Dunkler Wahn


Titel: Dunkler Wahn
Autor: Wulf Dorn
Genre: Thriller
Seiten: 432
ISBN: 978-3453267053

Erste Sätze:
Liebster Jan,
keine Geschichte hat ein Happy End. Mag Richard Gere noch tausendmal die Feuerleiter emporsteigen und seine Pretty Woman küssen, es ist alles nur Illusion.
Denn wie sehr wir auch darauf hoffen, wie sehr wir es uns auch ersehnen mögen, der Kuss vor dem Abspann ist dennoch eine Lüge. Er ist der als Ende getarnte Beginn.

Klappentext:
Sie liebt.
Sie lauert.
Sie tötet.

Ein Rosenstrauß ohne Absender. Geschenke vor der Haustür.
Briefe unter dem Scheibenwischer…
Der Psychiater Jan Forstner wird von einer Unbekannten mit Liebesbezeugungen überhäuft. Anfangs glaubt Jan noch an die harmlose Schwärmerei einer ehemaligen Patientin. Doch dann bittet ihn ein Journalist um Mithilfe im Fall einer geistig gestörten Person und wird kurz darauf ermordet.  Jan erkennt, dass er ins Visier einer Wahnsinnigen geraten ist. Und seine Verfolgerin schreckt vor nichts zurück.

Meine Meinung:
Der Psychiater Jan Forstner arbeitet in der Waldklinik am Fahlenberg, dort beginnt auch der Alptraum seines Lebens. Zuerst bekommt er dort nur einen harmlosen Strauß Rosen hingeschickt, allerdings nehmen die Dinge schnell ihren Lauf und es kommt zu seltsamen Anrufen und Zeichnungen, die ihm schnell zeigen, dass die Situationen alles andere als harmlos ist.
Der  Journalist Nowak bittet bei Jan Forstner um einen Termin, um was es geht, will oder kann er am Telefon nicht sagen. Zu einem Treffen der Beiden wird es allerdings nicht mehr kommen, dafür ist Nowak zu tot.  Zufall, oder hat jemand die Kontaktaufnahme absichtlich verhindert?

Das Buch ist in relativ kurze Kapitel unterteilt, wobei man einerseits die Geschichte aus der Sicht von Jan Forstner, aber auch von seiner Stalkerin liest. Man durchlebt die Ängste und Sorgen eines Stalkingsopfer, die Ausweglosigkeit und das Unverständnis für die andere Person. Allerdings taucht man auch in die absurde Welt eines Stalkers ab, verfängt sich in seiner abgrundtiefen Liebe, die nur in deren Fantasie besteht, so seltsam eine Handlung auch erscheinen mag, ihn ihren Augen ist es eine richtige und notwendige Entscheidung.

Noch eine andere Sicht spielt im Buch eine wichtige Rolle, die des örtlichen Priesters Felix Thanner. Diesen beichtet die Stalkerin, was sie gemacht hat, da er allerdings der Schweigepflicht unterstellt ist, darf er niemand etwas von ihren Taten erzählen. Diese Unfähigkeit zu handeln zerreißt ihn beinahe, er schwankt zwischen nichts tun, die Stalkerin weiter ihren Wahn ausleben zu lassen, oder zu handeln, dadurch allerdings sein Priesteramt aufs Spiel zu setzen. Diese Geschichte hat eine eigene Dynamik, weil man sich zum ersten Mal Gedanken darüber macht, was wohl alles bei so einer Beichte ausgesprochen, manchmal danach auch verhindert werden könnte.

An einem Punkt des Buches denkt man, die Stalkerin ausgemacht zu haben, aber am Ende wird einem schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint. Wer die Stalkerin ist, wird zu einer guten Überraschung, allerdings ist es ein ziemlich durchwachsender Schluss. Unerwartet sicherlich, allerdings auch etwas seltsam. Es mag daran liegen, aber mir fehlt bei diesem Thriller der letzte Kick.
Manchmal legt man ein Buch weg und denkt: Wow, was für ein Buch, was für ein Ende. So etwas gab es hier nicht für mich, generell bin ich nicht 100% von der Geschichte überzeugt. Zwar lässt sich alles flüssig und gut lesen, aber wie gesagt, der Feinschliff fehlt einfach.

