Read it like Watson! – Englisch Challenge

Ich mag Challenges nicht – meistens vergesse ich sie zu aktualisieren oder finde sie nach einiger Zeit wieder doof, lösche sie heimlich, damit niemand mein Versagen mitbekommt, deswegen habe ich mich entschlossen, bei der „Read it like Watson“ Challenge teilzunehmen!

Ihr habt jetzt sicherlich den oberen Absatz zweimal gelesen, oder? Nein, es ist kein Fehler, ich mag Challenges nicht und nehme jetzt trotzdem an einer teil. Klingt komisch, ist aber so.

Die letzten Wochen geisterte diese Idee schon (wieder) in meinem Kopf umher: mehr englische Bücher zu lesen, dann habe ich mich allerdings an meine Schulzeit erinnert, in der ich in Englisch tatsächlich eine fünf nach der anderen kassiert habe und immer noch überrascht bin, wie letztlich doch eine vier im Zeugnis stehen konnte und hab die Idee schnell verworfen.

Es ist aber auch so – ich liebe Englisch. Diese Liebe kam erst nach der Schule, in der Zeit wo man feststellt, das Lehrer doch nicht immer so unrecht haben und man manche Dinge doch im weiteren Leben braucht. Und ich versuchte mich an englischen Büchern und habe kläglich versagt.

September 2016 – das Privatexperiment von Privatkino startet und verläuft wieder im Sande. Lasst uns einfach nicht mehr darüber sprechen…

Mai 2017 – mit Anlauf möchte ich nochmal in die englische Welt springen und ich schwöre, sollte ich dieses Mal nicht wirklich am Ball bleiben, organisiere ich einen Schlägertrupp für mich selbst. Es gibt so viele tolle Geschichten in der Welt und verflucht, die werden jetzt entdeckt, von mir.

Sollte die eingefügte Seite oben irgendwann verschwinden, still und heimlich, hat es dieses Vorhaben nie gegeben und ich werde alles leugnen.

Starten wir neu ….

[reflection] Scars

Scars
Titel: Scars
auf Deutsch bis jetzt erhältlich: nein
Autor: Cheryl Rainfield
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: Westside Books
Format: Taschenbuch, 248 Seiten
ISBN: 978-1934813577

 


Kurz zum Inhalt:
Die 15-jährige Kendra wurde als Kind sexuell missbrauch, weshalb es ihr sehr schwer fällt, jemanden zu vertrauen. Sie kann sich nicht erinnern, wer sie missbraucht hat, wird allerdings das Gefühl nicht los, immer noch verfolgt zu werden.
Um diesen ständigen Druck loszuwerden, verletzt Kendra sich selbst.
Unterstützung findet sie bei ihrer Therapeutin und auch bei ihrer Kunstlehrerin, langsam beginnt sie sich ein wenig zu öffnen und als sie Meghan trifft, spürt sie zum ersten Mal sowas wie Liebe. Doch die Identität des Täters sucht ihren Weg an die Oberfläche….

reflection:
Dieses Buch liegt glaube ich, schon ewig auf meinem SUB – angezogen durch das Cover, wanderte es irgendwie in mein Regal und blieb dann erst einmal dort.
Jetzt wo ich versuche, ein wenig mehr auf Englisch zu lesen, war sein großer Moment gekommen.

Sucht man Bücher zu psychischen Erkrankungen, endet man unweigerlich irgendwann bei „Scars“ – laut Rezensionen ist es ein absolutes Must-have, dementsprechend waren meine Erwartungen relativ hoch. Nach 100 Seiten hatte ich allerdings meine Grenze erreicht – es war langweilig. Nein, ich will keine Detailbeschreibung, wie Kendra sich verletzt oder über den Missbrauch, aber ich wollte mehr Einsicht in ihre Innenwelt.
Kurz hab ich überlegt, ob ich es abbrechen sollte, aber dann dachte ich mir, die Hälfte ist fast geschafft, da geht der Rest auch noch.
Er ging, irgendwie, wurde zwar besser und intensiver, doch trotzdem konnte mich die Geschichte nicht komplett erreichen, eine unsichtbare Mauer schien zwischen uns zu stehen.

