere Hirnhautentzündung, vor circa einem Jahr, erblindet. Las sie früher gerne, steht sie heute mit der Brailleschrift auf Kriegsfuß, ihr Leidenschaft Fußball musste sie an den Nagel hängen und während das Leben für alle anderen weiterzugehen scheint, ist ihres in einem kompletten Stillstand geraten.

Ich glaube, besonders gut an dem Buch hat mir gefallen, wie Maggie mit ihrer Erblindung umgeht, nämlich mal gar nicht. Sie ist deprimiert, lustlos und möchte sich kein neues Leben aufbauen, weil ihr altes großartig war und es zu verlieren, schmerzt einfach zu sehr.
Ihre Fassade ist aus Sarkasmus errichtet, der wirklich grandios gesetzt ist und ziemlichen Spaß beim Lesen macht, obwohl man dahinter jedesmal ihren Schmerz erkennt. Allerdings, so kommt es mir vor, war sie vor ihrer Erblindung auch schon ein ziemlich sarkastischer Menschen, zumindest wenn man auf ihre Umgebung vertraut.
Einerseits wollte ich manchmal lachen, weil ihre Sprüche so witzig waren und andererseits waren sie so schmerzhaft, dass sie alles in mir verkrampfte.

Und dann war da Ben, der so viel mehr ist, als ein 10-jähriger Junge.
Geboren mit einen offenen Rücken, braucht er Krücken, um gehen zu können, doch wenn er im Wasser ist, ist er frei – seine Leidenschaft ist das Schwimmen.
Der Zufall hilft, das Maggie und Ben sich treffen. Gut, nicht außergewöhnlich, außergewöhnlich ist jedoch das Maggie Ben sieht. Warum? Nun, man erfährt es im Laufe der Geschichte und es war wohl ein Grund, warum ich das Buch nicht lesen wollte.
Leider wurde ich durch ein paar Rezensionen in diese Richtung gespoilert und dachte mir dann, dass mir der Überraschungsmoment des Buches genommen worden ist.
Man hab ich mich getäuscht!

Sollte tatsächlich jemand noch gespoilert worden sein – lest dieses Buch trotzdem, weil es  einfach der Oberwahnsinn ist!

Ben ist …. einfach Ben. Er besitzt einen so wunderbaren Charakter, dass ich mich in ihn sofort verliebt habe. Er sagt, was er denkt, doch er denkt überlegt. Wisst ihr, er lässt sich nicht wirklich beschreiben, weil jede Beschreibung ihn niemals gerecht werden würde. Er ist einfach Ben.

Und Ben und Maggie zusammen, ist so unglaublich fantastisch, einzigartig und


Es ist einfach perfekt. In jeder Hinsicht.

Ach ja, dann gibt es da noch Mason, den Bruder von Ben, der sich in Maggies Herz schleicht. Bei zwei so starken Charakteren geht er ehrlich gesagt ein wenig unter, wie er in Geschichte sich einfügt, ist absolut stimmig, aber letztlich bleibt er doch im Schatten, wenn auch die Geschichte ohne ihn überhaupt nicht funktionieren würde, weshalb er doch eine Wichtigkeit besitzt. Besonders froh bin ich allerdings, dass die Liebesgeschichte authentisch gehalten wurde und sich somit perfekt, in eine perfekte Geschichte eingefügt hat.

Wunderbare Rezensionen zu dem Buch findet ihr euch hier:
Nana – what else?Tintenmeer und Annas Bücher Stapel