Dunkler Wahn


Titel: Dunkler Wahn
Autor: Wulf Dorn
Genre: Thriller
Seiten: 432
ISBN: 978-3453267053

Erste Sätze:
Liebster Jan,
keine Geschichte hat ein Happy End. Mag Richard Gere noch tausendmal die Feuerleiter emporsteigen und seine Pretty Woman küssen, es ist alles nur Illusion.
Denn wie sehr wir auch darauf hoffen, wie sehr wir es uns auch ersehnen mögen, der Kuss vor dem Abspann ist dennoch eine Lüge. Er ist der als Ende getarnte Beginn.

Klappentext:
Sie liebt.
Sie lauert.
Sie tötet.

Ein Rosenstrauß ohne Absender. Geschenke vor der Haustür.
Briefe unter dem Scheibenwischer…
Der Psychiater Jan Forstner wird von einer Unbekannten mit Liebesbezeugungen überhäuft. Anfangs glaubt Jan noch an die harmlose Schwärmerei einer ehemaligen Patientin. Doch dann bittet ihn ein Journalist um Mithilfe im Fall einer geistig gestörten Person und wird kurz darauf ermordet.  Jan erkennt, dass er ins Visier einer Wahnsinnigen geraten ist. Und seine Verfolgerin schreckt vor nichts zurück.

Meine Meinung:
Der Psychiater Jan Forstner arbeitet in der Waldklinik am Fahlenberg, dort beginnt auch der Alptraum seines Lebens. Zuerst bekommt er dort nur einen harmlosen Strauß Rosen hingeschickt, allerdings nehmen die Dinge schnell ihren Lauf und es kommt zu seltsamen Anrufen und Zeichnungen, die ihm schnell zeigen, dass die Situationen alles andere als harmlos ist.
Der  Journalist Nowak bittet bei Jan Forstner um einen Termin, um was es geht, will oder kann er am Telefon nicht sagen. Zu einem Treffen der Beiden wird es allerdings nicht mehr kommen, dafür ist Nowak zu tot.  Zufall, oder hat jemand die Kontaktaufnahme absichtlich verhindert?

Das Buch ist in relativ kurze Kapitel unterteilt, wobei man einerseits die Geschichte aus der Sicht von Jan Forstner, aber auch von seiner Stalkerin liest. Man durchlebt die Ängste und Sorgen eines Stalkingsopfer, die Ausweglosigkeit und das Unverständnis für die andere Person. Allerdings taucht man auch in die absurde Welt eines Stalkers ab, verfängt sich in seiner abgrundtiefen Liebe, die nur in deren Fantasie besteht, so seltsam eine Handlung auch erscheinen mag, ihn ihren Augen ist es eine richtige und notwendige Entscheidung.

Noch eine andere Sicht spielt im Buch eine wichtige Rolle, die des örtlichen Priesters Felix Thanner. Diesen beichtet die Stalkerin, was sie gemacht hat, da er allerdings der Schweigepflicht unterstellt ist, darf er niemand etwas von ihren Taten erzählen. Diese Unfähigkeit zu handeln zerreißt ihn beinahe, er schwankt zwischen nichts tun, die Stalkerin weiter ihren Wahn ausleben zu lassen, oder zu handeln, dadurch allerdings sein Priesteramt aufs Spiel zu setzen. Diese Geschichte hat eine eigene Dynamik, weil man sich zum ersten Mal Gedanken darüber macht, was wohl alles bei so einer Beichte ausgesprochen, manchmal danach auch verhindert werden könnte.

An einem Punkt des Buches denkt man, die Stalkerin ausgemacht zu haben, aber am Ende wird einem schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint. Wer die Stalkerin ist, wird zu einer guten Überraschung, allerdings ist es ein ziemlich durchwachsender Schluss. Unerwartet sicherlich, allerdings auch etwas seltsam. Es mag daran liegen, aber mir fehlt bei diesem Thriller der letzte Kick.
Manchmal legt man ein Buch weg und denkt: Wow, was für ein Buch, was für ein Ende. So etwas gab es hier nicht für mich, generell bin ich nicht 100% von der Geschichte überzeugt. Zwar lässt sich alles flüssig und gut lesen, aber wie gesagt, der Feinschliff fehlt einfach.

