Der Märchenerzähler


Titel: Der Märchenerzähler
Autor: Antonia Michaelis
Genre: Jugendbuch ab 14 Jahren
Seiten: 446
ISBN: 978-3789142895

Erste Sätze:
Blut.
Überall ist Blut. An seinen Händen, an ihren Händen, auf seinem Hemd, seinem Gesicht, auf den Fliesen, in Schlieren verschmiert, auf dem kleinen runden Teppich, es tränkt ihn, dunkel, schwarz beinahe, der Teppich war einmal blau, er wird nie mehr blau sein.

Klappentext:
Seine Lippen waren kalt wie Schnee, aber jenseits der Lippen lag die Wärme von samtenem rotem Stoff, Stoff auf dem nächtlichen Deck eines Schiffes. Sie spürte seine Zunge und dachte an den Wolf. Und wenn es wahr ist, dachte sie, wenn das Märchen wahr ist? Ein Genickschuss und ein tödlicher Biss in den Nacken. Alles stimmt. Und wann ich einen Mörder küsse?

Meine Meinung:
Abel Tannatek ist 17 Jahre alt, wohnt mit seiner Schwester und Mutter in einer Plattenbausiedlung und wird an seiner Schule nur der polnische Kurzwarenhändler genannt. Schwänzt er nicht gerade die Schule, dann dealt er dort, schläft im Unterricht, immer jedoch hält er sich abseits von seinen Mitschülern.
Nicht gerade ein Junge zum Verlieben und trotzdem geschieht genau das mit Anna. Die 17-jährige fühlt sich angezogen von diesem geheimnisvollen Jungen.
Sie sucht seine Nähe und findet einen andere Seite von Abel, keine abweisende, sondern sehr fürsorgliche. Liebevoll kümmert sich der Junge um seine kleine Schwester Micha, erzählt ihre manchmal ein Märchen, wobei einen schnell klar wird, dass dieses Märchen in der Realität stattfindet und nur für das kleine Mädchen beschönigt wird. Schnell verfällt auch Anna der Geschichte, verfällt Abel und Micha, erlebt Dinge, die schön, aber auch schrecklich zugleich sind.

Nach dem Cover und dem Klappentext zu urteilen, hatte ich mir ehrlich gesagt einen Fantasyroman erwartet, dass ich dann eine so realitätsnahe Geschichte präsentiert bekommen habe, war im ersten Moment überraschend, allerdings ist das Schreibstil des Buches so wunderschön, dass die Autorin von mir aus über alles Mögliche hätte schreiben können.

Was in der Geschichte alles passiert, lässt einen oft sprachlos zurück, es sind Wendungen, die man sich niemals erwartet hätte. Zwischen diesen verstörenden, aber wirklich gut geschriebenen Teilen, erzählt Abel seiner Schwester Micha und Anna ein Märchen von der kleinen Klippenprinzessin. Von ihren Widerlichkeiten auf ihrem Schiff, von Hoffnung, Freunden, aber auch Feinden. Schnell sieht der Leser darin parallelen in der Realität, erlebt diese noch intensiver.

Oft heißt es ja, die Liebesgeschichte zwischen Abel und Anna wäre so wunderschön – teilweise stimme ich dem schon zu, aber es gibt auch Situationen, wo ich mir persönlich einfach denke, dass eine Liebe so etwas nicht überstehen kann. Besonders als Abel Anna vergewaltigt, war bei mir Schluss mit Verständnis. Man erfährt zwar einiges über Abel, was man als Entschuldigung nehmen könnte, aber nein, für mich bleibt es eine unentschuldbare Sache. Nach der Vergewaltigung, aber auch schon davor, kam mir Anna ein bisschen naiv vor, besonders in Bezug auf die Beziehung zu Abel. Sie läuft ihm einfach blind nach, egal was er auch macht.

Normalerweise handelt es sich dabei um einen klaren Sterneabzug, aber dem Buch kann man einfach keinen Stern abziehen, fünf scheinen schon zu wenig.  Klar, Vergewaltigungen sollte man nicht beschönigen, vor allem in einem Jugendbuch nicht, da erwarte ich auch etwas anderes, aber für mich war es einfach ein großer Fehler der Autorin, wäre nämlich diese Teil aus der Geschichte genommen worden, gebe es nichts zu beanstanden. Der Schreibstil ist wunderschön, die Handlung spannend und Lesbarkeit immer gegeben.