Gegen Ende des Buches, hat sich die Geschichte in einen Thriller verwandelt und ich glaube, diesen Dreh alleine ist es geschuldet, dass ich letztlich sagen muss – kann man durchaus lesen.
Der Ehrlichkeit halber füge ich allerdings hinzu, dass ich das Buch nicht weiterempfehlen würde, weil nur ein gutes Ende, rettet den Rest nicht.

Was ich aber zu dem Buch unbedingt sagen möchte und auch ich erst in nachhinein herausgefunden habe: es ist zwar ein Jungendbuch, allerdings auch stark autobiografisch.
Cheryl Rainfield sagt über ihre Bücher: „I write the books that I needed as a teen.“
Tatsächlich ist es der Arm der Autorin, den man auf dem Cover sieht, auch wurde sie als Kind sexuell missbraucht und aus ihrer Homosexualität macht sie ebenso kein Geheimnis. Sprich, über alles, was sie im Buch schreibt, weiß sie aus Erfahrung Bescheid, weshalb es ihr gelungen ist, keinerlei Klischees aufkommen zu lassen, wie es ab und an bei diesen Themen leicht passiert.

Mein Leben als Zucchini

Mein Leben als Zucchini
Titel: Mein Leben als Zucchini
Originaltitel: Autobiographie d’une Courgette
Autor: Gilles Paris
Genre: Belletristik
Verlag: Knaus Verlag
Format: Hardcover, 240 Seiten
ISBN:978-3813507706


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein! 

Der neunjährige Icare, Spitzname Zucchini, kommt nach dem tragischen Tod seiner Mutter in ein Kinderheim. Hier findet er zum ersten Mal wahre Freunde und auch das Gefühl der Geborgenheit. Es bleibt jedoch auch die Schwere auf seinen Schultern, zu wissen, jetzt ein Waise zu sein, doch trotz aller der traurigen Erlebnisse und Gefühle, die ihm begegnen, merkt er dort auch, dass das Leben ziemlich bunt und aufregend sein kann.

pflaume

Tatsächlich ist das Buch schon 2004 unter dem Titel „Autobiografie einer Pflaume“ erschienen – nun, da das Buch verfilmt wurde, gibt es natürlich wie so oft, eine Filmausgabe, worüber ich aber dieses Mal ziemlich froh bin, einerseits, weil das Cover jetzt um ein vielfaches ansprechender ist, aber besonders, weil es so überhaupt auf meinem Radar gelandet ist.
Nun verlockt allerdings das neue Cover, anzunehmen, dass es sich um ein Kinderbuch handeln würde, was es nicht ist, wenn der Film paradoxerweise tatsächlich einer ist. Nach dem Buch habe ich mir zügig den Film angesehen und dieser wurde ziemlich entschärft. Viele Szenen wurden gestrichen, Gespräche finden gar nicht statt oder Personen kommen erst gar nicht vor.
Wie man es dreht oder wendet – ob zuerst Film oder Buch, gewiss ist nur, der (Kinder)Film ist eine lockere Unterhaltung, gerne einen Familienausflug wert, das Buch hingegen beinhaltet eine unglaubliche Schwere, allerdings auch einen einzigartigen Witz – allerdings nicht für Kinder geeignet.

Kommen wir jetzt nur kurz noch zum Buch: Zucchini ist ein absolut liebenswerter Junge, alle Charakter in der Geschichte sind es, doch alle verbindet auch, dass sie eine schwere Bürde tragen müssen. Nicht alle Waisenkinder haben keine Eltern mehr, manchmal stehen Dinge wie Drogen oder Gefängnisaufenthalte  dazwischen, doch auch gibt es die verwaisten Kinder und sie mischen sich. In dem Buch bekommt jedes Kind Platz für seine Geschichte, wobei Zucchini, aber auch Camille im Fokus stehen.

