Splitterfasernackt


Titel: Splitterfasernackt
Autor: Lilly Lindner
Genre: Erfahrung/Biografie
Seiten: 400
ISBN: 978-3426226063

Erste Sätze:
Vielleicht arbeite ich ja nur deshalb in einem Bordell, weil Männer an einem Ort wie diesem für ihre Triebe bezahlen müssen und weil sie auf diesem Weg nicht einmal annähernd zu meinem Herzen durchdringen können. Sie sind nur ein flüchtiger Schwarm zirpender Wanderheuschrecken. Ein Rudel schwanzwedelnder Hunde.

Klappentext:
„Wenn ich Sex auf dem goldenen Himmelbett im Zimmer vier habe, starre ich verloren den orange-gelben Leuchtschlauch an. Ich fühle einen Körper auf mir – gut, wenn er nicht verschwitzt und klebrig ist. Schlecht, wenn er es doch ist. Ich schlinge meine verzweifelten Arme um einen Kunden, wenn ich ihn mag. Ich lasse meine Arme schlaff auf dem Bettlaken verweilen, wenn ich ihn nicht mag. Ein unbedeutendes Stöhnen an meinem Ohr, eine Wange ganz dicht an meiner. Wenn ich meinen Gast nett finde, ist es okay, wenn nicht, bin ich woanders. Den schlimmsten Sex im Leben kann man nur einmal habe. Und ich habe ihn längst hinter mir. Damals…“

Die Geschichte einer gestohlenen Kindheit und eines im Innersten verletzten Mädchens.

Inhalt:
Im Alter von 6 Jahren wird Lilly Lindner, das erste Mal, von ihrem Nachbarn vergewaltigt. Ohne wirkliche Vertrauensbeziehung zu ihren Eltern aufgewachsen, verschweigt sie ihnen die Vorfälle, zieht sich immer mehr in sich selbst zurück, um einen Schutzraum für sich selbst zu finden. Jegliches Gefühl für den Körper verloren, beginnt sie mit 13 Jahren zu hungern. Der Körper, welcher mit so viel Schmerz und Qual verbunden ist, soll verschwinden.
Im Alter von 17 Jahren wird sie abermals vergewaltigt, dieses Mal jedoch von einer Gruppe Männer. Als wäre dies nicht alles traumatisch genug, bringt der Tod ihrer besten Freundin Lilly auf die Idee, ihr Leben und sich selbst wieder selbst zu finden. Ihre Idee: Es waren Männer, die ihren Körper stahlen, es sollen Männer sein, die ihn ihr wieder zurückgeben.
So begibt sie sich in ein Leben voller käuflicher Liebe, was ihre zarte Seele belastet, doch ist es auch diese Welt, in der sie zum ersten Mal so etwas wie Geborgenheit wahrnimmt.

Meine Meinung:
Für viele mag es vielleicht unverständlich sein, wie ein junges Mädchen, welches in ihrer Kindheit solch traumatischen Erlebnissen hat, in die Prostitution einsteigen kann. Nach dem Lesen sollte jedoch jedes Unverständnis aus dem Weg geräumt sein und das macht das Buch aus. Es erklärt, offen und schonungslos.
Man lernt Lilly langsam kennen, das Mädchen was sie war und was sie wurde als sie 6 Jahre alt war. Diese Verzweiflung, wenn sie im Stiegenhaus, vor der Tür ihres Peinigers sitzt und darauf wartet, dass ein Teil von ihr selbst endlich wieder herauskommt und sich mit ihr vereinigt, sie wieder komplett macht, ist so deutlich spürbar, dass ich ziemlich häufig eine Pause einlegen musste.
Ihre Essstörung, besonders aber ihre Gedanken gegenüber ihren Körper sind erschreckend, jedoch verständlich. Je mehr Seiten ich las, desto mehr verstand ich Lillys Handeln und Tun. Natürlich erkannt ich dahinter immer die Krankheit und trotzdem irgendwie auch die Notwendigkeit, die Lilly in allen ihren Handlungen sah.
Gedacht hatte ich mir, dass ein Hauptaugenmerk im Buch auf ihr Leben im Bordell gerichtet sein würde. Es stimmt schon und wieder auch nicht. Man lernt zwar die anderen Mädchen dort kennen, ihre Probleme und Sehnsüchte, lacht manchmal mit ihnen. Die Atmosphäre im Bordell war ganz anders, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Unter dem Mädchen war so viel Wärme und Fürsorge wahrnehmbar, dass man beinahe vergaß, an welchen Ort man sich befand. Es hätte sich durchaus auch um eine WG handeln können, wenn da nicht dazwischen Kundenbesuch gewesen wäre. Das erfährt man, aber mehr schreibt Lilly über ihre Gedanken an die Vergangenheit und Gegenwart. Besonders ihre zwei Freunde Chase und Lady sind mir im Gedächtnis geblieben, weil mein erster Gedanke war: wie kommt dieses liebenswerte Wesen nur zu zwei solchen Gestalten, aber jedes Gespräch zwischen ihnen hat mir mehr gezeigt, hinter dieser harten und manchmal abstoßenden Fassade, befinden sich die besten Freunde, solche, die mit einem durch dick und dünn gehen, einen niemals alleine lassen und so was kann man nur jeden wünschen.