Der Schluss hätte nicht anders sein können und dürfen, wie er letztlich ist.
„Der Märchenerzähler“ sollte einfach gelesen werden – von jedem!

Fazit:
Das Buch ist so fantastisch, verstörend und spannend, dass es einen einfach sprachlos zurücklässt. Das Buch vergisst man nicht.

Dunkler Wahn


Titel: Dunkler Wahn
Autor: Wulf Dorn
Genre: Thriller
Seiten: 432
ISBN: 978-3453267053

Erste Sätze:
Liebster Jan,
keine Geschichte hat ein Happy End. Mag Richard Gere noch tausendmal die Feuerleiter emporsteigen und seine Pretty Woman küssen, es ist alles nur Illusion.
Denn wie sehr wir auch darauf hoffen, wie sehr wir es uns auch ersehnen mögen, der Kuss vor dem Abspann ist dennoch eine Lüge. Er ist der als Ende getarnte Beginn.

Klappentext:
Sie liebt.
Sie lauert.
Sie tötet.

Ein Rosenstrauß ohne Absender. Geschenke vor der Haustür.
Briefe unter dem Scheibenwischer…
Der Psychiater Jan Forstner wird von einer Unbekannten mit Liebesbezeugungen überhäuft. Anfangs glaubt Jan noch an die harmlose Schwärmerei einer ehemaligen Patientin. Doch dann bittet ihn ein Journalist um Mithilfe im Fall einer geistig gestörten Person und wird kurz darauf ermordet.  Jan erkennt, dass er ins Visier einer Wahnsinnigen geraten ist. Und seine Verfolgerin schreckt vor nichts zurück.

Meine Meinung:
Der Psychiater Jan Forstner arbeitet in der Waldklinik am Fahlenberg, dort beginnt auch der Alptraum seines Lebens. Zuerst bekommt er dort nur einen harmlosen Strauß Rosen hingeschickt, allerdings nehmen die Dinge schnell ihren Lauf und es kommt zu seltsamen Anrufen und Zeichnungen, die ihm schnell zeigen, dass die Situationen alles andere als harmlos ist.
Der  Journalist Nowak bittet bei Jan Forstner um einen Termin, um was es geht, will oder kann er am Telefon nicht sagen. Zu einem Treffen der Beiden wird es allerdings nicht mehr kommen, dafür ist Nowak zu tot.  Zufall, oder hat jemand die Kontaktaufnahme absichtlich verhindert?

Das Buch ist in relativ kurze Kapitel unterteilt, wobei man einerseits die Geschichte aus der Sicht von Jan Forstner, aber auch von seiner Stalkerin liest. Man durchlebt die Ängste und Sorgen eines Stalkingsopfer, die Ausweglosigkeit und das Unverständnis für die andere Person. Allerdings taucht man auch in die absurde Welt eines Stalkers ab, verfängt sich in seiner abgrundtiefen Liebe, die nur in deren Fantasie besteht, so seltsam eine Handlung auch erscheinen mag, ihn ihren Augen ist es eine richtige und notwendige Entscheidung.

Noch eine andere Sicht spielt im Buch eine wichtige Rolle, die des örtlichen Priesters Felix Thanner. Diesen beichtet die Stalkerin, was sie gemacht hat, da er allerdings der Schweigepflicht unterstellt ist, darf er niemand etwas von ihren Taten erzählen. Diese Unfähigkeit zu handeln zerreißt ihn beinahe, er schwankt zwischen nichts tun, die Stalkerin weiter ihren Wahn ausleben zu lassen, oder zu handeln, dadurch allerdings sein Priesteramt aufs Spiel zu setzen. Diese Geschichte hat eine eigene Dynamik, weil man sich zum ersten Mal Gedanken darüber macht, was wohl alles bei so einer Beichte ausgesprochen, manchmal danach auch verhindert werden könnte.

An einem Punkt des Buches denkt man, die Stalkerin ausgemacht zu haben, aber am Ende wird einem schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint. Wer die Stalkerin ist, wird zu einer guten Überraschung, allerdings ist es ein ziemlich durchwachsender Schluss. Unerwartet sicherlich, allerdings auch etwas seltsam. Es mag daran liegen, aber mir fehlt bei diesem Thriller der letzte Kick.
Manchmal legt man ein Buch weg und denkt: Wow, was für ein Buch, was für ein Ende. So etwas gab es hier nicht für mich, generell bin ich nicht 100% von der Geschichte überzeugt. Zwar lässt sich alles flüssig und gut lesen, aber wie gesagt, der Feinschliff fehlt einfach.