Die Geschichte kann zwar auf der psychologischen Ebene schon sehr überzeugen, allerdings kommt es immer wieder zu kleine Ungereimtheiten, Situationen wirken zu konturiert und die Spannung fehlt auch in manchen Zügen.

Fazit:
Ein akzeptabler Thriller, der an manchen Stellen zu gewollt wirkt.

Schneeengel


Titel: Schneeengel
Originaltitel: Dancing through the Snow
Autor: Jean Little
Genre: Jugendbuch (ab 10 Jahren)
Seiten: 258
ISBN: 978-3401502335

Erste Sätze:
Min Randall saß auf einer Bank neben dem Parkplatz der Royal Bank und fragte sich, wie lange es noch dauern würde, bis ihre Pflegemutter Enid Bangs endlich die Filiale verließ.
„Beweg dich nicht vom Fleck, bis ich wiederkomme“, hatte sie gesagt, bevor sie verschwunden war.

Klappentext:
Die elfjährige Min ist ein Pflegekind, so lange sie denken kann. Kurz vor Weihnachten ist es wieder einmal so weit: ihre Pflegeeltern wollen sie loswerden. Aber das ist nichts Neues. Das war schon immer so. Doch warum will die Ärztin Jess sie plötzlich bei sich aufnehmen?
Jess überhäuft sie mit Aufmerksamkeiten und schenkt ihr sogar einen kleinen Hund. Kann Min es dies Mal wagen, Vertrauen zu fassen?

Meine Meinung:
Im Alter von drei Jahren wurde Minerva (Min) auf der Toilette eines Vergnügungsparks ausgesetzt, seitdem wandert sie von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Einzig Mrs Willis, die Sachbearbeiterin am Jugendamt, bleibt eine Konstante in ihrem Leben. Vor Weihnachten ist es wieder soweit, ihre Pflegefamilie entscheidet sich dazu, Min abzugeben, da sie mit der Distanziertheit des Mädchens nicht umgehen können. Sie haben nicht das Gefühl, jemals ihr Vertrauen zu erhalten, was bei ihrem Verhalten nicht sonderlich verwundert.
Mit dem Gedanken, Weihnachten in einem Heim, oder wieder wo Fremdes verbringen zu müssen, beginnt Min sich noch mehr von den Menschen zurückzuziehen, langsam gibt sie es auf, dass es für sie einen Platz gibt, an dem sie bleibt und einfach geliebt wird.
Alles ändert sich jedoch als die die Ärztin Jessica Hart am Jugendamt auftaucht und mit anhört, wie die Pflegemutter über Min redet, ihr ist klar – jetzt muss gehandelt werden. Kennt sie es doch selbst, wie es sich anfühlt, keine Familie zu haben, nirgendwohin zu gehören.

Was für ein Buch. Man erfährt langsam mehr über Min’s Leben, ihre Vergangenheit, aber besonders ihre Gefühlswelt wird einem authentisch aufgezeigt. Selbst spricht sie nicht sonderlich gerne, was es für ihre Umwelt schwer macht, Verständnis für sie zu finden, aber dem Leser werden auch ihre Gedanken näher gebracht und so fühlt man einfach sehr mit dem Mädchen mit, was noch so jung ist und trotzdem schon so viel Last auf ihren Schultern tragen muss.