Das Personal des Kinderheimes, findet auch seinen Platz und man merkt, dass jeder ein Gefühl von Familie geben möchte, dass ihre Arbeit ihnen mehr bedeutet, als nur Arbeit. Sie kümmern sich um die Kinder, die, wie Simon, ein Heimkind sagt, keiner mehr haben will – Zucchini überrascht öfters in der Geschichte, mit klugen Worten, aber noch schöneren Gesten, die mich einfach nur ins Herz trafen. Wie folgendes, was er zu Rosy sagte – einer Heimbetreuerin, die auch dort wohnt und ihr Leben den Kinder verschrieben hat:

Ich schaue Rosy an und ihre Bücher und unsere Zeichnungen überall an den Wänden.
Ich denke mir, dass das alles ist, was Rosy besitzt, dass sie so allein ist wie wir, die Heimkinder, und ich trete zu ihr und gebe ihr ein Küsschen.
Wir sagen beide nicht. Das Küsschen sagt genug. (S.85)

So viel Spaß die Kinder miteinander haben, lauert doch die Schwere an allen Ecken und Enden, manchmal bricht sie hervor und zeigt sich in solchen winzigen Situationen, bei denen ich die Luft anhalten musste, weil das Atmen geschmerzt hätte.

Zucchini stellt viele Fragen, in eine kindlichen Art, weil er einfach die Welt begreifen möchte, doch wer fragt, bringt Erwachsene zum Nachdenken und da stellt er noch etwas sehr wunderbares fest:

Und bei den Erwachsenen ist es auch so.
Lauter Fragezeichen ohne Antworten, weil alles im Kopf eingesperrt bleibt und nie zum Mund herauskommt. Und hinterher kann man auf den Gesichtern die ganzen Fragen lesen, die nie gestellt wurden, und das bedeutet nichts als Unglück und Traurigkeit.
Die Falten sind nichts anderes als eine Kiste voller ungestellter Fragen, die sich im Lauf der vergehenden Zeit gefüllt hat. (S.209)

Aber zwischen diesen Zeilen, liegt eine Weltsicht, wie sie nur Kinder haben können und die ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert hat, obwohl was sie sagen, nicht immer lustig ist, so dass ich mich ab und an selbst nach dem Lachen kurz ermahnen musste, doch genau diese Paarung aus Kindlichkeit und Schwere, macht das Buch zu einen unglaublich wertvollen Schatz.

Hätte ich zuerst den Film geschaut, ich hätte niemals zu dem Buch gegriffen, zu seicht wirkte er auf mich, zu eindimensional wirkten die Kinder, zu oberflächlich wurde alles abgehandelt, aber ja, es ist eben ein Film für Kinder, sagen wir ab 8 Jahren und diesen Unterschied muss man deutlich vor Augen haben.

Tatsächlich gehe ich bei dem Buch soweit zu sagen, dass es das Beste war, was ich in diesem Jahr bis jetzt gelesen habe, auch wenn man sich auf den Schreibstil einlassen muss, der aus den Augen eines Kindes kommt, aber eigentlich schon viel weiser ist, als so mancher Erwachsene.

das wirst du bereuen

das wirst du bereuen
Titel: das wirst du bereuen
Originaltitel: Tease
Autor: Amanda Maciel
Genre: Jugendbuch ab 12 Jahren
Verlag: Baumhaus Verlag
Format: Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3843210973


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Sara und ihre beste Freundin müssen sich vor Gericht verantworten – angeklagt, ihre Mitschülerin Emma gemobbt und in den Tod getrieben zu haben.
Die Beiden haben das Mädchen beständig gemobbt, auch andere Schüler haben sich hierbei angeschlossen und letztlich findet Sara, dass Emma doch selbst schuld war, immerhin hat sie ihr den Freund ausgespannt. Ein kleiner Denkzettel war doch hier nicht so schlimm….dachte sie.