Die Geschichte kann zwar auf der psychologischen Ebene schon sehr überzeugen, allerdings kommt es immer wieder zu kleine Ungereimtheiten, Situationen wirken zu konturiert und die Spannung fehlt auch in manchen Zügen.

Fazit:
Ein akzeptabler Thriller, der an manchen Stellen zu gewollt wirkt.

Die verborgene Stadt – Die Prophezeiung

Titel: Die verborgene Stadt – Die Prophezeiung
Originaltitel: Wars are Started by Losers – The Secret City 1
Autor: Vadim Panov
Genre: Fantasy
Seiten: 576
ISBN: 978-3453527140

Erste Sätze:
Jahrtausendelang kämpfte die Menschheit verbissen um die Herrschaft auf der Erde. Jahrtausendelang führten Krieger, Helden, Inquisitoren und Priester einen Vernichtungskrieg gegen alle nichtmenschlichen Völker, bis selbst die Erinnerung an die ausgelöscht war. Hexen, Werwölfe und Gnome … Unsere Vorfahren verfolgten und töteten sie gnadenlos, weil sie der Überzeugung waren, dass auf der Erde nur Platz für den Menschen sei. Und ihr Kampf schien von Erfolg gekrönt…

Klappentext:
Seit ewigen Zeiten existiert neben unserer Wirklichkeit eine andere, verborgene Welt. Eine Welt, in die sich die magischen Geschöpfe nach Jahrhunderten der Verfolgung durch die Menschen zurückgezogen haben.
Dieser geheime Ort nennt sich „Die verborgene Stadt“.
Doch nun ist er nicht mehr geheim….

Inhalt:
Moskau wird von grausamen Morden an jungen Frauen erschüttert. Die Polizei gibt den Täter den Namen Vivisektor, für Major Kornilow, Chef der Sonderermittlungsgruppe der Polizei, ist der Fall alles andere als leicht zu knacken, da schon von Beginn an immer wieder ungewöhnliche Geschehnisse die Ermittlungen beeinflussen. Was er nicht ahnt, ist die Existenz einer zweiten Stadt neben Moskau, welche von Zauberern, Werwölfen, Magiern und anderen Wesen bewohnt wird. In diese Stadt ist der Bote zurückgekehrt. Einst verstoßen strebt er nun die Herrschaft über die verborgene Stadt an.
Zwischen den Adelsgeschlechtern der Stadt entbrennt ein erbitterter Krieg, alle versuchen sich so gut es geht aus der Affäre zu ziehen, bis ihnen klar wird, dass sie nur gemeinsam den Boten Einhalt gebieten können.

Meine Meinung:
Vadim Panov ist es perfekt gelungen, Realität und Fantasie glaubhaft und verständlich zu vermischen.
Erschüttert von Morden gerät die Bevölkerung von Moskau in Panik, sie fürchten sich vor erneuten Bandenkriegen. Diesen Fällen nimmt sich Major Kornilow an, man begibt sich mit ihm auf polizeiliche Spurensuche, ohne dem Wissen um die verborgene Stadt, deshalb auch ohne den Wissen, dass die Morde nicht „natürlich“ sind. Auf der anderen Seite lernt man die Herrschaftshäuser der verborgenen Stadt kennen. Den dunklen Hof, die Schatyr, die Tschud, die Rothauben, die Lud, die Naw usw., man taucht in ihr Denken und Handeln ab. Erfährt mehr über ihr Leben, weshalb Streitigkeiten unter den einzelnen Völkern entstanden und warum der Bote letztlich für alle eine Bedrohung darstellt. Wie es aber oft ist, gibt es auch in der verborgenen Stadt, die Guten und die Bösen, weshalb es eben zu einem Krieg unter den einzelnen Völkern kommt.
Normalerweise wissen die Menschen nichts von der verborgenen Stadt, doch die Ausnahme bestätigt die Regel. Einige Humos, so werden die Menschen von den Wesen der verbotenen Stadt genannt, arbeiten für die Herrenhäuser als Söldner. So auch Cortes und Jana, die Beiden arbeiten schon seit längerem zusammen und wurden nun auch mit dem Auftrag betraut, den Boten zu eliminieren. Die beiden Söldner arbeiten mit dem Dunklen Hof zusammen und werden von den Naw Santiago, einem der stärksten Zauberer, unterstützt. Söldner können übrigens auch zaubern, dazu benötigen sie jedoch Artefakte, Gegenstände die magische Energie in sich tragen, weshalb ein zusammenarbeiten letztlich unverzichtbar ist, da ein Zauberer über doch mehr Macht verfügt.