Wir steigen in die Geschichte ein, dass ihre Pflegemutter, Min zum Jugendamt bringt, um sie dort „abzugeben“. Auf diesem Weg lernen wir auch Dr. Hart kennen, die Min von einem Krankenhausaufenthalt kennt und die immer schon eine Verbindung zu ihr empfand. Ich mag Dr.Harts spontane Handlung, ihre Offenheit, aber vor allem ihren Witz. Besonders durch sie kommt es immer wieder zu sehr lustigen Situationen, die die Geschichte ein wenig auflockern.
Was ich sagen kann, Min kommt zu Jessica Hart und wohnt für einige Zeit bei ihr. Im Buch wird das Zusammenleben der Beiden geschildert, ihre Probleme, aber auch die Ausdauer von Jessica, die Min alle Zeit der Welt lässt, bis sie sich öffnet.  Dr.Harts eigene Geschichte wird erst später im Buch erzählt, macht aber dann deutlich, warum gerade sie versucht Min ein zu Hause zu schenken.

Im Buch kommen auch Hunde vor und es ist wunderbar, wie es der Autorin gelingt, eine Parallele zwischen Mensch und Tier zu ziehen. Auch bei Emily/Daisy (Hund) geht es um Vertrauen, was verloren scheint, erst wieder aufgebaut werden muss und um die viele Zeit die dafür notwendig ist, aber auch darum, dass sich alles letztlich lohnt.

Das Cover ist sehr weihnachtlich, es sind glitzernde Schneeflocken drauf, aber es ist definitiv nicht nur ein Winterbuch, zwar spielt die Geschichte zu dieser Zeit, aber diese Wärme die durch sie vermittelt wird, kann man das ganze Jahr gebrauchen.

Kritik gibt es für dieses Buch keine, alles passt zusammen, die Geschichte ist so wie sie ist nachvollziehbar und beeindruckend. Man liest und liest, vergisst die Welt um sich und hat das Gefühl, direkt mit Min verbunden zu sein.

Fazit:
Das Buch ist großartig, sollte unbedingt gelesen werden, von jedem. Ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, niemanden wird es kalt lassen.

Herzsprung


Titel: Herzsprung
Autor: Brigitte Blobel
Genre: Jugendbuch
Seiten: 223
ISBN: 978-3401025445

Erste Sätze:
Beim Frühstück, wenn Michael und mein kleiner Halbbruder Tom noch schlafen, denke ich manchmal: Warum sagt sie nichts? Warum fragt Mutter mich nie? Warum hat sie mich so viele Jahre lang nicht gefragt?
Aber vielleicht weiß sie ja alles.

Klappentext:
Nina lebt in einer nach außen hin perfekten Familie. Doch sie trägt schwer an einem Geheimnis, von dem niemand etwas ahnt – Nina wurde von ihrem Stiefvater sexuell mißbraucht. Kurz vor ihrem 15. Geburtstag steht Nina vor der Entscheidung, ihr Geheimnis preiszugeben: Sie ist verliebt.

Meine Meinung:
Als Nina knapp über 8 Jahre alt ist, findet ihre Mutter in Michael den perfekten Partner. Er ist verantwortungsbewusst, akzeptiert Nina wie eine eigene Tochter und ist nach außen hin der fürsorgliche Familienvater. Was niemand weißt, ab ihrem neunten Lebensjahr beginnt er das Mädchen sexuell zu missbrauchen. Aus Scham und Angst schweigt sie, redet ihr doch der Stiefvater all die Jahre ein, sie würde ihre Familie zerstören und in einem Heim landen, wenn sie ein Wort über die Sache verliert. So schweigt sie.

Die Geschichte wird aus der Sicht der 14-jährigen Nina erzählt, die mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihrem Halbbruder zusammenwohnt. Nach all den Jahren schweigt sie immer noch und ist sich sicher, niemals jemanden etwas über ihr Geheimnis zu erzählen, hat sie doch leider die Erfahrung gemacht, dass ihr sowieso nicht geglaubt wird. Zwar hat ihr Stiefvater sie seit etwa einem Jahr nicht mehr missbraucht, doch bleibt trotzdem die Erinnerung, die sie jeden  Tag verfolgt.
Auf den ersten Blick wirkt Michael, ihr Stiefvater, durchaus sympathisch, kümmert er sich doch aufopferungsvoll  um die Familie. Er unternimmt viel mit ihnen, spielt liebevoll mit seinem Sohn und kümmert sich um Nina. Besonders diese Tatsache fand ich sehr gut umgesetzt, dieses Versteckspiel: da ist der gute Vater, um den alle Nina bewundern und auf der anderen Seite sind da diese Momente, in denen er sich verändert – diese Veränderungen hat er nur gegenüber Nina, der Rest der Familie bekommt davon nichts mit, oder möchte nichts davon mitbekommen.

