Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt

Titel: Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt
Originaltitel: Made you up
Autor: Francesca Zappia
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Format: Broschiert, 384 Seiten
ISBN: : 978-3423740357

 

Kauft doch wieder einmal in eurer örtlichen Buchhandlung ein!

Inhalt:
Alex hört Stimmen, spricht mit Gegenständen und manchmal auch mit Hummern. Als sie neu an die Schule kommt, zählt für sie nur eines: den Abschluss zu schaffen und an einem guten College angenommen zu werden, ohne dass jemand merkt, was mit ihr los ist. Doch dann begegnet sie Miles – und ist geschockt, denn seine blauen Augen erinnern sie an eine Begebenheit aus ihrer Kindheit, die sie für eine Halluzination hielt. Ist Miles der Junge, dem Alex als Kind im Supermarkt begegnete? Mit dem sie gemeinsam Hummer aus einem Aquarium befreite? Und ist es wahr, dass Schuldirektor McCoy einen Mord an ihm plant? Oder hat sie sich ihn und das alles nur ausgedacht?©dtv Verlagsgesellschaft

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Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims

Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims
Titel: Meine Schwester lebt auf dem Kaminsims
Originaltitel: My Sister lives on the Mantelpiece
Autor: Annabel Pitcher
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren (meine persönliche Meinung)
Verlag: Goldmann Verlag
Format: Hardcover, 224 Seiten
ISBN: 978-3442312535


Kauft doch wieder mal in der örtlichen Buchhandlung ein!

Seit der zehnjährige Jamie ein Spider-Man-T-Shirt von seiner Mutter geschenkt bekommen hat, weigert er sich, es wieder auszuziehen, immerhin will er es anhaben, wenn sie ihn besuchen kommt. Sie hat es ihm versprochen, doch wie so viele Versprechen in letzter Zeit, scheint auch dieses eine Lüge gewesen zu sein.
Seit dem Tod seiner Schwester Rose, versinkt sein Vater in Trauer und versucht sich mit Alkohol zu betäuben, seine Mutter ist verschwunden und seine andere Schwester Jas hat beschlossen, nicht mehr zu essen und Jamie? Er möchte einfach nur, dass seine Familie wieder zueinander findet.

Once again, ein Buch was seit Jahren in meinem Regal steht und traurig auf eine Lesereise gewartet hat. 2012 ist die Hardcoverausgabe erschienen und ich denke, genauso lange steht es schon bei mir. Damals hatte ich das erste Kapitel gelesen und fand es mittelmäßig und hab dann doch lieber etwas anderes gelesen.
2016 ist dann „Schweigen ist Goldfisch“ erschienen, was ich sofort weggelesen habe, nur um dann zu schauen, was die Autorin noch so geschrieben hat, damit ich mir sofort alle Bücher holen kann – die Überraschung, ein Buch steht schon längst im Regal und dann wieder der Vorsatz, es nun doch wirklich endlich zu lesen.
Ein Jahr später, nach oftmaligen in der Hand halten und wieder weglegen, war der große Moment gekommen, um zum Schluss zu dem Fazit zu kommen, was für ein riesiger Vollidiot ich war, das Buch nicht viel früher gelesen zu haben.

Aber der Reihe nach – erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des zehnjährigen Jamie, der vor 5 Jahren seine Schwester Rose bei einem Terroranschlag in London verloren hat. Er kann sich nicht wirklich an sie erinnern, trauert deswegen nicht stark, doch die Menschen um ihn trauern. Sein Vater versinkt im Alkohol und Himmel, was habe ich ihn an manchen Stellen gehasst. In seiner Trauer wird er blind für alles um sich.
Mehr gehasst habe ich eigentlich nur noch Jamies Mutter, die in dem Buch eigentlich gar nicht vorkommt, aber eben durch ihre Abwesenheit umso präsenter ist. Sie hat es irgendwann nicht mehr ausgehalten und hat die Familie verlassen, interessiert sich, so hatte ich das Gefühl, überhaupt nicht mehr, für ihre zwei Kinder.
Und dann ist da Jas, die Schwester von Jamie und die eineiige Zwillingsschwester von Rose. Eine besondere Situation, für Jas, weil sie sich dem Druck gegenübersieht, für Rose ein Leben mitzuleben, für ihren Vater, weil er jeden Tag sieht, was aus Rose hätte werden können.

Als Jamie an eine neue Schule wechselt, lernt er Sunya kennen, die mit ihm in die selbe Klasse kommt und er sieht sich einen Problem gegenüber. Sunya ist Muslimin und Muslime haben seine Schwester getötet, kann er jetzt überhaupt mit ihr befreundet sein? Diese Zerrissenheit, man spürt sie die Geschichte hindurch. Einerseits findet er Sunya sehr nett, hat viel Spaß mit ihr, andererseits hat er immer die Worte seines Vaters im Kopf, dass die doch alle gleich sind. Eine aktuelle Thematik, die nicht besser hätte umgesetzt sein können.

Jamie ist zehn Jahre alt, weshalb das Buch auch sprachlich relativ leicht gehalten ist, wobei sich die Meinungen bezüglich der Altersempfehlungen uneinig sind. Die englische Ausgabe war ab 12 Jahren empfohlen, für die deutsche gab es dann gar keine Empfehlung mehr, weil es wohl gleich als Belletristik eingeordnet wurde.
Für mich ist die Entscheidung gefallen, es als Jugendbuch zu sehen, weil ich denke, man diese nicht unterschätzen sollte. Sicherlich, hier geht es um ein sehr ernstes Thema, aber leider gehört es auch zu unserem Alltag dazu, was ich vielleicht hochsetze ist das Alter von 12 auf 14.