Im Prinzip hört sich das Buch relativ simpel an und ich habe mir jetzt nicht gerade die Wahnsinnsgeschichte erwartet, wobei ich mich mehr als getäuscht habe. „Die Prophezeiung“ ist der erste Teil der Serie „Die verborgene Stadt“ und ist ein gelungener Auftakt in eine Welt voller Magie und Zauber. Niemals kommt Langeweile auf, es passiert eigentlich immer etwas und die Neugier beim Leser wird mit jedem Satz mehr geschürt. Gut umgesetzt fand ich auch das Zusammenspiel zwischen Fantasie und Realität. Die verborgene Stadt ist durchaus verständlich in Moskau eingebunden.
Etwas anstrengend fand ich die ganzen Charakter, die einem zu Beginn des Buches entgegengeschleudert werden. Es ist relativ verwirrend bei dieser Vielzahl noch den Überblick zu wahren, wobei ich sagen muss, so ab Seite 200 hat man es heraus. Allerdings ist auch zu sagen, dass am Ende des Buches ein Glossar angehängt ist, in dem man immer wieder die wichtigsten Sachen nachlesen kann.
Nun zu einem Kritikpunkt, welcher nicht die Schuld des Autors ist, weil er nichts dafür kann, dass er Russe ist und ich kein russisch kann, aber es stört den Lesefluss schon erheblich, wenn man immer wieder über unaussprechliche Worte stolpert. Straßennamen, Personennamen etc. sind typisch russisch und für keinen Kenner der Sprache ziemlich schwierig.

Zwar ist „Die Prophezeiung“ der Auftakt zu einer Serie, allerdings lässt sich das Buch auch sehr gut eigenständig lesen. Die Geschichte ist abgeschlossen und aufgeklärt, so dass es nicht nötig ist den zweiten Teil „Das Opfer“ zu lesen.

Fazit:
Ein großartiger Fantasy Roman, voller Abenteuer und Spannung. Eine definitive Leseempfehlung!

In den Augen der Anderen

Titel: In den Augen der Anderen
Originaltitel: House Rules
Autor: Jodi Picoult
Genre: Belletristik
Seiten: 688
ISBN: 978-3431038415

Erste Sätze:
Wo ich auch hinschaue, sehe ich Kampfspuren. Die Post liegt auf dem Küchenboden verstreut, die Hocker sind umgestoßen, das Telefon ist aus seiner Halterung gerissen worden, der Akku hängt an den Kabeln heraus. Auf der Schwelle zum Wohnzimmer findet sich ein einzelner schwacher Fußabdruck und deutet in Richtung der Leiche meines Sohnes Jacob.

Klappentext:
Dein Sohn ist des Mordes angeklagt.
Deine Angst ist, er könnte es wirklich getan haben.
Was würdest du tun?

Inhalt:
Auf den ersten Blick wirkt Jacob Hunt wie ein normaler Teenager, doch dieser Eindruck täuscht, denn der 18-jährige leidet am Asperger Syndrom, einer Form des Autismus. Nur wenn gewisse Regel eingehalten werden, kann vermieden werden, dass der Junge einen nervlichen Zusammenbruch erleidet. Besonders seine alleinerziehende Mutter Emma versucht, diese Spielregeln zu befolgen, eine davon betrifft das Essen. Jeder Tag hat eine andere Farbe, so gibt es montags nur grüne Speisen, dienstags rote, mittwochs gelbe, donnerstags braune usw., zudem erträgt Jacob es nicht, wenn Haare die Schultern berühren, oder zu grelles Licht. Sein Tagesablauf ist immer der Selbe, denn nur die kleinste Abweichung bringt in so durcheinander, dass er einen Anfall erleidet. Diese Situation ist für seinen 15-jährigen Bruder Theo alles andere als leicht, was ihn oft zu den Gedanken treibt – wäre das Leben nicht besser, ohne Jacob.
Jacob hat viele Betreuer, doch nur der Studentin Jess Ogilvy gelingt es, in seine Welt einzutreten. Eine Welt, geprägt von Logik und Kriminaltechnik, das größte Hobby des 18-jährigen. Sei es nun, dass er sich nur mit dem Thema auseinandersetzt, zu Hause von allem und jedem Fingerabdrücke nimmt, oder sogar eigene Tatorte für seine Mutter herstellt. Damit diese sich auf die Tätersuche machen kann.
Das Leben der Familie Hunt ändert sich jedoch schlagartig, als Jacobs Betreuerin Jess, tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird und Jacob ins Visier der Ermittlungen gerät.
Hat er Jess in einen seiner Anfälle getötet? Was er geplant? Oder steckt vielleicht jemand anderes dahinter?