Zwar ist in Nina immer schon der Wunsch vorhanden, mit jemanden über die Geschehnisse zu sprechen, doch weiß sie nicht, an wen sie sich wenden darf, wer sie deswegen nicht ablehnen würde.
Florian ist für sie zuerst nur irgendein Junge, den sich auf einer Party kennenlernt. Wie Jungs in diesem Alter sind, versucht er Nina nahe zu kommen, hat er sich doch in sie verliebt. Zuerst findet sie in viel zu aufdringlich, nimmt er sich doch einfach so in den Arm, was sie nicht aushält. Berührungen wecken düstere Erinnerungen in ihr, sie reagiert mit Wut und Ablehnung, doch anstelle von Ruhe zu geben, bemüht sich Florian nur noch umso mehr um sie. Merkt, dass sie ein Geheimnis in sich trägt, was sie langsam zerfrisst. Er hört ihr zu, scheint zu merken, wann sie Nähe ertragen kann und wann nicht. Langsam fasst auch Nina Vertrauen zu ihm und steht vor der Entscheidung, ob sie ihrer Liebe eine Chance geben soll. Liebe würde bedeuten, dass er ihr Geheimnis kennenlernen würde, doch ob er es ertragen kann? Ich mag Florian, besonders sein Verhalten. Er bemüht sich um Nina, zu Beginn ist er ziemlich aufdringlich, doch sobald er merkt, dass Nina ihren Freiraum braucht, versucht er ihn ihr zu geben, hat er doch eigentlich auch ein Geheimnis. Ihn zu haben, ist für sie ein wahrer Glücksgriff.
Ninas Stiefvater steht dieses Liebe skeptisch gegenüber, merkt er doch selbst, dass ihr gemeinsames „Geheimnis“ in Gefahr ist, so setzt er sie immer mehr unter Druck, wieder auf diese Art und Weise, dass die Familie es scheinbar nicht mitbekommt.

Ich glaube, dieses Jugendbuch ist das Beste, was ich zu diesem Thema je gelesen habe. Man spürt direkt Ninas Zerrissenheit, ihr Verlangen endlich über den Missbrauch zu sprechen, allerdings auch die Angst, über all die möglichen Konsequenzen. Auch der Stiefvater ist sehr gut beschrieben, er wirkt wie ein vollkommener Vater, nur bei Nina zeigt er sein wahres Gesicht.

Fazit:
Sexueller Missbrauch passiert überall, auch in Familien, in denen man es auf den ersten Blick nicht vermutet, wirken sie doch alle glücklich. Hinter der Fassade sieht es oft anders aus, „Herzsprung“ gibt einen Blick auf das undenkbare frei. Lesenswert.

Traumwelten

Titel: Traumwelten
Autor: Karsten Eckert
Genre: Belletristik
Seiten: 262
ISBN: 978-3869911137

Erste Sätze:
„Endlich Feierabend“ schrie es vor Freude in Julia, als sie die Tür der kleinen Damenboutique zuschloss. Es war kurz nach zwanzig Uhr und langsam kehrte Ruhe in der Innenstadt und der großen Einkaufsstraße ein. Es gab aber einen noch viel wichtigeren Grund, warum Julia sich so überaus auf ihren Feierabend freute. Zwei Wochen Urlaub.