Die letzten 100 Seiten wollte ich mir für zwei Tage einteilen, was aber letztlich vollkommen unmöglich war, weil ich einfach an der Geschichte klebte und Jamie nicht loslassen wollte. Es ist so, normalerweise verdrücke ich bei Büchern nur manchmal ein Tränchen, nicht viel mehr, doch hier habe ich eher so ausgesehen:

Ernsthaft, die letzten 20 Seiten haben mir das Herz gebrochen. Ich weinte, das Taschentuch in einer Hand, in der anderen das Buch, weil ich unbedingt weiterlesen wollte, aber durch die Tränen nicht wirklich viel gesehen habe.

Zwei tolle Rezension zu dem Buch findet ihr auch hier:
Das Bücherei
Bookwives

Nebel im August – Filmbuch

Nebel
Titel: Nebel im August
Autor: Robert Domes
Genre: Jugendbuchbuch ab 13 Jahren
Verlag: cbj
Format: Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3570304754

 

 

Inhalt:
Deutschland, 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von Jenischen, „“Zigeuner“, wie man damals sagt. Die Behörden sehen in ihm ein schwieriges Kind, schon bald hat er eine lange Heimkarriere hinter sich, bis er schließlich – obwohl vollkommen gesund – in die psychiatrische Klinik in Kaufbeuren eingewiesen wird. Diese Station wird seine letzte: In der Nacht zum 9.August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Rechtfertigt wird es damit, das Ernst Lossa ein „asozialer Psychopath“ und somit „unwertes Leben“ war.

Meine Meinung:
Ernst Lossa wurde 1929 in Augsburg, als ältestes von vier Kindern, in einer Jenischen Familie, geboren. Jenische, so steht es auch im kurzes Wörterbuch am Schluss des Buches, waren Landfahrer. Ernst ist es immer sehr wichtig, dass man ihn nicht als Zigeuner betitelt, weil als solchen sah er sich nicht, doch die Welt, hat ihn einfach in die gleiche Schublade gesteckt. Jenische/Zigeuner, waren zur damaligen Zeit nicht sonderlich angesehen. Als die Mutter an Schwindsucht erkrankt und der Vater geschäftlich längere Zeit unterwegs ist, werden die 4 Kinder in verschiedene Heime untergebracht. Ernst ist damals vier Jahre alt.

Vier Jahre. Dieses Alter musste ich mir immer wieder vor Augen halten, wenn ich die Abschnitte las. Nachträglich betrachtet, kann man sagen, was Ernst dort hatte, war keine Kindheit. Härte und Strafen überschatteten den Alltag und auch die älteren Zöglinge machten sich einen Spaß daraus, auf den Kleineren herumzuhaken. Wie es den Kindern geht, dass hat damals niemanden interessiert, sie sollten nur funktionieren. Ernst funktionierte aber nicht so, wie sie wollten, rasch galt er als schwer erziehbar. Was schwer erziehbar heißt? Nun, er begann regelmäßig zu stehlen. Warum er stahl fragte niemand in den Heimen und auch im Buch wird es niemals richtig aufgedacht, man kann sich vielleicht nur denken, dass er einfach etwas besitzen wollte, was ihm ganz alleine gehört.

Prägend war für mich der Abschnitt, wo er der Ärztin verspricht, wirklich alles in seiner Macht stehende zu tun, um nicht mehr zu stehlen, dass er sich wirklich anstrengen möchte, weil ja, es ist zu einer Art Sucht für ihn geworden. Die Ärztin nickt wohlwollend und schreibt im gleichen Atmzug in seine Akte, dass er ein unbelehrbarer Psychopath ist, für den man keine gute Prognose stellen kann.

Irgendwann landet er dann in der Psychiatrie, weil die Heime alle aufgeben, sich mit diesen „unerziehbaren“ Jungen nicht auseinandersetzen möchten. Dort lernt er die unterschiedlichen Menschen kennen und fügt sich gut in das Leben dort ein. Hinter der Klinik liegt ein großer Friedhof, für eine durchschnittliche Klinik, ein viel zu großer Friedhof. Ernst sucht nach Antworten und jemand der zu viele Fragen aufwirft, ist schnell im Weg.

Kennt man den Klappentext, weiß man wie die Geschichte enden wird und dieses Ende hängt über dem ganzen Buch. In der Filmausgabe ist auf der 3.Seite das Originalkrankenbild von Ernst abgebildet und ich habe mehr als einmal während des Lesens dorthin geblättert, in sein Gesicht geschaut, was mich gefangen genommen hat, was mich die Biografie des Jungen noch mehr spüren ließ. Das Buch, es ist wie ein Schraubstock um das Herz. Keine Fiktion und deswegen noch ein Stück schmerzhafter.

Allerdings und so ehrlich muss ich sein, hat das Buch etwas an sich, was ich nicht mag und zwar: Ernst. Entweder lag es wirklich daran, dass ich versucht habe, auf eine extreme emotionale Distanz zu gehen, aber ich las seine schreckliche Lebensgeschichte und mit jeder Seite mochte ich ihn weniger. War zu Beginn nach viel Mitgefühl vorhanden, riegelte sich scheinbar irgendwann mein Herz vor den Begebenheiten ab.
Es nimmt der Geschichte, die man niemals vergessen werden darf, nicht den Schrecken. Und doch ist es auf eine Art und Weise so unvorstellbar für mich, dass es Realität war, vor gar nicht allzu langer Zeit, dass meine Gefühle sich davor verschlossen haben.

Die Verfilmung des Buches und der Lebensgeschichte von Ernst Lossa startete am 29.September 2016 in den Kinos.