Was das Buch „auszeichnet“ ist vermutlich Lillys einzigartiges Gefühl für Worte. Man hat eine traurige und schreckliche Handling, die in so wunderbare Worte gekleidet ist, dass es zu einzigartiger Poesie wird. Alle Buchstabe scheinen mit Bedacht gewählt, nie dem Zufall überlassen und genau deswegen wirkt die Geschichte nach. Lässt sich nicht weglegen und vergessen, sie bleibt im Kopf und im Herzen, abgespeichert zwischen tiefer Traurigkeit und unglaublicher Nähe.

Fazit:
Splitterfasernackt ist nicht nur einfach ein Buch, es ist eine eigene Welt. Sowohl Geschichte, aber auch der Schreibstil sind außergewöhnlich und werden einen nicht mehr so schnell loslassen. Nur zu empfehlen!

Zitatesammlung zum Buch: hier!

Die verborgene Stadt – Die Prophezeiung

Titel: Die verborgene Stadt – Die Prophezeiung
Originaltitel: Wars are Started by Losers – The Secret City 1
Autor: Vadim Panov
Genre: Fantasy
Seiten: 576
ISBN: 978-3453527140

Erste Sätze:
Jahrtausendelang kämpfte die Menschheit verbissen um die Herrschaft auf der Erde. Jahrtausendelang führten Krieger, Helden, Inquisitoren und Priester einen Vernichtungskrieg gegen alle nichtmenschlichen Völker, bis selbst die Erinnerung an die ausgelöscht war. Hexen, Werwölfe und Gnome … Unsere Vorfahren verfolgten und töteten sie gnadenlos, weil sie der Überzeugung waren, dass auf der Erde nur Platz für den Menschen sei. Und ihr Kampf schien von Erfolg gekrönt…

Klappentext:
Seit ewigen Zeiten existiert neben unserer Wirklichkeit eine andere, verborgene Welt. Eine Welt, in die sich die magischen Geschöpfe nach Jahrhunderten der Verfolgung durch die Menschen zurückgezogen haben.
Dieser geheime Ort nennt sich „Die verborgene Stadt“.
Doch nun ist er nicht mehr geheim….

Inhalt:
Moskau wird von grausamen Morden an jungen Frauen erschüttert. Die Polizei gibt den Täter den Namen Vivisektor, für Major Kornilow, Chef der Sonderermittlungsgruppe der Polizei, ist der Fall alles andere als leicht zu knacken, da schon von Beginn an immer wieder ungewöhnliche Geschehnisse die Ermittlungen beeinflussen. Was er nicht ahnt, ist die Existenz einer zweiten Stadt neben Moskau, welche von Zauberern, Werwölfen, Magiern und anderen Wesen bewohnt wird. In diese Stadt ist der Bote zurückgekehrt. Einst verstoßen strebt er nun die Herrschaft über die verborgene Stadt an.
Zwischen den Adelsgeschlechtern der Stadt entbrennt ein erbitterter Krieg, alle versuchen sich so gut es geht aus der Affäre zu ziehen, bis ihnen klar wird, dass sie nur gemeinsam den Boten Einhalt gebieten können.