Klappentext:
Die junge Verkäuferin Julia begibt sich auf eine außergewöhnliche Reise ins Ich. Tagträume führen die schüchterne und zurückgezogen lebende junge Frau durch das Leben vieler verschiedener, besonderer Menschen. Die geistige Reise führt sie durch alle Gesellschaftsschichten und lässt Julia ihr eigenes Leben in Frage stellen. Mit der Zeit wird ihr immer klarer, dass sie diese Selbstfindungsreise nicht allein steuert, sondern von jemand anderem geleitet wird.
Aber von wem?

Inhalt:
Das Leben der jungen Verkäuferin Julia wird von ihrer Schüchternheit dominiert. In ihrem Urlaub beschließt sie, etwas an der ganzen Situation zu ändern, in dem sie eine Reise unternimmt – eine Gedankenreise. An jedem ihrer Urlaubstage begibt sie sich unter Menschen, sucht sich solche, die auf den ersten Blick interessant wirken und träumt über ihr Leben. Wer sind sie? Warum machen sie, was sie machen? Wohin gehen sie? Worauf warten sie? usw.
Jeder dieser Lebensträume ist nicht nur eine Reise in die Welt von fremden Menschen, nein, für Julia wird es eine einzigartige Selbstfindungsreise.

Meine Meinung:
Zu Beginn hatte ich einige Startschwierigkeiten mit der Geschichte, wobei kein richtiger Grund nennbar wäre, allerdings ist auch zu erwähnen, dass ich nach 40 Seiten mich auf das Buch einlassen konnte und danach sind alle Hindernisse vom Anfang wie weggeblasen.
Julia ist auf den ersten Seiten ein leeres Blatt, man findet relativ langsam einen Zugang zu ihr und hat man ihn mal, kann ich trotzdem nicht sagen, dass sie mir sympathisch wäre.
Normalerweise ein k.o. Kriterium für ein Buch, nicht so bei Traumwelten. Zwar steht auf den Klappentext, dass es sich bei der Geschichte um eine Selbstfindungsreise handelt, für mich ist es aber eine Gesellschaftsstudie. Die Tagträume sind anfangs etwas ungewohnt, aber mit jedem weiteren verliert man sich in den verschiedenen Lebensgeschichten, hat deutlich ein Bild vor Augen, weil es dem Autor gelingt, so viel Realität in die Träume zu bringen, dass der Leser einfach mitfühlen muss.
Und diese greifbare Realität wird zu einem Kritikpunkt, weil sie nicht bis zum Ende durchgehalten wird. Das Ende ist so gewollt, so unrealistisch und lässt einen einfach unzufrieden zurück. Die Geschichte thematisiert großartig das Thema Schüchternheit und die daraus resultierenden Folgen, ein Problem, welches ich noch nie so deutlich thematisiert in einem Buch las, vermutlich hätte ich mir deswegen einfach ein vorstellbares Ende zum Abschluss gewünscht.

Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, eigentlich nur eine Sache daran und die lässt sich am leichtesten an einem Beispiel zeigen:
Noch einen Tag zuvor hätte Julia beide Beine unter die Hand genommen und wäre fort gerannt, aber heute war einer ihrer besseren Tage. Julia versuchte die Menge an Anwesenden halbwegs zu genießen.
Die Veränderung war Julia durchaus bewusst, gekonnt verdrängte sie die Tatsache wie alle Gedanken, die sich als störend erweisen könnten.(Seite 33)
Aufgefallen? Durchgehend kommt es im Buch immer wieder zu Wortwiederholungen, besonders was die Personennamen betrifft. Anfangs war ich schon sehr genervt davon, weil ich mir dachte: ist gut, langsam habe ich kapiert, dass es die Geschichte von Julia ist usw., nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran.
Im Buch gibt es einige Rechtschreibfehler, was für den Gesamteindruck schon etwas störend ist, wobei sie dem Lesefluss nicht wirklich beeinflussen.