Meine Meinung:
Asperger Syndrom, Unterform von Autismus, was fällt einen dazu ein? Einerseits das Leben in einer eigenen Welt, ohne die Fähigkeit Empathie für andere Menschen zu empfinden, geregelte Tagesabläufe, die nicht gestört werden dürfen, der fehlende Blickkontakt, andererseits aber auch die hohe Intelligenz vieler Betroffener, so ist es auch bei Jacob. Ohne seine Regeln, lässt sich das Leben nicht meistern, seine Familie versucht alles zu vermeiden, was ihn verwirren, oder stören könnte. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass alles rational und ohne Gefühle erklärt werden muss, damit Jacob es auch versteht.
Für alle Angehörigen ist diese Situation nicht leicht, besonders der 15-jährige Theo leidet darunter, immer auf seinen Bruder Rücksicht nehmen zu müssen. Er wünscht sich eigentlich nur ein normales Leben, hofft dieses irgendwo zu finden, wenn auch nicht zu Hause.
Die Mutter der Beiden, Emma, scheint ihre Rolle anerkannt zu haben. Natürlich sehnt sie sich auch nach etwas Freiraum für sich hat aber akzeptiert, dass es mit Jacob niemals so etwas wie Normalität geben kann und wird, ihr Leben nach dem ihres Sohnes ausgerichtet ist.
Aus den Fugen gerät alles, als Jacob wegen Mordes verhaftet und ins Gefängnis kommt. Das Leben, wie sie es kannten, gibt es nicht mehr und so beginnt ein Spießrutenlauf für die Mutter, die an die Unschuld ihres Sohnes glaubt, allerdings auch leise Zweifel verspürt und natürlich für Theo, der nicht nur mehr der Bruder des Spasten ist, sondern jetzt auch der Bruder eines Mörders.

Das Buch ist in Kapitel untergliedert, die jeweils von Emma, Jacob, Theo, Rich (Polizeibeamter) oder Oliver (Verteidiger) erzählt werden. Besonders interessant ist es, in die Welt von Jacob abzutauchen. Was bringt in dazu, in bestimmten Situationen so zu reagieren, wie er es tut. Warum bringt es ihm aus dem Konzept, wenn jemand schulterlange Haare hat, wieso beruhigt es ihm, oftmals in Filmzitaten zu antworten und was unterscheidet ihm von einem „gesunden“ Menschen. All diese Fragen, werden den Leser ausführlich erklärt und sind grandios geschrieben. Beeindruckend fand ich aber auch mal die Sicht des Bruders Theo kennen zu lernen, dass ein Leben mit einem Autisten alles andere als leicht ist, kann sich vermutlich jeder vorstellen, doch was es dann tatsächlich bedeutet, ist schon schwerer zu verstehen.

Zuerst hatte ich meine bedenken, weil das Buch doch ca. 680 Seiten hat und es durchaus bei dieser Länge oft geschieht, dass die Geschichte einschläft, doch Jodi Picoult ist es wunderbar gelungen, sobald die Spannung etwas nachlässt, sogleich wieder eine neue aufzubauen. Auch bleibt es bis zu den letzten Seiten des Buches unklar, ob Jacob nun Opfer oder Täter ist, was nochmals ein Lob an die Autorin ist. Bis zum Schluss war es mir auch unklar, was nun tatsächlich geschehen ist und der Schluss selbst war eine Überraschung.

Der Schreibstil ist relativ leicht und verständlich, mit Ausnahme der Kapitel von Jacob, es ist einfach eine andere Welt, wie wir sie kennen, weshalb es oftmals schwer fällt, Verständnis für bestimmte Dinge aufzubringen, doch je mehr man liest, desto mehr begreift man, was in seinem Kopf vorgeht, auch wenn man vermutlich nie die ganzen Gedanken und Handlungen nachvollziehen werden kann.

Fazit:
Ein gelungenes Buch, was in eine Welt jenseits unserer führt. Eine Reise, die sich auf jeden Fall lohnt.