Meine Meinung:
Vadim Panov ist es perfekt gelungen, Realität und Fantasie glaubhaft und verständlich zu vermischen.
Erschüttert von Morden gerät die Bevölkerung von Moskau in Panik, sie fürchten sich vor erneuten Bandenkriegen. Diesen Fällen nimmt sich Major Kornilow an, man begibt sich mit ihm auf polizeiliche Spurensuche, ohne dem Wissen um die verborgene Stadt, deshalb auch ohne den Wissen, dass die Morde nicht „natürlich“ sind. Auf der anderen Seite lernt man die Herrschaftshäuser der verborgenen Stadt kennen. Den dunklen Hof, die Schatyr, die Tschud, die Rothauben, die Lud, die Naw usw., man taucht in ihr Denken und Handeln ab. Erfährt mehr über ihr Leben, weshalb Streitigkeiten unter den einzelnen Völkern entstanden und warum der Bote letztlich für alle eine Bedrohung darstellt. Wie es aber oft ist, gibt es auch in der verborgenen Stadt, die Guten und die Bösen, weshalb es eben zu einem Krieg unter den einzelnen Völkern kommt.
Normalerweise wissen die Menschen nichts von der verborgenen Stadt, doch die Ausnahme bestätigt die Regel. Einige Humos, so werden die Menschen von den Wesen der verbotenen Stadt genannt, arbeiten für die Herrenhäuser als Söldner. So auch Cortes und Jana, die Beiden arbeiten schon seit längerem zusammen und wurden nun auch mit dem Auftrag betraut, den Boten zu eliminieren. Die beiden Söldner arbeiten mit dem Dunklen Hof zusammen und werden von den Naw Santiago, einem der stärksten Zauberer, unterstützt. Söldner können übrigens auch zaubern, dazu benötigen sie jedoch Artefakte, Gegenstände die magische Energie in sich tragen, weshalb ein zusammenarbeiten letztlich unverzichtbar ist, da ein Zauberer über doch mehr Macht verfügt.

Im Prinzip hört sich das Buch relativ simpel an und ich habe mir jetzt nicht gerade die Wahnsinnsgeschichte erwartet, wobei ich mich mehr als getäuscht habe. „Die Prophezeiung“ ist der erste Teil der Serie „Die verborgene Stadt“ und ist ein gelungener Auftakt in eine Welt voller Magie und Zauber. Niemals kommt Langeweile auf, es passiert eigentlich immer etwas und die Neugier beim Leser wird mit jedem Satz mehr geschürt. Gut umgesetzt fand ich auch das Zusammenspiel zwischen Fantasie und Realität. Die verborgene Stadt ist durchaus verständlich in Moskau eingebunden.
Etwas anstrengend fand ich die ganzen Charakter, die einem zu Beginn des Buches entgegengeschleudert werden. Es ist relativ verwirrend bei dieser Vielzahl noch den Überblick zu wahren, wobei ich sagen muss, so ab Seite 200 hat man es heraus. Allerdings ist auch zu sagen, dass am Ende des Buches ein Glossar angehängt ist, in dem man immer wieder die wichtigsten Sachen nachlesen kann.
Nun zu einem Kritikpunkt, welcher nicht die Schuld des Autors ist, weil er nichts dafür kann, dass er Russe ist und ich kein russisch kann, aber es stört den Lesefluss schon erheblich, wenn man immer wieder über unaussprechliche Worte stolpert. Straßennamen, Personennamen etc. sind typisch russisch und für keinen Kenner der Sprache ziemlich schwierig.

Zwar ist „Die Prophezeiung“ der Auftakt zu einer Serie, allerdings lässt sich das Buch auch sehr gut eigenständig lesen. Die Geschichte ist abgeschlossen und aufgeklärt, so dass es nicht nötig ist den zweiten Teil „Das Opfer“ zu lesen.

Fazit:
Ein großartiger Fantasy Roman, voller Abenteuer und Spannung. Eine definitive Leseempfehlung!