Trotz aller Kritik überwiegt letztlich doch das Positive. Traumwelten ist ein Buch, was mit keinem anderen vergleichbar wäre. Die Probleme mit der Schüchternheit, heißt Isolation und Einsamkeit, sind deutlich nachvollziehbar beschrieben, wenn auch Julia die Lage relativ leicht zu nehmen scheint – trotz erwähnter Selbstmordgedanken.
Die Tagträume lassen einen mitfühlen und über die Menschen nachdenken, über ihre Gründe hinter vielen Handlungen.

Fazit:
Zwischen einigen Schwachstellen verbirgt sich eine wunderbare Geschichte, die zum Nachdenken anregt.

Die verborgene Stadt – Das Opfer

Titel: Die verborgene Stadt – Das Opfer
Originaltitel: Knight Commander – The Secret City 2
Autor: Vadim Panov
Genre: Fantasy
Seiten: 576
ISBN: 978-3453527157

Erste Sätze:
Dieser Vertrag ist unverbrüchlich.
Dieser Vertrag ist ewig.
…kraft des Willens der Herrscherhäuser verbieten wir von nun ab und für alle Zeit unter Androhung von Tod und Verdammung all jene Zauber, die imstande sind, die Welt zu vernichten, oder deren Wirkung unabsehbar ist oder…
… somit seien die folgenen Zauber mit dem Verbote velegt: das Herzblut der Erde, der Ruf des Teufels, die Sanduhr, das Traumarkan..
… die Erinnerung an jene Zauber soll für immer ausgelöscht sein und jegliches Wissen darüber ist in einem gesonderten Schriftwerk zu verwahren – im Buch der verbotenen Zauber, von dem jedes Herrscherhaus ein Exemplar erhält, das mit den Siegeln aller Herrscherhäuser verschlossen wird.

Klappentext:
Seit ewigen Zeiten existiert neben unserer Wirklichkeit eine andere, verborgene Welt. Eine Welt, in die sich die magischen Geschöpfe nach Jahrhunderten der Verfolgung durch die Menschen zurückgezogen haben.
Dieser geheime Ort nennt sich „Die verborgene Stadt“.
Doch nun ist er nicht mehr geheim…

Inhalt:
Ein neuer Fall beschäftigt den Sonderermittler Kornilow von der Moskauer Polizei. Ein perfider Serienmörder scheint die Stadt unsicher zu machen, alle Opfer weißen nämlich deutliche Merkmale auf: sie sind nackt, haben ein Brandzeichen auf der Stirn und ihnen fehlt die linke Hand.
Der Täter schlug in kürzester Zeit schon 19-mal zu, wobei nicht nur in Moskau, sondern weltweit, weshalb Kornilow schnell klar wird, dass es sich bei dem Mörder um jemanden aus der verborgenen Stadt handeln muss, der durch Ritualmorde versucht einen verbotenen Zauber durchzuführen.
Ein besonderes Opfer fehlt den Täter allerdings noch: Olga. Durch eine Berechnung des Geburtsdatum, der Geburtszeit und einer gewissen Sternenkonstellation, wurde sie als Person, die zur Vollendung des Zaubers benötigt wird, auserwählt.
Für Konrilow bedeutet das Ganze, dass er wieder in der verbotenen Stadt ermitteln muss, um die junge Frau zu schützen. Wobei er auch dieses Mal nicht alleine dasteht und Unterstützung vom Dunklen Hof erhält.