Bücher zum Thema Mobbing gibt es einige, auch solche, die mit dem Tod enden – gerade durch die Verfilmung des Buches „Tote Mädchen lügen nicht“ (momentan schaue ich die Serie noch, aber eine Rezension dazu wird noch folgen, versprochen), ist es noch mehr in den Fokus gerückt, was ich eine gute Sache finde, es nämlich ein wahnsinnig wichtiges Thema ist.

Zum Buch: es wird in abwechselnden Kapiteln erzählt . Einmal ist Emma noch am Leben und dann erleben wir die Zeit nach ihrem Selbstmord. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht von Sara, die sich einer Anklage gegenübersieht. Durch die Kapitelwechslung kann man sich ein rundes Bild machen, erfährt, wie das Mobbing begonnen hat und wie es soweit kommen konnte, dass am Ende jemand tot ist.

Im Prinzip klingt es nach einer guten Geschichte, Mobbing aus der Sicht des „Täters“ – man erwartet sich, Beweggründe zu erfahren, mehr darüber, was jemanden dazu bringt, einen anderen Menschen so fertig zu machen, dass dieser nur noch einen letzten Auswegen sieht. Wie gesagt, das Prinzip ist gut, aber ich muss sagen, die Umsetzung ist furchtbar, hat mich sogar wütend zurückgelassen.

Wie kommt’s? Nun, Sara ist eine Egoistin, wie sie im Buche steht – kontinuierlich ist sie am jammern. Sie hat Emma gar nicht gemobbt, die war einfach zu zart besaitet und in den Tod getrieben hat sie sich schon überhaupt gar nicht, immerhin hat sie sich selbst dazu entschieden, sich umzubringen, dass ist ja nun mal nicht ihre Schuld.
Nach Emmas Selbstmord, muss sie regelmäßig zu einer Anwältin und zu einer Therapeutin, zwar spricht sie dort nicht viel, aber als Leser erfährt man ihre Gedanken und die sind ein wahrer Graus.
Sie stilisiert sich zu einem Opfer der Gegebenheiten, sie konnte ja auch nicht einfach tatenlos zusehen, wie ihr Freund ausgespannt wurde, da war Rache doch mehr als angebracht. Ihren Freund Dylan irgendwie in die Verantwortung zu ziehen, nein, dass kommt ihr so gar nicht in den Sinn, an allen soll nur Emma die Schuld tragen und jetzt, wo sie sich umgebracht hat, vermurkst sie ihr auch noch die Zukunft.
In der Öffentlichkeit wird sie geschnitten, beleidet – man könnte sagen: gemobbt. Auge um Auge, Zahn um Zahn, ist keine gute Antwort, die Frage stellt sich nicht, aber so überhaupt keine Einsicht zu zeigen, dass kotzt an – ehrlich.

Die Zeit vor Emmas Tod beschreibt eindringlich das Mobbing, welchem sie ausgesetzt war und es war tatsächlich so, Gründe, wenn es für Mobbing überhaupt Gründe geben kann, lieferte sie nicht. Sara und Brielle haben sie irgendwie auserkoren, auch im Verlauf der Geschichte wird nicht ganz klar, warum überhaupt.
Natürlich klatscht man den Mobbern dann auch noch eine traurige Geschichte drauf – damit man Mitleid mit ihnen empfindet? Keine Ahnung, mir ist bewusst, dass kein Leben unbedingt leicht ist, es aber als hingeworfene Rechtfertigung zu nehmen, um Mobbing abzuschwächen, ist einfach extrem unpassend.

Das Buch hatte auch einen schweren Stand bei mir, weil mich die Geschichte von Cassidy Trevan seit Wochen begleitet. Sie war eine australische Schülerin, die auf grausame Art gemobbt wurde und sich letztlich am 12.Dezember 2015 das Leben genommen hat.
Einen deutschen Artikel findet man auf brigitte.de, zudem hat ihre Mutter die Facebook-Seite „Bullying Killed My Child Cassidy Trevan“ gegründet.