Die Geschichte kann zwar auf der psychologischen Ebene schon sehr überzeugen, allerdings kommt es immer wieder zu kleine Ungereimtheiten, Situationen wirken zu konturiert und die Spannung fehlt auch in manchen Zügen.

Fazit:
Ein akzeptabler Thriller, der an manchen Stellen zu gewollt wirkt.

Der Seelenbrecher


Titel: Der Seelenbrecher
Autor: Sebastian Fitzek
Genre: Thriller
Seiten: 368
ISBN: 978-3426637920

Erste Sätze:
Zum Glück war alles nur ein Traum. Sie war nicht nackt. Und ihre Beine waren auch nicht an diesen vorsintflutlichen Gynäkologenstuhl gefesselt, während der Wahnsinnige auf einem verrosteten Beistelltisch seine Instrumente sortierte.

Klappentext:
Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den „Seelenbrecher“ nennt, genügt: Als die Frauen wieder auftauchen, sind sie psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. In der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt…

Meine Meinung:
Ein Professor sucht freiwillige für ein Experiment, in dem sie eine Patientenakte durchlesen müssen, die im Nachlass eines Psychiaters gefunden wurde. Einige Studenten wollen teilnehmen, doch nachdem sie eine Einführung gelesen haben und unterschreiben sollten, dass für psychische und physische Schäden keine Haftung übernommen würde, kommt doch Angst auf. Letztlich bleiben nur zwei Personen übrig, die es wagen die Akte zu lesen.

Damit fängt das Buch an, bildet die Einführung, anschließend liest man wie die Studenten, die Patientenakte. Geschrieben ist sie beinahe wie ein Roman, dessen Hauptprotagonist der Seelenbrecher ist. Hauptteil der Akte ist allerdings die Beschreibung einer Nacht vor vielen Jahren als der Seelenbrecher zu seinen Finale ansetzte.

„Der Seelenbrecher“ war mein erstes Buch von Sebastian Fitzek und nachdem was ich alles von ihm gehört habe, waren meine Ansprüche doch sehr hoch. Nach den ersten fünfzig Seiten war ich mir kurz unsicher, ob er wirklich ein Meister des Psychothrillers ist, da mir ehrlich gesagt, ein wenig langweilig wurde. Es fiel mir schwer, mich in die Geschichte einzufinden.
Diese Startschwierigkeiten haben mich etwas entmutigt, wie sich herausstellen sollte, völlig unbegründet.

Die Geschichte entwickelt nach einiger Zeit eine wahnsinnige Eigendynamik, dass sich das Buch beinahe von selbst liest. Man taucht immer mehr in die Welt der psychiatrischen Klinik ein, lernt die verschiedensten Menschen kennen und stellt auch schon erst Vermutungen an, wer der Seelenbrecher sein könnte.

Hauptfigur des Thrillers ist Caspar, ein Patient der Psychiatrie, der bewusstlos auf dem Klinikgelände aufgefunden wurde und sich an nichts mehr erinnern kann. Ihm wird eine Amnesie diagnostiziert, wobei es immer wieder zu Erinnerungsblitzen kommt, die langsam seine eigene Geschichte erzählen.
Besonders die Nacht des Seelenbrechers hilft ihn sehr dabei, zu verstehen, was eigentlich genau da vor sich geht.

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, kann ich verstehen weshalb Sebastian Fitzek so erfolgreich ist. Zwar lese ich nicht viele Thriller, doch unter den wenigen, war „Der Seelenbrecher“ definitiv der Beste. Es hat einfach alles gestimmt, die Geschichte war spannend, überraschend und sehr gut geschrieben.

Gesagt sei allerdings: besonders blutig geht es im Thriller nicht zu, wer also eher so etwas bevorzugt, wird hier nicht auf seine vollen Kosten kommen.

Fazit:
Ein Psychothriller der Extraklasse und garantiert nicht mein letztes Buch von Sebastian Fitzek.