Meine Meinung:
Der zweite Teil der verborgenen Stadt „ Das Opfer“ steht dem ersten in nichts nach. Dieses Mal gilt es einen Zauberer zu stoppen der ein Traumarkan erschaffen möchte. Diese Traumarkan ist ein Zauber, der die Erfüllung eines beliebigen Wunsches ermöglicht. Allerdings gehört er zu den verbotenen Zaubern, da zu seiner Ausführung das Blut von zweiundzwanzig Opfern notwendig ist. Davon völlig unbeeindruckt, versucht trotzdem jemand ein Arkan zu erschaffen, was wieder die Söldner Cortes, Jana und jetzt auch Artjom auf den Plan ruft. Beauftragt vom Dunklen Hof, sollen sie herausfinden, wer hinter den Morden steht und die Person aufhalten. Durch Zufall treffen die Drei auf Olga, die junge Frau schwebt in größter Gefahr, weshalb sie sich ihrer annehmen und sie beschützen.
Auch der Sonderermittler der Moskauer Polizei Kornilow wird erneut mit diesem Fall betraut und versucht, durch die Entdeckung der verborgenen Welt im ersten Teil „Die Prophezeiung“ , mithilfe des Naw Santiago Licht ins Dunkle zu bringen.
Anders wie im ersten Teil, herrscht dieses Mal nicht eine sonderliche Verwirrungsgefahr, durch die vielen Herrschaftshäuser der verborgenen Stadt, da sie keine große Rolle spielen. Mehr wird sich hier mit einem Zauberer befasst, der extrem stark ist und diese Stärke dahingehend ausnützt, um einen verbotenen Zauber auszuüben. Natürlich wird schnell klar, wer der Zauberer ist und wen man im Augen behalten muss, doch trotzdem bleibt die Spannung erhalten. Zwar kennt man den Täter, muss ihn jedoch erst finden, was alles andere als leicht ist, wenn Morjanen die Suche erschweren. Diese Wandelwesen, sie können eine attraktive Frau, aber auch ein Mischwesen aus Frau und Bestie sein, in ihrer Kampfmontur sind aggressiv und kaum besiegbar. Durch diese kommt es immer wieder zu spannenden, aber auch berührenden Situationen.

Man kann durchaus mit dem zweiten Teil der Serie anfangen, ohne den ersten gelesen zu haben, weil es einfach nicht notwendig ist. Es wird relativ kurz und knapp immer wieder eine kurze Zusammenfassung in die Geschichte eingestreut, ohne jetzt wirklich zu viel vom ersten Teil zu verraten.
Auch hier handelt es sich wieder um einen abgeschlossenen Teil, wobei zum Schluss schon einige Fragen offen bleiben, die vermutlich im Teil drei „Die Hexe“ beantwortet werden, denn selbige taucht schon in der Mitte von „Das Opfer“ auf.

Fazit:
Für mich war „Das Opfer“ noch einen Deut besser als „Die Prophezeiung“, da ich dieses Mal das Buch wirklich kaum weglegen konnte.

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown

Titel: Die unglaubliche Geschichte des Henry
N. Brown
Autor: Anne Helene Bubenzer
Genre: Belletristik
Seiten: 480
ISBN: 978-3499252891

Erste Sätze:
Vor einer halben Stunde habe ich an der Sicherheitskontrolle Alarm ausgelöst. Die Schriftstellerin stellt ihre Tasche zum Durchleuchten auf das Band, und dann war es auch schon zu spät.

Klappentext:
„Das ist mein Leben. Hier erfahren Sie alles von mir. Und dass ich ein Bär bin, stört Sie doch nicht – oder?“

Henry N. Brown wird am 16.Juli 1921 geboren. Er erblickt das Licht der Welt, als ihm das zweite Auge angenäht wird. So beginnt ein Leben, wie es turbulenter nicht sein kann. Eine Odyssee durch Europa, durch das zwanzigste Jahrhundert, durch Krieg und Frieden, Angst und Hoffnung, Sehnsucht und Glück – gesehen durch die Augen und erlebt mit dem Herzen eines Teddybären.

Doch während all der Jahre hat niemand entdeckt, dass Henry einen kleinen Gegenstand in der Brust trägt, den er stür sich immer nur „Die Liebe“ nennt. Ein Geheimnis, das er sein ganzes Leben lang bewahrt und das nicht einmal er selbst kennt.

Inhalt:
Henry N. Brown wird am 16 Juli 1921 in England geboren. An diesem Tag beginnt eine lange Reise, die sich quer durch Europa ziehen wird. Der Leser begleitet Henry durch die Zeit, erlebt an seiner Seite Kriege, sieht durch seine Augen wahre Liebe, Freundschaft, aber auch die schmerzlichen Auswirkungen des Todes.
Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass es sich bei Henry N. Brown um einen Teddybären handelt. Unfähig zu sprechen, bleibt er für die Menschen der unterschiedlichen Zeiten aber immer eines: ein treuer Freund und Zuhörer.