Diese Geschichte im Hinterkopf, hat mich dieses Buch einfach nur wütend gemacht, von Sara kommt das Buch hindurch nämlich keinerlei Einsicht. Sie jammert sich durch die Seiten und sieht sich selbst als Opfer, an Emma denkt sie gar nicht und wenn, dann nur, dass sie durch den Tod, ihre Zukunft verbaut hat, dass Sara Emmas Zukunft indirekt genommen hat, nein, der Gedanke taucht nicht auf.

Auf den letzten 20 Seiten kommt es zu einer Erleuchtung von Sara und man denkt sich, woher kommt jetzt bitte dieser Sinneswandel, denn man ihr einfach nicht abnehmen kann und vielleicht auch nicht will.
Dieses Buch hätte eine wichtige Geschichte über Mobbing sein können, war aber letztlich nur eine Farce und tatsächlich nahezu eine Verhöhung von jemanden, der sich auf Grund der enormen Belastungen von Mobbing das Leben nimmt.

Normalerweise urteile ich nicht so radikal über ein Buch, aber von diesem rate ich dringend ab und würde es nicht weiterempfehlen.

Neuerscheinungen Mai 2017

Bis zum ersten Mai habe ich gewartet, ob nicht doch noch vielleicht ein paar Neuerscheinungen auf meinem Radar landen, aber nein, es sind tatsächlich nur zwei geworden.  Auf meinem Lesestapel liegen natürlich noch genügend Bücher, aber vielleicht wage ich mich im Mai auch wieder einmal an ein englisches Buch – Zeit wäre es wieder einmal, aber es ist immer die Qual der Wahl, welches aus meinem Regal hüpfen wird.

Naja, mal sehen, vielleicht wird es auch wie letzte Woche, wo ich nicht wirklich einen Platz zwischen den Buchstaben finden konnte, was auch in Ordnung ist, manchmal braucht man etwas Abstand von den Worten.

Hier nun meine kleine Übersicht:

Belletristik/Sachbuch

neuDie Möglichkeit eines Gesprächs – Philipp Röding (ET: 01.05.2017)
Crazy America – Michaela Haas (ET: 15.05.2017)

Für Bernhard ist diesen Monat auch noch ein Buch dabei, welches eigentlich erst am 2.Mai erscheinen sollte – allerdings längst schon überall erhältlich war und somit schon bei uns eingezogen ist.

ist der islam noch zu rettenIst der Islam noch zu retten? – Hamed Abdel-Samad, Mouhanad Khorchide

Gibt es für euch ein Must-have im Mai? Vielleicht sogar ein englisches Buch, was ihr mir empfehlen könntet? 

Rotlicht

Rotlicht
Titel: Rotlicht
Autor: Nora Bossong
Genre: Sachbuch
Verlag: Hanser Verlag
Format: Brochiert, 240 Seiten
ISBN:978-3-446-25457-2


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

 

Die Welt des Sex ist eine unendliche. Sexshops, Swingerclubs, Tabledance, Prostitution etc., das Feld lässt sich unendlich vorführen. Nora Bossong stand, wie andere Kinder wohl auch, oft staunend vor dem Sexladen am Bahnhof, mit Sicherheitsabstand natürlich. Die Geheimheit dieses Ortes, sie zog an, ließ die Fantasie kreisen, welche wohl absonderliche Welt hinter dieser Tür liegt.
Und der Gedanke bleibt, wer noch nie in einem Bordell war, stellt sich vermutlich die abenteuerlichen Szenarien vor und weil der Mensch ziemlich neugierig ist, hat Nina Bossong ihren Voyeurismus nachgegeben und es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt des kommerziellen Sexes kennenzulernen. Als Beobachter.

Die erste Station ist eine Tabledancebar, die erste Begegnung soll nicht erschrecken, doch eine Sexmesse folgen, auf der klar wird, dass die Frau, trotz Emanzipation oftmals eines bleibt – ein Lustobjekt. Wenn auf der Bühne eine Dame steht und sich mit einen Rießendildo penetriert, gekünstelt stöhnt und die Männerschaft ihre Kameras einzig und alleine auf das Geschlechtsorgan der „Schauspielerin“ richten, durchzieht einem beim Lesen doch ein Schauer.
Das Gespräche mit einem Pornoproduzenten bringt eigentlich auch nur die Erkenntnis, dass die sexuelle Welt, nicht wirklich auf Frauen ausgelegt ist, Männer sind die Hauptkunden, wollen ihre Fantasien erfühlt bekommen, wenn auch nur gedanklich, an die Frauen denkt man kaum.

Man mag sich die Welt des käuflichen Sexes als etwas schmutziges vorstellen, ekelhaft und erniedrigend, diesen Aspekt nimmt Nora Bossong in ihrem nächsten Kapitel auf. Den Besuch zweier Sexkinos. Während das eine eher wie eine Szene aus einem Horrorfilm wirkt, hat das andere etwas anonymes an sich – letztlich alles eine Frage des Preises. Näher gibt es in keinem dieser Orte, alles ist einer reinen Oberflächlichkeit ausgesetzt, doch während man am einen Ort Angst haben muss, ist der andere so Distanziert, dass der Kontakt zu den Gefühlen verloren geht.
Da überrascht es ein wenig, dass der Besuch im Swingerclub eher wie ein biederer Abend unter Fremden wirkt. Nudelsalat wird aufgetischt, die Stammgäste haben ihre Badelatschen, die es nicht anzurühren gilt, in dieser Welt, die eigentlich als regellos dargestellt wird.

Für den letzten Teil hat sich die Autorin die Welt der Prostitution aufbewahrt, der Teil, der wohl unter die Haut geht und die Gedanken des Lesers fliegen lassen. Huschke Mau, ehemalige Prostituierte, bringt es auf den Nennen, dass kaum jemand freiwillig in dieser Branche arbeitet, hinter allem stehe ein gewisser Zwang. Und Nora Bossong trifft zwei Ungarinnen, die auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Situation in ihrer Heimat, nach Deutschland kamen, um Geld zu verdienen.
Doch auch die Osterweiterung der EU im Jahre 2007, brauchte unzählige verzweifelte Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland. Die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit ihrer Heimat, als Antrieb, sich in dieser Branche zu bewegen und wie es mit Verzweiflung immer so ist, jemand wird sie benutzen, um sich selbst zu bereichern. Zuhälter beherrschen die Frauen und viele sprechen schon von Glück, wenn sie nicht allzu oft geschlagen oder all ihr Geld abgeben müssen.

„Glaubt man Alice Schwarzer, ist dabei keine einzige von ihnen selbstbestimmt und wird jede ihrer Handlungen durch Not, Misshandlung, frühen traumatisierenden Missbrauch angetrieben. Dagegen steht etwas die Meinung von Hydra, der ältesten Hurenorganistiaton Deutschlands, die in den achtziger Jahren ebenfalls aus dem Kreis linker Feministinnen hervorging und für die es durchaus selbstbewusste Sexarbeit gibt. 

Beide Seiten beanspruchen, für die Rechte von Frauen einzutreten.“ (Seite 167)

Nora Bossong bleibt zum Schluss parteilos, sie hat viel gesehen und gehört, wenn man auch eine leichte Tendenz spürt, dass auch sie nicht an Freiwilligkeit in der Branche glaubt, lässt sie es dem Leser selbst im Kopf, darüber nachzudenken. Es bleibt im Kopf, man wälzt hin und her. Und bleibt letztlich immer außen vor, als Beobachter, der eigentlich nichts weiß.