Meine Meinung:
Ein Buch, erzählt aus der Sicht eines Teddybären? Klingt interessant und anders, was es letztlich auch ist.
Im stolzen Alter von über 80 Jahren findet sich Henry N. Brown auf einem Flughafen wieder. Er ist das Gepäcksstück einer Schriftstellerin, die durch seine Anwesenheit in Probleme gerät. In Henrys Brust befindet sich nämlich die Liebe, was das Röntgengerät am Airport zeigt. Geschürt von Terrorängsten beschließen die Flughafenangestellten seine Brust zu öffnen, um sicher zu gehen, dass sich nicht gefährliches in ihm befindet. Wie Bürokratie jedoch oft ist, dauert dieses Unterfangen ewig, muss erst von höherer Stelle genehmigt werden usw. Diese Zeit des Wartens nützt Henry, um den Leser seine Lebensgeschichte zu erzählen.
Geboren „genäht“ von Alice, erblickt Henry das Licht der Welt am 16.Juli 1921 und stellt schnell fest, dass die Zeit vom ersten Weltkrieg immer noch beherrscht wird. Für Alice wird der kleine Teddy zum Seelentröster, sie erzählt ihm von ihrem Verlobten, der verschollen ist, der Hoffnung, ihn wiederzusehen und ihrer unstillbaren Sehnsucht nach der Liebe, die das Paar verband.
Jetzt könnte man denken, schön und gut, mit diesem Stoff lässt sich ein Buch füllen und doch bekommt der Leser viel mehr, weil ein Teddy bleibt oft nicht bei seinen „Schöpfer“, geht verloren, wird verschenkt usw. So geschieht es auch mit Henry, Alice verliert den Kleinen und dieser wird von jemand anderem gefunden. Durch diverse Zwischenfälle wechselt der Bär relativ häufig seinen Besitzer. Egal ob Kinder oder Erwachsener, für die meisten ist er mehr als ein Spielzeug. Tiefste Geheimnisse und Ängste werden ihn anvertraut, aber auch Freuden und Liebe werden mit ihm geteilt. Manchmal möchte Henry sich in die Leben seiner Besitzer einmischen, möchte ihnen Mut zusprechen, wenn sie von Trauer erfüllt sind, doch leider ist er eben „nur“ ein Teddy, kann nicht sprechen und muss sich hilflos mit Situationen abfinden. Anfangs nimmt ihn diese Tatsache noch schwer mit, doch je älter er wird, desto mehr findet er sich in seiner Rolle als stummer Zuschauer in der Welt zurecht. Was jedoch nicht durch all die Jahre leichter wird, ist der Wechsel von Besitzer zu Besitzer. Wird er nämlich verloren, heißt es auch, dass er sich von einem Freund trennen muss, nicht erfährt, wie dessen Leben weitergeht, ebenso bleibt für den Leser nur Ungewissheit übrig. Normalerweise stört es mich, wenn ich nicht weiß, wie eine Geschichte endet, hier ist es jedoch so, dass es einfach zu dem Lauf der Dinge gehört, es nicht zu wissen. Für Henry ist dieses Nichtwissen sein Schicksal, dadurch versteht man beim Lesen, warum ihn oft traurige Gedanken durch den Kopf gehen.

Das Buch ist relativ bedrückend, begleitet man doch Menschen einen Teil lang durch ihr Leben, was nicht immer von Leichtigkeit geprägt ist und doch erkennt man schnell, das Henry, auch wenn er nicht direkt eingreifen kann, doch für alle eine wichtige Stütze in schweren Zeiten ist.

Fazit:
Ein sehr warmherziges Buch, was einem beim Lesen nicht kalt lässt.