Weitere interessante Rezension zu dem Buch:
kapri-zioes

Literaturbloggerbuch

Literaturbloggerbuch
Titel: Literaturbloggerbuch
Autor: Mara Giese
Genre: Sachbuch
Verlag: Edel Elements
Format: eBook, 186 Seiten
ASIN: B01L1ST2ZI

 

 

Mara kennt man. Ihren wunderbarer Buchblog „Buzzaldrins Bücher“ kann und will ich mir nicht wegdenken, umso mehr hat es mich gefreut, dass sie ein Buch über das Bloggen an sich geschrieben hat.
Es ist ein Ratgeber, der dem Leser ein paar Tipps und Tricks verrät, wie man am besten mit einem Buchblog startet, aber auch wenn man schon einen hat, findet man gute und nützliche Ratschläge für sich.

Zugegeben, ich bin einer der faulsten Menschen überhaupt. Ich liebe Bücher, lese wahnsinnig gerne und ja, auch schreibe ich (meistens) gerne, aber mich wirklich beschäftigt, wie ich meinen Blog zu etwas einzigartigen mache oder wie sich am besten Werbung machen lässt oder ähnliches, darüber habe ich erst in den letzten Monaten angefangen nachzudenken.

Ich mag meinen Blog, er ist nicht außergewöhnlich, geht vermutlich auch ziemlich in der Masse unter, aber er ist mein zu Hause, nun seit nahezu 6 Jahren und doch, manchmal braucht es Input von außen, um sein Heim vielleicht noch ein bisschen gemütlicher zu machen.

In dem Buch versammeln sich Tipps für Anfänger, aber auch Fortgeschrittene, ob es jetzt Ideen sind, worüber man bloggen könnte, wie man am besten Anschluss findet, aber auch der technische Aspekt findet hier Platz. Was die Technik anbelangt, ist das Buch sehr stark auf WordPress fixiert, was einerseits verständlich ist, hat Mara doch ihre Seite dort, andererseits ist es aber daher bei den ein oder anderen Thema so, dass jemand bei einem anderen Anbieter nicht unbedingt etwas für sich mitnehmen kann.
Ich denke, man hätte es irgendwie deutlicher machen können, weil Blogger.com User doch ziemlich auf der Strecke bleiben und dann eventuell verstimmt sind, weil das Buch eben auf einen anderen Anbieter ausgerichtet ist und nicht alles für sie hilfreich ist.

Die Tipps sind immer wieder von Interviews von diversen Buchbloggern unterbrochen, die ziemlich informativ sind, aber auch zeigen, was die Realität wirklich für einen Betreiber einer Seite bereithält, wie sie sich die Arbeit an den Beiträgen einteilen, welche Überlegungen es für sie gab usw.

Ein besonders guter Abschnitt in den Buch, beinhaltet die rechtlichen Hinweise, die man befolgen muss, damit man keine Probleme bekommt. Der Ein oder Andere erinnert sich vielleicht noch an die Debatte, ob man Buchcover einfach so einfügen darf oder das leidliche Thema Impressum wird behandelt – mit einem Fachmann, der sich auskennt und klar sagt, welche Pflichten ein Blogger hat, um mögliche Probleme zu umschiffen.

Mich hat das Buch dazu angeregt, etwas über meinen Blog nachzudenken, ob es groß etwas in meinem Denken geändert hat, dass weiß ich nicht. Neue Ideen sind aufgekommen, Überlegungen wurden gestartet, letztlich bleibt aber die Erkenntnis, dass wer im großen Stil bloggen möchte, eines auf jeden Fall mitbringen sollte: Zeit und Ausdauer.

Die Ausdauer besitze ich seit 6 Jahren, die persönliche Frage, die ich mir wohl letztlich stelle, ist, ob ich mir die Zeit nehmen sollte, hier groß etwas zu verändern oder ob ich in der Zeit nicht lieber lesen sollte, weil ein Blog zwar schön ist, aber lesen um ein vielfaches schöner ist – für mich.